Cosima von Bonin / Claus Richter. THING 1 + THING 2

15. Februar - 17. Mai 2020
Eröffnung: Freitag, 14. Februar 2020

Mit Cosima von Bonin (*1962 in Mombasa, Kenia) und Claus Richter (*1971 in Lippstadt) wurden zwei eng befreundete Künstler eingeladen, zusammen eine Ausstellung für die frisch sanierten Räume der Kunsthalle Nürnberg zu entwickeln. Eine gemeinschaftliche Einladung erscheint naheliegend, gehört doch die Kollaboration zum generellen Arbeitsprinzip von Cosima von Bonin und Claus Richter. Gerade Cosima von Bonin verfolgt seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn Ende der 1980er-Jahre eine Strategie der kollektiven, in Netzwerken organisierten Kunstproduktion. Bewusst verschleiert sie eine dezidierte Autorenschaft und konterkariert damit die tradierte Vorstellung eines genialisch schöpfenden Künstlerindividuums. Ihre Kollaborationen nennt sie „Ich bin viele“ oder auch „Wir sind viele“ und tauscht die Rolle des einsamen Superstars mit jener der Zeremonienmeisterin, um in einem Ensemble aus Künstler*­innen und Kulturproduzent*innen etwas zu entwickeln, was der Autor und Theoretiker Diedrich Diederichsen einmal als „Cliquenkunstwerk“ bezeichnet hat. So steht auch die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg für die Kollaboration zwischen Cosima von Bonin und Claus Richter und zugleich für ein verschlungenes Netzwerk aus persönlichen Freundschaften und Verbindungen.

Skulptur, Wandbild, Fotografie, Film, Performance, Musikprojekte und bühnenhaft inszenierte Installationen: Die Arbeitsweise von Cosima von Bonin, die zu den wichtigsten zeitgenössischen Konzeptkünstler*innen gehört, ist gattungsübergreifend und ausgesprochen vielfältig. In ihrem Werk finden sich mannigfaltige Verweise auf Kunstgeschichte, Populärkultur, Musik, Mode und Handwerk. Immer wieder werden Alltagsobjekte verfremdet, indem Größenverhältnisse mani­puliert und deren Materialität verändert werden. Als eine wiederkehrende ästhetische Strategie lässt sich eine ins Groteske gewendete Monumentalisierung des Niedlichen bezeichnen. So nennt Cosima von Bonin beispielsweise ihre Soloshow im SculptureCenter in New York „Who’s Exploiting Who in the Deep Sea?“ (2016). Der Ozean dient ihr als organisierendes Leitmotiv für die Ausstellung, und in einer installativen Inszenierung präsentiert die Künstlerin textile Skulpturen und andere Werke, die sich mit Unterwasserwelt und Strandleben assoziieren. Ein Bademeisterhochstuhl, eine Strandbude und ein gigantischer Bikini prägen diese Parallelwelt ebenso wie diverse „Soft Sculptures“: ein blauer Plüsch-Hummer, eine farbenfrohe Quilt-Krake, ein manierlich am Pult sitzender Kuschel-Hai mit breitem Grinsen, zwei vorsichtig schauende Muscheln auf einer Kinderschaukel.

Claus Richter arbeitet als konzeptueller Bildhauer an der Schnittstelle von Fantasie und Wirk­lichkeit, Schein und Sein, Imagination und Wissen. Sein Interesse gilt dabei vorrangig den künst­lichen Welten der Unterhaltungsindustrie wie Themenparks, Film- und Theaterkulissen, die dem Publikum eine „verzauberte“ Realität vorspielen. Seine Installationen, Skulpturen, Zeichnungen, Videoarbeiten und Performances thematisieren die Unterhaltungskultur der Gesellschaft und den omnipräsenten Wunsch nach einer Entertainment-Welt „Larger than Life“. So entstehen im Ausstellungskontext immer wieder aufwendige Kulissenlandschaften, in denen Claus Richter jedoch nicht die perfekte Kopie einer Broadway/Hollywood/Disneyland-Ästhetik inszeniert, sondern das offensichtlich Handgefertigte, Gebastelte, Geklebte, Gesägte und Angemalte feiert.

Gemeinsam ist Cosima von Bonin und Claus Richter die Fähigkeit poetische Parallelwelten zu erschaffen, in denen vieles rätselhaft sein darf. Anspielungen auf die westliche Konsumkultur finden sich ebenso wie differenzierte Verweise auf die emotionale, soziale und auch subversive Funktion von Kitsch und Groteske. Ihre vielfältigen Protagonisten dienen als Stellvertreter für menschliche Emotionen, Ängste und Konflikte. Cosima von Bonin gelingt wie Claus Richter der Spagat zwischen hintergründigem Humor und Melancholie, Weltflucht und Spektakel, Lethargie und Neugierde, Zugänglichkeit und Verschlossenheit.

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