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Aufführung / Erstaufführung

The Postman

FSK: ab 16, empfohlen ab 16

Die postapokalyptischen Großproduktionen Kevin Costners sind längst sprichwörtlich geworden – so sehr, dass der Schriftsteller Christian Kracht in seiner Erzählung „Lob des Schattens“ die eigene Lebenskrise trefflich diagnostizieren lässt mit den Worten: „Sie fühlen sich wie Kevin Costner nach der Fertigstellung des Spielfilms WATERWORLD.“ Und tatsächlich war es ja eine Zweierkombination, die Costner, seit seinem Oscartriumphzug mit DANCES WITH WOLVES das heißeste Eisen Hollywoods in Sachen epischer Americana und in einer Reihe erfolgreicher Kinofilme mit Überlänge zu sehen, Mitte der 90er Jahre ziemlich nachhaltig auf die Bretter schickte.

Sprichwörtlich baden ging Costner zunächst 1995 unter der Regie von Kevin Reynolds mit WATERWORLD, einer sündhaft teuren Megaproduktion irgendwo zwischen Blockbuster, B-Picture und Überzeugungstat. Nachdem sich die beiden langjährigen Weggefährten im Zuge der katastrophengeplagten Dreharbeiten jedoch heillos zerstritten, folgte Costner für THE POSTMAN Reynolds‘ Rat, selbst die Regie zu übernehmen – denn, so Reynolds, „so könne er mit seinem Lieblingsregisseur und seinem Lieblingsschauspieler gleichzeitig zusammenarbeiten.“

Der von der Kritik unisono zerrissene und vom Publikum konsequent ignorierte THE POSTMAN funktioniert dabei wie eine Art Spiegelfilm zu WATERWORLD, der der maritimen Apokalypse eine ausgetrocknete Wüstenwelt entgegensetzt. Das Amerika des Jahres 2013 ist von Kriegen verwüstet, die Überlebenden kämpfen in isolierten Siedlungen gegen Hunger und Durst. Eine nomadische Armee unter Führung von General Bethlehem plant eine faschistoide Machtergreifung – und die Träume von der Neugründung einer zivilisierten Gesellschaftsordnung haften sich an eine Postuniform, die in die Hände eines namenlosen Drifters fällt. Denn Zivilisation, so die These von Costners Herzensprojekt, steht und fällt mit der Möglichkeit und dem Willen zur Kommunikation.

THE POSTMAN ist ein Film, der anscheinend zu jedem runden Jubiläum von einem einzelnen Kritiker wiederentdeckt wird, ohne jedoch jemals wirklich Spuren zu hinterlassen. 2007, zehn Jahre nach seiner kurzen Stippvisite auf den Kinoleinwänden, widmete ihm Nathan Rabin eine Art Liebeserklärung, die ihn wohl selbst am meisten überraschte. Und erst kürzlich, eine weitere Dekade später, erkannte Outlaw Vern in ihm eine gespenstisch-prophetische Vorwegnahme der Trump-Ära – von der Clinton-Ära aus betrachtet.

David Brin schließlich, Autor der preisgekrönten und von Costner sehr frei adaptierten Romanvorlage und somit wohl nicht ganz ohne Vorbehalte, verglich das Anschauen des Films mit „having a great big Golden Retriever jump on your lap and lick your face while waving a flag tied to its tail. It‘s big, floppy, uncoordinated, overeager, sometimes gorgeous – occasionally a bit goofy – and so big-hearted that something inside of you has to give _ that is, if you like that sort of thing.“

Die STUCateure mögen das und freuen sich auf die Erst- oder Wiederbegegnung mit dem postapokalyptischen Postillion.

(Jochen Werner)

Einzelticket: 6 Euro
Tagesticket: 20 Euro
Dauerkarte: 45 Euro

The Postman, USA 1997, 90 Min., Englisch, engl. OF, Regie: Kevin Costner, mit: Kevin Costner, Will Patton, Larenz Tate, Olivia Williams, James Russo

Website

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino
Königstr. 93
90402 Nürnberg

Eintrittspreise:
Normal: 6.00 €

Veranstalter:
Kommkino e.V.

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