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ABSTAND – eine Momentaufnahme. Künstler*innen in der Corona-Zeit

Avatar of SabineSabine - 28.08.2020 - Ein Haus, viele Gesichter

Die Diskurswerkstatt e.V. und das Kunsthaus im KunstKulturQuartier machen sich auf eine Spurensuche: Wie verändert Corona unsere Kunst- und Kulturerfahrung? Was geschieht, wenn Clubs nicht mehr öffnen, wenn Vernissagen, Konzerte oder Theater als gesellschaftliche Ereignisse nicht mehr stattfinden? Wie verändern sich Kommunikationswege, wie kann Meinungsvielfalt aufrecht erhalten werden, wo entsteht Austausch auf kommunaler Ebene?

Die Corona-Pandemie trifft die Kulturbranche stärker als die meisten anderen Branchen. Kunst und Kultur leben zu einem nicht geringen Teil von Live-Ereignissen, die aber aufgrund der allgemeinen Hygienebedingungen zur Zeit nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden können. Damit fehlen den Künstler*innen nicht nur ihre Gagen, die sie zum Lebensunterhalt benötigen, sondern es fehlen vor allem auch Kommunikationsorte und -zwecke. Jedes Live-Ereignis fördert das gesellschaftliche Miteinander, verbindet Menschen und Themen miteinander und regt zum Austausch untereinander an. Darunter leiden vor allem die Musik-Clubs. Im Künstlerhaus trifft dies derzeit gleich drei ehrenamtlich aktive Gruppen, die zum Teil seit fast 40 Jahren im Haus mit Ihren Konzerten, DJ-ing und sonstigen Veranstaltungsformaten zur kulturellen Bereicherung der Nürnberger Kulturlandschaft beitragen: den Musikverein, das Zentralcafé und die Kulturkellerei.

Aber neben diesen Gruppen trifft es auch alle anderen Kulturanimateure: Ausstellungen, Theater, Tanz, Kino, Lesungen, Festivals, offene Werkstätten, Senior*innen-Singkreis etc. Dieses Angebot kann nur aufrecht erhalten werden, indem mehr Zeit, mehr Organisationsaufwand und mitunter mehr Geld investiert wird, gleichzeitig erreicht es aufgrund der Hygienebedingungen weniger Menschen. Dennoch lässt sich auf Kunst und Kultur nicht verzichten, denn es ist nachweislich eine gewichtige Säule im pluralen sozialen Miteinander, gerade in Zeiten, in denen das Apolitische in Form von demokratiefeindlichen Verschwörungstheoretiker*innen Zulauf erhält. Die Mitarbeiter*Innen des KunstKulturQuartier versuchen alles zu tun um das Kulturangebot so umfangreich wie möglich aufrecht zu erhalten - mit Mehraufwand an der harten Grenze zur Selbstausbeutung, denn die Finanzen der Städte und Kommunen sind klamm und werden definitiv nicht besser. Dennoch suchen wir Kulturarbeiter*innen nach Möglichkeiten, den Austausch aufrecht zu erhalten, arbeiten neue Formate in unseren Kulturauftrag ein, verbinden uns neu untereinander und lassen uns durch die gesellschaftlichen Diskussionen inspirieren und versuchen also auf die Corona-Krise zu reagieren.

Das Kunsthaus als institutionelles Nürnberger Ausstellungshaus mit wechselvoller Geschichte und die Diskurswerkstatt e. V., als freies Kollektiv von Ausstellungsmachern und langjähriger Partner aus der freien Szene für das Kunsthaus, haben deswegen begonnen, mit einem neuen Format diesen Fragen in den aktuell unsicheren Zeiten nach zu gehen. Die beiden Akteure wollen mit bildenden und darstellenden Künstler*innen, mit Clubbetreiber*innen und weiteren Kunst- und Kulturakteur*innen ins Gespräch kommen und nachfragen, wie es ihnen in der Corona-Krise geht und was sie umtreibt. Dazu ist die Videoreihe „ABSTAND“ entstanden, die im Sommer 2020 beginnt und in loser Folge weitergeführt werden soll, um ein gesellschaftliches Stimmungsbarometer aus der (Nürnberger) Kulturszene zu erhalten. Im ersten Beitrag wurde Anders Möhl, bildender Künstler und Galerist, im Ausstellungshaus „Bernsteinzimmer“ besucht. In kurzen Videosequenzen werden in den nächsten Monaten immer wieder Impressionen dazu hier präsentiert.

Kunsthaus im KunstKulturQuartier | Matthias Dachwald und Diskurswerkstatt e.V.

Aktuell: Anders Möhl, bildender Künstler und Galerist in einer kollektiv betriebenen Galerie, dem „Bernsteinzimmer“.

Musik: Schidl ‘n‘Schedl (VIRUS, 2020)

Kamera & Schnitt: Mighty

Produktion: © Diskurswerkstatt e.V. und Kunsthaus im KunstKulturQuartier