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Aufführung / Erstaufführung

Das Fest der gebackenen Kartoffeln (Carte blanche acier à Gary Vanisian vom Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

FSK: ab 16, empfohlen ab 16

Sa., 22.07.2017, 13:00 Uhr

Zu kurz kam bislang der Osten Europas bei den Bemühungen, einen Atlas des stählernen Kinos zu zeichnen. Dabei hat die reichhaltige Kinematographie gerade auch der Sowjetunion noch einige Schätze aus Edelmetall zu bieten, die es mit den veredelten Güssen aus der westlichen Welt ebenbürtig und kraftvoll aufnehmen können – eine farblose, aber immer noch farbechte Sovcolor-Palette, spartanische Inneneinrichtungen und eine Dominanz der Birken in den Außenaufnahmen.

Der aus meiner eigenen Kopiensammlung stammende, aber bislang noch ungesichtete Film DAS FEST DER GEBACKENEN KARTOFFELN (wie er in der DDR verliehen wurde, wobei man aus dem russischen Singular des Substantivs im Deutschen ein Plural machte – um den Grad an versprochenen Attraktionen noch zu steigern?) sprang mir bei den Überlegungen, welcher Film den STUCateuren als carte blanche anzubieten sei, sofort wieder ins Gedächtnis. Als mir beim Recherchieren dann das Originalplakat des Films vor die Augen trat, in seinem ganzen stählernen und durchaus auch wieder stalinistischen Potential (die Breschnjew-Ära war eine der Restauration, in der das Filmschaffen nach einem kurzen künstlerischen Wunderjahrzehnt zwischen 1955 und 1965 wieder überwiegend auf das gefällige und unauffällige Mittelmaß getrimmt wurde, das schon Stalin gerne gesehen hatte), war die Entscheidung gefällt.

Juri Iljenko, einer der gepriesensten Regisseure der sowjetischen Ukraine, hatte als Kameramann bei den Aleksandr Dowschenko Studios in Kiew begonnen und Sergej Paradschanows DIE SCHATTEN VERGESSENER AHNEN erlesen fotografiert, bevor er ab 1965 seine Karriere als Regisseur am selbigen Studio begann.

DAS FEST DER GEBACKENEN KARTOFFELN verfilmt die Lebens- und Wirkungsgeschichte einer real existierenden Frau, Aleksandra Derewskaja, gleichsam einer Mutter Theresa der Ukraine, die ab den 1920er Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Menschen und Kinder pflegte und ab 1939 – ihre bekannteste Heldentat – 48 Waisenkinder bei sich aufnahm und großzog. Ohne äußeren Pathos, aber dafür mit nachdenklich-meditativen Bildern erzählt Iljenko diese Geschichte aus Sicht eines der von ihr erretteten Jungen, der sich im Erwachsenenalter an sie zurückerinnert. Das Lexikon des internationalen Films hält dazu fest. „Ein Hohelied mütterlicher Liebe, dessen humanistischer Gesinnung handwerkliche Mängel gegenüberstehen.“ Wir sind gespannt!

(Gary Vanisian)

Einzelticket: 6 Euro
Tagesticket: 20 Euro
Dauerkarte: 45 Euro

Prasdnik Petschenoi Kartoschki, UdSSR 1977, 88 Min., DF, Regie: Juri Iljenko, mit: Ljudmila Jefimenko, Roman Gromadski, Leonid Janowski, Viktor Pantschenko, Irina Tscherednitschenko

Website

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino
Königstr. 93
90402 Nürnberg

Eintrittspreise:
Normal: 6.00 €

Veranstalter:
Kommkino e.V.

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