Das Fest

25 Jahre Dogma 95

Mi / 19.02.2020 / 21:15

FSK: ab 18 Jahre


DAS FEST ist der erste nach den Regeln des Dogma 95 realisierte Spielfilm. Eine opulente Familienfeier wird zum Alptraum. Als der älteste Sohn des Geburtstagskindes, einem 60-jährigen Familienpatriarchen, das Mikrophon ergreift, kippt die Stimmung, denn seine Rede ist eine nicht enden wollende Anklage und Attacke gegen den Vater, den er des Missbrauchs an seinen eigenen Kindern bezichtigt. Der Zuschauer wird Zeuge und Verbündeter. Er ist mitten im Geschehen, denn DAS FEST hat durch die Dogma-Regeln die bekannte Authentizität und Ästhetik eines Amateurvideos.

Dirk Jasper sah ein Familien-Melodram „mit verstörender Intensität inszeniert“, „dessen gnadenlose Direktheit von fein-nuancierter Ironie interpunktiert wird. Großes (…) Kino aus Europa!“ Und „Blickpunkt: Film“ schrieb: „Vinterberg zeigt in seinem vierten Spielfilm Mut zum inhaltlichen Risiko. […] Seine gnadenlose Direktheit im Formalen, die Absenz jeglicher ‚Schnörkel‘ und Zugeständnisse, macht die sperrige Thematik nicht gerade eingängiger, verleiht dem Film aber eine ungeheure, wenngleich kühle Intensität.“

Originaltitel: Festen
Land: Dänemark
Jahr: 1998
Regie: Thomas Vinterberg
Darsteller*innen: Ulrich Thomsen, Henning Moritzen, Thomas Bo Larsen
Länge: 101
Sprachformat: deutsche Fassung
FSK: 18


25 Jahre Dogma 95 – Die kleine dänische Film-Revolte

Vor einem Vierteljahrhundert, am 20. März 1995, wurde mit großem Tamtam und medialer Aufmerksamkeit im Pariser Odeon-Theater das Dogma 95-Manifest vorgestellt. Für die Erstunterzeichner, die beiden dänischen Regisseure Lars von Trier und Thomas Vinterberg, war Dogma 95 eine Kampfansage an das „Illusionskino“ und die „zunehmende Wirklichkeitsentfremdung des Kinos“. Mit zehn eisernen Regeln, „Vow of Chastity“ („Keuschheitsgelübde“) genannt, verbannte man vor allem Effekte und technische Spielereien und zwang die Filmemacherinnen und –macher gewissermaßen „back to the roots“. Auf den Filmfestspielen in Cannes 1999 präsentierten Vinterberg mit „Das Fest“ und von Trier mit „Idioten“ die ersten Filme im Dogma-Stil. Die mediale Aufmerksamkeit war enorm. Die Kritiker waren gespalten, wobei es allerdings durchaus euphorische Stimmen und Auszeichnungen (z. B: Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes für „Das Fest“) gab. Und wenn es sich, aus heutiger Sicht und im schlimmsten Fall, auch um einen Marketing-Gag gehandelt haben sollte: Dogma 95 war ein Ereignis, das so manch Alt-Feuilletonisten aus dem Dämmerschlaf riss, für fruchtbare Debatten innerhalb der Filmkritik sorgte und auch Einzug in die film- und medienwissenschaftlichen Seminare fand. Grund genug also, vier der besten Dogma-Filme noch einmal zu spielen.

Filmhaus im KunstKulturQuartier - KommKino
Königstr. 93
90402 Nürnberg

Eintrittspreise:
Eintritt : 6 €

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