Pressemitteilung zur Generalsanierung des 3. Bauabschnitts

Erstellt am: 30.11.2016

Künstlerhaus im KunstKulturQuartier – Generalsanierung 3. Bauabschnitt

Nach einjähriger Planung bei vielen Gesprächen mit Gruppen, Vereinen und Nutzern des Künstlerhauses im KunstKunstKulturQuartier und dem kürzlich wiederholten einstimmigen Beschluss zum 3. Bauabschnitt im Kulturausschuss, werden jetzt die Weichen für die dringend benötigte Sanierung gestellt. Baubeginn für den hinteren Teil des Hauses ist voraussichtlich Sommer 2018.
Das 1910 eröffnete Haus am Eingang der Stadt soll Besucherinnen und Besuchern durch eine veränderte Raumordnung zukünftig noch besser für diskursive, partizipatorische Kulturarbeit, für Experimente, als Labor und Kreativwerkstatt offenstehen. Gleichzeitig will man den Charakter des Hauses mit seiner wechselvollen Geschichte erhalten und die dringend zu behebenden baulichen Mängel beseitigen.    

Der von der Stadt Nürnberg beauftrage Architekt ist der Münchner Professor Florian Nagler. In direkter Nachbarschaft beteiligt er sich gerade auch an den Planungen um den Wiederaufbau der abgebrannten St. Martha Kirche. Seinen Vorentwurfsplan für den 3. Bauabschnitt mit einer Bruttogrundfläche von ca. 6.700 qm beschreibt Nagler mit einem zunächst widersprüchlich klingenden Satz: „Alles muss besser funktionieren, aber soll so bleiben, wie es ist ...“.
Nach Interimslösungen für alle bisherigen Nutzungen, Pächter, Gruppen und Vereine, die nach der Sanierung weiterhin im Haus bleiben sollen, wird bereits gesucht. Ziel ist es nach der Generalsanierung die Vernetzung, Ablauforganisation und Arbeitsbedingungen für städtische wie ehrenamtliche Mitarbeiter zu verbessern, Besucherinnen und Besuchern einen verbesserten Zugang zu spartenübergreifenden Kulturangeboten zu bieten und Raum für Entwicklungen entstehen zu lassen.

Mängelbeseitigung
Neben bautechnischen und baurechtlichen Mängeln lassen sich die größten funktionalen Problemlagen schnell zusammenfassen: Das enge Miteinander unterschiedlichster Funktionen, die unterschiedlich lärmempfindlich, aber auch unterschiedlich lärmintensiv sind, führt aufgrund des gering ausgebildeten baulichen Schallschutzes zu vielen Konflikten bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. Nach zwei unabhängigen Schallgutachen in den Jahren 2010 und 2011, wurde unter der Zielvorgabe der Mängelbeseitigung der Weg begangen, eine veränderte Raumanordung zu verfolgen. 
Die Rettungswege aus den großen Veranstaltungsräumen erfüllen derzeit nur eingeschränkt die aktuellen Anforderungen der Bayerischen Bauordnung bzw. Versammlungsstättenverordnung. Zudem besteht eklatanter Platzmangel für die Unterbringung des Mülls und es fehlen Lagerräume. Eine vernünftige Peripherie für die großen Veranstaltungsräume ist nicht vorhanden, Technikräume für die Veranstaltungsbereiche, aber auch Umkleiden und Sanitärräume für Künstler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen fast vollständig.

Veränderte Raumordnung

Der Entwurf sieht vor, die sichtbaren Eingriffe in den Bestand auf ein Minimum zu reduzieren. Um aber vor allem das Schallproblem innerhalb des Hauses in den Griff zu bekommen, haben Florian Nagler Architekten ein Raumkonzept entwickelt, bei dem die lärmintensiven Räume von den lärmempfindlichen soweit als möglich entfernt angeordnet werden. Dies betrifft vor allem die Bereiche KulturKellerei und Zentralcafé, die nun in die untere Ebene des Gebäudes verlegt werden, da sie lärmintensiv sind, aber auch unabhängig von Tageslicht betrieben werden können. Die KulturKellerei wird dabei die Räume der jetzigen Schreinerei übernehmen, für das Zentralcafé wird im Bereich des Anlieferhofes das Gebäude auf der Untergeschossebene erweitert. Durch diese und weitere Raumrochaden wird auch erreicht, dass alle Werkstätten auf einer Ebene zusammengeführt werden können und von einem gemeinsamen Flur aus erschlossen sind. Neben den Eingriffen in den Untergeschossen gibt es einen weiteren größeren Eingriff in das Gebäude und sein äußeres Erscheinungsbild und zwar im Bereich des Erschließungshofes und dem dort bereits bestehenden Anbau. Das direkt angrenzende Treppenhaus wird nach oben und unten erweitert, um die baulichen Rettungswege zu verbessern. Außerdem wird der Anbau etwas aufgestockt, um einerseits einen Lastenaufzug unterbringen zu können, der möglichst viele Ebenen erreicht, andererseits möglichst viele zusätzliche Flächen für Sanitärräume und Künstlergarderoben schaffen.


Neue Eingangssituation

Die Neuordnung der Eingangssituation zum Künstlerhaus bildet eine weitere wichtige Maßnahme, welche die Abläufe im Gebäude verbessern und das Haus deutlicher nach außen hin öffnen wird. Folge ist auch eine bessere Auffindbarkeit des Künstlerhauses selbst und eine bessere Orientierung im Gebäude. In Zukunft wird man über eine breit angelegte Brücke vom Königstorgraben aus zu einer zentralen Eingangshalle gelangen, die als Verteiler für alle Nutzungen im Haus dient und die vielfältigen Facetten des Künstlerhauses sichtbar macht. Diese ist mit Werkstätten und Technikräumen unterbaut und kann von der Gastronomie als Freisitz genutzt werden. Auch der Eingang von der Königstormauer aus wird in Zukunft direkt zu dieser Halle führen, sodass eine zentrale Ost-West-Eingangssituation entsteht. Die baulichen Eingriffe sind dabei eher unspektakulär. Die in der jetzigen Gastronomie vorhandene Holzdecke wird denkmalgerecht umgebaut und erweitert. Das derzeitige Zentralcafé wird in Zukunft von der Gastronomie genutzt werden, die im Bereich des jetzigen Zugangs von der Königstormauer adäquate Räume für Küche, Lagerung und Personal erhalten wird.
In den Obergeschossen werden die Raumstrukturen überwiegend beibehalten, auch wenn die Funktionen getauscht werden. Der Vorsaal wird in Zukunft vor Veranstaltungen und in den Pausen zur Bewirtung der Gäste genutzt, der Nebenfestsaal wird zu einem Seminar- und Veranstaltungsraum. Der Festsaal wird durch den Rückbau der jetzigen Bühne und Galerie zu einem multifunktional nutzbaren Veranstaltungsraum umgestaltet. Dieser ist sehr flexibel angelegt. Außerdem kann in Zukunft mit deutlich geringerem Aufwand für Veranstaltungen mit unterschiedlichen Anforderungen umgerüstet werden. Das schlecht erschlossene und mit baulichen Rettungswegen nicht ausreichend ausgestatteten Dachgeschoß wird als Lagerräume und zur Unterbringung der großen Lüftungszentrale genutzt.
Die WC-Anlagen sind den Nutzungen zugeordnet. Das Gebäude wird in weitestgehend barrierefrei sein.
Im Inneren gilt es, den Charme der Räume zu erhalten und die notwendigen Reparaturmaßnahmen, aber auch die Erneuerung der Gebäudetechnik so durchzuführen, dass der Denkmalcharakter beibehalten bleibt. Die vorhandenen Oberflächen werden daher grundsätzlich erhalten und bei Bedarf repariert und ergänzt. Fenster werden wo möglich erhalten und aufgearbeitet oder gegebenenfalls denkmalgerecht ersetzt. Ein musealer Charakter wird nicht angestrebt.

Sensibler Eingriff
Die Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild beschränken sich auf ganz wenige Bereiche wie die beiden neuen Zugänge und den erweiterten Anbau im Bereich der Anlieferung. Dabei werden Materialien verwendet, die sich harmonisch in das Materialkonzept des Bestandes einfügen (Putz, Beton mit Zuschlägen aus ortsüblichem Sandstein, Sandstein, Dachdeckungen mit naturroten Ziegeln, Holzfenster etc.). Auch in der Formensprache nehmen die Neubaumaßnahmen Bezug auf den Bestand, setzen diese aber sehr präzise und reduziert um, so dass die Eingriffe in die Substanz, zumindest auf den zweiten Blick lesbar bleiben.

Vorgeschichte Sanierung
         
Der in Planung befindliche 3. Bauabschnitt hat eine lange Vorgeschichte: er bildet den letzten und größten Teil einer umfassenden Sanierung. Von 1996 bis Oktober 2000 wurde der mittlere Teil, der auch noch etliche Kriegsschäden aufwies, erneuert. Es folgten der Abriss des alten Vorbaus und die Errichtung des gläsernen Kopfbaues innerhalb von zwei Jahren im Februar 2002 nach den Plänen des Architekten Grabow. Im Sommer 2009 wurden die Planungen für den 3. Bauabschnitt aufgenommen, ein Raumkonzept entwickelt und vom Kulturausschuss einstimmig verabschiedet.