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Die Schwalbe und die Meise

Heimat! Das Filmfestival

L’Hirondelle et la mésange, F 1924, 78 Min. Min., Regie: André Antoine, mit: Louis Ravet, Pierre Alcover, Maguy Deliac, Georges Denola, Jane Maylianes u. a.

FSK: ab 0, empfohlen ab 14

CINECITTA Multiplexkino - ARENA-Bühne
Gewerbemuseumsplatz 3
90403 Nürnberg

Eintrittspreise:
Normal: 15 € / Ermäßigt: 12 € / 4.50 €
Ermäßigung für: Schüler*innen, Student*innen / Freundekarteninhaber*in & Nürnberg-Pass

Einführung: Matthias Fetzer
Musikbegleitung: Stephen Horne (Flügel), Elizabeth-Jane Baldry (Harfe)

Ein selten zu sehendes Kleinod des Stummfilms. Vor Helmut Käutner in „Unter den Brücken“ (1946) und Jean Vigo in „Atalante“ (1934) erzählt André Antoine von Binnenschiffern, von ihrem Leben auf den Lastkähnen, mit denen sie auf Flüssen und Kanälen ihre Fracht transportieren. Schauplatz des Films sind die beiden Lastkähne namens „Schwalbe“ und „Meise“, die mal hintereinander, mal nebeneinander vertäut, die Kanäle Flanderns befahren. In Antwerpen heuert Kapitän Pierre Van Groot den Seemann Michel als Steuermann an, um die hauptsächlich mit Kohle beladenen Kähne zu navigieren. Mit an Bord leben Pierres Frau Griet und deren Schwester Marte. Gemeinsam machen sie sich über Brüssel und Gent nach Frankreich auf. Das Leben kurz nach dem Ersten Weltkrieg ist nicht einfach, um über die Runden zu kommen, schmuggeln sie auch Ware. Pierre und Marthe sind von Michel eingenommen, Griet ist zurückhaltender. Michel beobachtet, wie der Kapitän wertvollen Schmuck versteckt, und als klar wird, dass er auch ein Auge auf Griet geworfen hat, wird er zur Bedrohung für seine Adoptivfamilie. André Antoines Film wirkt überraschend modern. Das verdankt er zum Großteil seinem Realismus und den dokumentarischen Aufnahmen vom Leben an Bord und den vorbeifließenden Fluren. Majestätische, vom Kahn aus gefilmte Bilder von Landschaften, Städten, von Menschen auf Kähnen, an Ufern, zu Wasser und zu Land. Der Rhythmus entsteht durch die Abwechslung zwischen Schifffahrt und Landgang. In Mechelen wird dabei der Festumzug „Ommegang“ eingefangen, der nur alle 25 Jahre ausgerichtet wird. Ausschließlich an Originalschauplätzen und mit Laiendarstellern gedreht, gilt „Die Schwalbe und die Meise“ heute als Vorläufer des italienischen Neorealismus. Seiner Zeit voraus, wurde er damals für „zu undramatisch“ befunden und nicht im Kino ausgewertet. Erst nach seiner Restaurierung durch die Cinémathèque française und den Regisseur und Cutter Henri Colpi sehen wir einen Film, der gleichermaßen über seine Zeit hinausgeht und eine erstaunliche Zeitkapsel darstellt.

Veranstalter:
KunstKulturQuartier, Filmhaus Nürnberg
Bezirk Mittelfranken Kulturreferat

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