Rückblick: Das figuren.theater.festival 2021

Avatar of Stephanie BraunStephanie Braun - 22.12.2021 - Ein Haus, viele Gesichter

„ … kaum international, wenig Figuren, eigentlich kein Theater und womöglich auch gar kein richtiges Festival.“ Das 22. internationale figuren.theater.festival stand unter dem Zeichen der Corona-Pandemie. Ja, das stimmt für so ziemlich alles was im Jahr 2021 geschah, aber für das figuren.theater.festival galt es gleich auf doppelte Weise.

Da war einmal – wie bei allem anderen auch -- die organisatorische Komponente: vieles wurde nach draußen verlagert. Besucher:innenzahlen reduziert. Disinfektions- und Lüftungspausen zwischen Veranstaltungen geplant. Das ganze Programm wurde zeitlich und örtlich entzerrt. Ursprünglich einmal für neun Tage im Mai konzipiert, konnten noch bis zum letzten Oktober Wochenende Programmpunkte bestaunt werden – zum Bespiel das robotische Ballet der RobodynamischenDiffusion im Neuen Museum.

Die Pandemie wirkte allerdings auch auf die inhaltliche Komponente der einzelnen Programmpunkte. Besonders mit der Isolation und räumlichen Trennung beschäftigten sich die Künstler:innen. Katja Kendler schottete in ihrer interaktiven Performance „I see feel breath you“ zwei Besucher:innen vollständig voneinander ab und verband sie nur über Mikrophone und Kopfhörer. Die Vorgabe: für 12 Minuten durften sie nicht sprechen, sollten sich nur auf den eigenen und den Atem des Gegenübers konzentrieren. Mit dem Atem legte sie den Fokus in besonderer (und vollkommen hygienischer) Weise auf einen weiteren großen Aspekt der Corona-Pandemie – Stichwort: Masken, Aerosole, Beatmungsgeräte.

Die ‚performistische Vereinigung‘ Hysterisches Globusgefühl präsentierte ihre 20-minütige Performance gleich nur einer:m Zuschauer:in und kreierte so eine Atmosphäre der Exklusivität, Isolation und Intimität, die durch ihren gemeinsamen Versuch „verzweifelt eins zu werden“ konterkariert wurde. Und auch das SETanztheater gemeinsam mit dem Trio Miosko beschäftigte sich mit räumlicher Isolation, verband die Thematik aber mit dem zweiten großen Problem unserer Zeit, dem Klimawandel. Sie fragten sich: Wie kann eine Tanzperformance mit internationaler Besetzung möglichst nachhaltig gestaltet werden? Neben einer Tänzerin und dem Klassik-Trio vor Ort, schalteten sich drei weitere Tänzer:innen aus verschiedenen Ländern live per Videochat zu. Im Ausloten von Verbindung und Distanz, im Kampf mit den technischen Hürden und Möglichkeiten erschufen sie eine außergewöhnliche Erfahrung.

Das waren nur einige wenige Vorstellungen von einem noch viel umfassenderen Programm. Die Pandemie hat dem figuren.theater.festival so einige Steine in den Weg gelegt und doch auch gezeigt, ganz unterkriegen kann sie die Kreativität der Kulturschaffenden nicht. Im nun zweiten Corona-Winter gibt das zumindest Hoffnung auf den kommenden Frühling.

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