Kino 3

Work Hard - Play Hard

online bis 18.11.2020


Freundekarten-Inhaber*innen können die Filme in Kino 3 umsonst streamen. Den Eingang finden Sie auf unserer Homepage. Wenn Sie auch Filmhaus-Freundin oder Freund werden möchten, senden Sie uns eine einfache Bestellung an filmhaus@stadt.nuernberg.de (bitte Ihre Kontaktdaten wie Name und Anschrift angeben). Mit der Karte bekommen sie dann einen kostenlosen Zugang zum Kino 3 per Mail und können zudem alle Kinovorstellungen vor Ort im Filmhaus vergünstigt besuchen. Die Filmhaus-Freundekarte kostet regulär 25€, 13€ für Schüler*innen und Studierende und ist ab Kauf ein Jahr lang gültig. Vor Ort kostet dann ein Kinobesuch 4,50€, inklusive dem Stummfilm mit Livemusik!

Zum Programm:

Anlässlich des bundesweiten Kinostarts ihres aktuellen Films OECONOMIA - ab 15.10.2020 auch bei uns im Filmhaus Nürnberg vor Ort - präsentieren wir im Kino3 Carmen Losmann's preisgekrönten Dokumentarfilm WORK HARD - PLAY HARD aus dem Jahr 2012.

In WORK HARD - PLAY HARD setzte sich Carmen Losmann mit den Wirkungen des modernen Human Ressource Managements auseinander. Mit OECONOMIA, der auf der Berlinale 2020 seine Premiere feierte und von der Kritik ebenfalls hoch gelobt wurde, setzte sie ihre eindringlichen Recherchen zu den zerstörerischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems fort und öffnet den Blick jenseits der gängigen Erklärungsmuster und Dogmen auf den Nucleus eines hochexplosiven Systems: Der Schuldner als zentraler Akteur.

Zu WORK HARD - PLAY HARD:

„Work hard, play hard", so lautet in Anlehnung an die lateinische Weisheit „Laboris gloria ludi" eine schmissige Management-Formel, die suggeriert, dass, wer hart arbeite, auch das Anrecht auf einen gewaltigen Ausgleich in Form von Freizeitvergnügen, Konsumfreuden oder sonstigen Trösterchen habe. Work-Life-Balance könnte man das auch nennen. Insofern ist der Titel von Carmen Losmanns sehenswertem Dokumentarfilm über die schöne neue Arbeitswelt fast ein wenig irreführend, denn hier geht es nicht um den Ausgleich zwischen Work und Life als Antipoden, sondern vielmehr um die zunehmende Verschmelzung dieser unterschiedlichen Lebensbereiche.

In den schönen neuen Arbeitswelten, die Carmen Losmann in WORK HARD – PLAY HARD vorführt, ist alles anders, als wir das bisher gewohnt waren. Keine Stechuhren mehr, keine strengen Chefs, keine tristen Bürogebäude und keine unüberwindbaren Hierarchien trüben den Spaß an der Arbeit. Denn genau hierum geht es in dem Paralleluniversum, in das der Film entführt: Darum, welche raffinierten Strategien und ausgeklügelten Methoden heutzutage angewandt werden, um die Motivation und Leistungsbereitschaft der Ressource Mensch zu optimieren, um vielleicht noch ein Quantum mehr an Leistung aus den Arbeitnehmern herauszuholen.

Ohne jeglichen Kommentar und fast ohne Musikuntermalung vertraut der Film allein auf die Aussagekraft seiner eiskalten, glasklaren Bilder und die Schlüssigkeit seiner Szenen und gewinnt damit fast auf ganzer Linie. Obgleich die Gespräche vom Manager-Neusprech geprägt sind und vielfach nur aus Slogans und schick klingenden Worthülsen zu bestehen scheinen, folgt man diesem „Roadmovie" durch die moderne Arbeitswelt auch dank seiner starken Bilder zunehmend fasziniert.

Was bleibt, ist die Frage, ob die hier Gezeigten, ob wir selbst eigentlich merken, welche gigantische Manipulationsmaschine um sie, um uns herum aufgebaut worden ist. Der Eindruck, der nach diesem Film bleibt (und ehrlich gesagt haben wir das schon lange geahnt) ist, dass die Ausbeutung des Humankapitals heutzutage einfach nur wesentlich subtiler betrieben wird als im Industriezeitalter und dass wir selbst uns den Manipulationen, die uns umschmeicheln, längst nicht mehr erwehren können.

Joachim Kurz, Kino-Zeit


Land: Deutschland
Jahr: 2011
Regie: Carmen Losmann
Länge: 90 Min.
Sprache: Deutsch
Sprachformat: Originalfassung mit deutschen Untertiteln
FSK: ab 0

Filmhaus im KunstKulturQuartier - Kino 3
Königstr. 93
90402 Nürnberg

Eintritt frei
Einen kostenlosen Zugang zu Kino 3 haben alle Inhaber*innen einer aktiven Filmhaus-Freundekarte. Mehr Informationen finden Sie unter www.filmhaus.nuernberg.de

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