Die Teufel
Retrospektive Henry Kenneth Alfred „Ken“ Russell
Kardinal Richilieu will 1634 seine Machtposition in Frankreich weiter ausbauen und alle freien Städte, in der Regel Festungsstädte, schleifen. Um dies in der Festung Loudon zu erreichen, nutzt er die Eifersucht und sexuelle Obsession der Oberin eines Ursulinenklosters in Loudon, die den Festungsherren Grandier begehrt. Die Intrige nimmt geradezu höllische Ausmaße an und stürzt die Stadt in Hexenverfolgungen und in einen apokalyptischen Exorzismusprozess.
In „Die Teufel“ kombiniert Regisseur Ken Russell das Nunsploitation-Genre mit Arthur Millers „Hexenjagd“ (1953), einem mehrfach verfilmten Theaterstück, das die Hexenprozesse von Salem als Allegorie auf die Kommunistenjagd der McCarthy-Zeit in den USA nutzt, um staatliche Verfolgung anzuprangern. Russell haucht dem Film surrealistische Kraft mit verstörenden Bildern ein, die an den Holocaust erinnern, ein Menschheitsverbrechen, das nur Staaten begehen können. Wenn zuletzt ein als „Hexenmeister“ bezichtigter Bürger auf dem brennenden Scheiterhaufen mahnt, das Ungeheuer Staat würde sich in seiner Übergriffigkeit nie zufriedengeben, immer weiter machen und den Bürgern schließlich ihre Stadt, ja ihre Welt zerstören, finden wir in dem Film ein Beispiel des klassisch liberalen Films vor, der Bürger- und Menschenrechte stärkt, indem er vor ihren Feinden warnt.
Retrospektive Henry Kenneth Alfred „Ken“ Russell (1927-2011)
Das KommKino widmet dem britischen Regisseur Ken Russell eine Retrospektive. Russell zählt bis heute zu den eigenwilligsten Filmemachern des internationalen Kinos. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen klassischer Musik, literarischen und religiösen Stoffen und einer Bildsprache, die bewusst überzeichnet, dabei körperlich und oft grotesk ist. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Die Teufel“, „Die Hure“, „Gothic“, „Tommy“, „Salomes letzter Tanz“ und „Der Biss der Schlangenfrau“. Russell griff darin auf historische, musikalische und mythologische Vorlagen zurück, um sie filmisch zuzuspitzen und gegen den Strich zu lesen. Religion, Sexualität, Macht und Kunst stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, ohne auf eindeutige Deutungen hinauszulaufen. Russells Filme sind fordernd und nicht auf unmittelbare Gefälligkeit angelegt. Sie irritieren, provozieren und eröffnen neue Perspektiven auf das, was Kino leisten kann. Der Regisseur, der seine Laufbahn im britischen Fernsehen begann, schuf später Arbeiten, die immer wieder auf Widerstand, Zensur und Skandalisierung stießen. Gerade aus dieser Spannung zwischen künstlerischem Anspruch und bewusster Übersteigerung beziehen seine Filme ihre Wirkung. Viele seiner Bilder haben bis heute nichts von ihrer Kraft verloren. Eine Ken-Russell-Retrospektive im KommKino ist daher mehr als eine bloße Wiederaufführung. Sie bietet die Gelegenheit, ein Werk neu zu betrachten, das sich einfachen Einordnungen entzieht und bis heute singulär im Kino steht.
Originaltitel: The Devils
Land: Großbritannien
Jahr: 1971
Regie: Ken Russell
mit: Oliver Reed, Vanessa Redgrave, Dudley Sutton
Länge: 111 Min.
Sprachformat: deutsche Synchronfassung
Kopienformat: 35 mm
FSK: ab 16
Eintritt: 6 €
Mehr in dieser Reihe:Kommkino e. V. präsentiert
90402 Nürnberg
Aufzug. Für jede Vorstellung sind zwei rollstuhlgerechte Plätze eingerichtet. Reservierungen dafür bitte per E-Mail an: filmhaus@stadt.nuernberg.de


