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Aufführung / Erstaufführung

Der Mann, der kam, um zu töten

FSK: ab 16, empfohlen ab 16

Beim Poker musste der versoffene Ex-Chirurg und jetzige Falschspieler Doc MacGregor in Notwehr einen Mann erschießen. Nun ist ihm der erbarmungslose Kopfgeldjäger Slade auf den Fersen. Auf seiner Flucht stößt MacGregor zufällig auf die Leiche eines Mannes namens Larry Kitchener. Da Slade sein Gesicht nicht kennt, nimmt MacGregor kurzerhand die Identität des Toten an. Ein Fall von „Regen in die Traufe“, denn bald stellt sich heraus, dass Kitchener - ein Revolverheld von großem Ruf - als neuer Sheriff eine Kleinstadt vor dem berüchtigten, mordlüsternen Banditengeneral Reyes und seinen Männern beschützen sollte. Eine äußerst gefährliche Aufgabe, die nun MacGregor zufällt. Die Dinge werden nicht einfacher, als ausgerechnet der Kopfgeldjäger Slade als Deputy anheuert. Nun muss der vermeintliche Larry Kitchener einerseits seinen übermächtigen und äußerst grausamen Todfeind Reyes bezwingen und andererseits darum beten, dass Slade nicht hinter das Geheimnis seiner wahren Identität kommt...

Mit „Der Mann, der kam, um zu töten“ gelingt dem spanischen Filmemacher in Diensten des Italowestern Alfonoso Balcázar ein krachender Hüftschuss aus der zweiten Reihe des Genre. Der Identitätentausch inklusive aller daraus resultierenden Verwicklungen gibt dieser in italienisch-spanischer Co-Produktion entstandenen Bleioper inhaltliche Würze, während die Bühne ansonsten ganz unserem tollwütigen Lieblings“mexikaner“ Fernando Sancho gehört. Wer sich im Metier etwas auskennt, weiß, dass in den 60er und 70er Jahren bei Fernando Sanchos Agent immer dann das Telefon geschellt hat, wenn Cinecittà einen Darsteller benötigte, der überzeugend den feisten, sadistischen Chef-Bandolero geben konnte. Das Telefon stand nie still, denn keiner überzog das Grenzland so schön mit Terror und Gewalt wie der beleibte Mime aus Saragossa, wenn er mit seinen niederträchtigen Companeros in Almeria unterwegs gewesen ist. Und versprochen: In „Der Mann, der kam, um zu töten“ darf sich der gute Sancho in seiner Paraderolle einmal mehr so richtig austoben. Als Banditengeneral Reyes stapelt er die Leichen von Gringos und in Ungnade gefallener Hombres bis zur Decke und haut uns die zynischen Sprüche a go-go um die Ohren. Selbstverständlich bleiben auch die Colts des Österreichers Carl Möhner (alias Kitchener aka Mac Gregor) und des aus dem fiebrigen, wahrscheinlich lustigen Pilzen entsprungenen Kultwesterndelirium MATALO! bekannten Luis Dávila (als Kopfgeldjäger Slade) nicht arbeitslos. Somit serviert uns Alfonso Balcázar neben grundsolidem Genrehandwerk und einem spannenden Plot auch eine Extraportion blauer Bohnen. Für die treffliche musikalische Untermalung sorgt im Übrigen Western-Hofkomponist A. F. Lavagnino. „Der Mann, der kam, um zu töten“ ist nicht nur ein kurzweiliger Italowestern der rauen, klassischen Schule, sondern darüber hinaus auch ein rares Sehvergnügen: Im Gegensatz zu geläufigeren Genrebeiträgen Balcázars wie „Die Todesminen von Canyon City“ oder „Für ein paar Leichen mehr“ gibt es zum vorliegenden Film noch keine Auswertung auf DVD. Zu sehen war er bislang lediglich gekürzt auf VHS und einmal uncut auf Kabel Eins. Umso schöner, dass der geneigte Bleiopern-Gänger hier und heute Gelegenheit findet, eine weitere Lücke in seinem Filmtagebuch zu schließen. Doch überlassen wir nun General Reyes das Schlusswort: „Was? Du willst mein Gold nicht? Dann kriegst du eben Blei!“
Christian Ade

L’uomo Dalla Pistola D’oro, Italien/Spanien 1966, 85 Min., dF, Regie: Alfonso Balcázar, mit: Carl Möhner, Luis Dávila, Fernando Sancho, Gloria Milland

Website

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino
Königstr. 93
90402 Nürnberg

Eintrittspreise:
Normal: 6.00 €

Veranstalter:
Kommkino e.V.

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