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Flagge zeigen! Gewinnerentwurf des Kunstwettbewerbs steht fest

Avatar of SabineSabine - 11.05.2020 - Ein Haus, viele Gesichter

Für die künstlerische Gestaltung des neuen Eingangsbereiches des Künstlerhauses lobte die Stadt Nürnberg einen Kunstwettbewerb aus. Künstlerinnen und Künstler waren dazu aufgerufen, bis Ende November 2019 ihr begründetes Interesse an einer Teilnahme zu bekunden. Weitere Infos zur Auslobung des Kunstwettbewerbs findet ihr hier. Die Wettbewerbsjury hat nun einen Entwurf prämiert: Das ausgewählte Kunstwerk wird zur Baufertigstellung der Sanierungsmaßnahme, die planmäßig zum Ende des Jahres 2021 erfolgt, errichtet und platziert werden.

Das Künstlerhaus zeigt Flagge

Eine grell pinke Flagge an einem acht Meter hohen Mast wird zur Wiedereröffnung des Künstlerhauses nach der Generalsanierung 2022 den neuen Haupteingang markieren. „Flagge zeigen“ hat die Künstlerin Heidi Sill ihr Statement betitelt und damit die Jury des Kunstwettbewerbs für die Gestaltung des neuen Eingangsbereichs überzeugt. Wir gratulieren und freuen uns bereits jetzt auf das "Hissen der Flagge"! Der Entwurf der Wettbewerbsgewinnerin sowie alle weiteren Einreichungen mit beschreibenden Entwurfskonzepten und Modellen waren vom 19. bis 29. Mai 2020 im Kunsthaus für die Öffentlichkeit zu sehen.

Zur ausführlichen Beschreibung des Entwurfskonzeptes "Flagge zeigen" von Heidi Sill gelangen Sie hier (pdf, 625 KB).

Das Kunstwerk und die Begründung der Jury

Die starre, aus pink lackiertem Harz geformte Flagge thront an einem acht Meter hohen Edelstahlmast. Über zwei gelagerte Halterungen ist sie mit dem Mast fest verbunden und bewegt sich dynamisch je nach Windrichtung. Das skulpturale Objekt „Flagge zeigen“ kann laut Entwurfskonzept sowohl als Statement als auch als Angebot der Kommunikation zwischen der Öffentlichkeit, der Stadt mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern und dem Künstlerhaus mit seinen unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzern interpretiert werden. Inspiriert wurde Heidi Sill von der Aussage des 1981 amtierenden bayerischen Innenministers Gerold Tandler „Flagge gegen die zunehmende Eskalation des Straßenterrors“ zu zeigen. Im Anschluss an diese Aussage kam es zu den sogenannten KOMM-Massenverhaftungen am 5. März 1981, die bundesweit in die Schlagzeilen gerieten.

Der Titel „Flagge zeigen“ beschreibt laut Jurybegründung „ortsspezifisch die gesellschaftliche und politische Funktion und Nutzung des Künstlerhauses im Laufe seiner wechselhaften Geschichte. Das leuchtende Pink verweist auf die soziokulturelle Identität der Institution, die in ihrer Phase als KOMM/K4 stark geprägt war durch Einflüsse aus der Popkultur sowie dem nicht unumstrittenen Einsatz für die Emanzipation der Frauen und der Homosexuellenszene.“

Bürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner betont die Botschaft, die der neugestaltete Haupteingang des Künstlerhauses in den Stadtraum sendet: „Flagge zeigen ist ein starkes Bekenntnis zu gesellschaftlichem Miteinander, Toleranz und Respekt, das zugleich das Selbstverständnis des KunstKulturQuartiers mit allen verbundenen Einrichtungen betont.“ Die weitere Assoziation „Wetterfahne“ oder „Wetterhahn“, seit dem 9. Jahrhundert nachgewiesene Zier von Haus- und Kirchendächern, verweist auf das Narrativ von Neuanfang und Wiederkehr. Das kräftig in „Hot-Pink“ glänzende Kunstwerk versteht die Künstlerin als Signal: „Wir sind hier, uns kann man nicht übersehen, wir sind offen diskursiv, genreübergreifend, populär(Pop) und aktuell.“ Die weitere Assoziation „Wetterfahne“ oder „Wetterhahn“, seit dem 9. Jahrhundert nachgewiesene Zier von Haus- und Kirchendächern, verweist auf das Narrativ von Neuanfang und Wiederkehr. Das kräftig in „Hot-Pink“ glänzende Kunstwerk versteht die Künstlerin als Signal: „Wir sind hier, uns kann man nicht übersehen, wir sind offen diskursiv, genreübergreifend, populär(Pop) und aktuell.“

Die Künstlerin

Heidi Sill, 1963 geboren in Fürth, studierte an der Kunstakademie in Nürnberg. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Von 2013 bis 2019 war sie Mitglied im Fachausschuss Bildung des Deutschen Kulturrats, seit 2016 ist sie Co-Sprecherin des Vorstands des berufsverbands bildender künstler*innen berlin. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem 2018 mit dem Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten.

heidisill.de

Zum Wettbewerb und zur Jury

Für die Realisierung der künstlerischen Arbeit stehen insgesamt 90 000 Euro zur Verfügung. Sowohl Kunstwerk als auch Wettbewerbsdurchführung werden aus Mitteln des Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ sowie des Freistaats Bayern und der Stadt Nürnberg bezuschusst.
Im Rahmen des im Oktober 2019 vom Hochbauamt und dem KunstKulturQuartier der Stadt Nürnberg ausgeschriebenen Kunstwettbewerbs waren 15 Künstlerinnen und Künstler durch eine Vorjury aus 138 Interessensbekundungen ausgewählt und zur Abgabe eines Entwurfs aufgefordert worden. Unter diesen ermittelte eine Fachjury den künstlerisch stärksten Entwurf, der zudem Kriterien wie „dauerhaft, ortsspezifisch und wahrnehmbar“ erfüllen musste.  Die Materialität und die Form des Kunstwerks waren frei wählbar, den Juroren lagen die Arbeiten anonymisiert vor. 

Die Jury setzte sich zusammen aus: Dr. Andrea Dippel, Leiterin Kunstvilla | Ellen Seifermann, Leiterin Kunsthalle Nürnberg | Winfried Baumann, Bildhauer, Nürnberg | Manfred Rothenberger, Direktor Institut für moderne Kunst Nürnberg | Prof. Florian Nagler, Architekt, München | Annette Willmann-Hohmann, Leitende Baudirektorin der Regierung von Mittelfranken, Städtebauförderung | Andreas Wissen, Geschäftsführung Beirat Bildende Kunst, Hochbauamt Stadt Nürnberg und als Berater Vertreter des Stadtplanungsamts, der Unteren Denkmalschutzbehörde und des KunstKulturQuartiers.

"Kunst am Bau ist einer der ganz wichtigen Aspekte der Selbstdarstellung gerade öffentlicher Gebäude. Es ist ein gutes Signal, dass auch bei der Sanierung des Künstlerhauses Raum für Kunst gesichert werden konnte", freut sich Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich.

 

 

 

Rückblick auf den Tag der offenen Tür

11.10.2019

Am Sonntag, den 13. Oktober, fand der Tag der offenen Tür der Stadt Nürnberg statt - und auch das Künstlerhaus öffnete seine Werkstätten und zeigte in Führungen die neuen Ausweichorte in und um das Künstlerhaus.

Die Vorbereitungen des Programms begannen bereits um 12 Uhr, zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn, bei strahlendem Sonnenschein. Im Innenhof der Peuntgasse, die während der Umbauphase des Künstlerhauses als Ausweichort dient, wurde alles mit viel Liebe zum Detail aufgebaut - Biertischgarnituren mit hübschen Teelichtern, glitzernde Wimpelketten an den Garagentoren, Plakate und buntes Papierobst an den Wänden, ein einladender Basteltisch für Kinder sowie Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl der BesucherInnen.

Um 14 Uhr begann das vielfältige Programm. Stündlich wurden Führungen angeboten, bei denen die BesucherInnen die Räumlichkeiten der Werkbund Werkstatt Nürnberg und des Künstlerhauses einmal näher kennenlernten. Die Führung verlief quer durch die Gebäude bis in den Innenhof der Peuntgasse, wo bereits am Tor ein Programmpunkt auf die BesucherInnen wartete: Die PortraitzeichnerInnen. Ob ulkige Karrikatur oder detailgetreues Portrait, stets waren sie in ihre Zeichnungen vertieft und behielten den Blick für das Wesentliche. Ein paar Schritte weiter erwartete vor allem die Kinder ein gestalterischer Programmpunkt, bei welchem sie ihrer Kreativität freien Lauf und sich zu neuen Ideen insprieren lassen konnten. Ob beim Basteln mit bunten Pfeifenreinigern, beim Herstellen von Armbändern und Ketten oder auch beim Ausmalen von Mandalavorlagen - alle Kinder konnten sich kreativ austoben.

Zum Verweilen luden die BesucherInnen derweil auch die bereitgestellten Biertischgarnituren ein, an denen der ein oder andere Kuchen mit einer heißen Tasse Kaffee genossen werden konnte. Zumindest bis die köstlichen Leckereien, ein veganer Zitronenkuchen, ein fruchtiger Kirsch-Streusel-Kuchen, ein Schokokuchen oder auch Cookies, gebacken von der regionalen Traditionsbäckerei Hildes Backwut, nach dem großen Anklang beinahe ausverkauft waren. Um 14.30 und 15.30 Uhr erwartete die BesucherInnen dann eine Führung mit der Leiterin des Künstlerhauses. Diese zeigte den Interessierten die neuen Ausweichorte, die die Werkstätten, Gruppen und Vereine des Künstlerhauses während des dritten Bauabschnittes bezogen haben, während sie aufgeschlossen Fragen beantwortete und viele Informationen rund um diese spannende Zeit vermittelte.

Gerade zu den Führungen rund um die Werkstätten kamen große Besuchergruppen, um einen umfassenden Einblick in die Vielfalt des Kulturzentrums zu erhalten; einer der Haltepunkte dieser Führung war dabei die Fahrradwerkstatt, die ihr Tor ebenfalls im Innenhof geöffnet hatte. Hier konnte man zeitweilig den BesucherInnen über die Schulter schauen, die an diesem Tag ihr Fahrrad mitgebracht hatten um daran ein wenig herumzuschrauben. Im Fotolabor durften die BesucherInnen zusehen, wie Fotos auf analogem Weg entstehen, während sie in einer anderen Werkstatt lernen konnten, welche Möglichkeiten es gibt, Stoffe zu verschönern.

Um 17 Uhr fand der Tag der offenen Tür dann letztlich sein Ende - der letzte Schluck Kaffee war getrunken, das Kuchenbuffet aufgegessen und die letzten der insgesamt etwa 200 BesucherInnen machten sich nach einem ereignisreichen Tag auf den Weg nach Hause.

Danke für all das entgegengebrachte Interesse in unser Haus und das zahlreiche Erscheinen!