Schau in Bad Windsheim

Alicia und ihre tierische Freiheit: Fränkisches Freilandmuseum behandelt Nutztierhaltung

Wenn Muttersau Alicia der Sinn nach Frischluft steht, kommt sie von ihrem Stall im Freilandmuseum auf direktem Weg nach draußen. Wie sich die Nutztierhaltung verändert hat, zeigt bis Ende Juni 2025 die Ausstellung Tierisch Nützlich.

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Die beiden Gelbvieh-Ochsen im Freinlandmuseum gehören einer gefährdeten Nutztierrasse an. © Renate Bärnthol

Viel Fleisch oder kein Fleisch, vegan oder pescetarisch, sprich alles außer Fleisch? Die Ausstellung im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken legt großen Wert auf Mitmachstationen. Da geht es um Ernährungsweisen oder um die persönliche Sichtweise auf Tierwohl. Im Mittelpunkt stehen Nutztiere wie Rinder und Schweine, deren Nutzung und Bedeutung. Denn Nutztier war nicht gleich Nutztier, Pferde standen im Wert weit über den Schweinen, hinsichtlich ihrer Zugkraft konnten sie es sogar mit Ochsen aufnehmen: Demnach konnten vier Pferde so viel Arbeit verrichten wie sechs Ochsen, waren allerdings teurer in der Haltung. Da bei der Lagerung von Futter Schädlinge meist nicht weit sind, ist diesen ebenfalls eine Ausstellungseinheit gewidmet. Hinzu kommt der Silberfuchs als Exot.

Im Gelände des Freilandmuseums wird aus der Theorie Praxis – zum Beispiel mit Schafseniorin Hilde, Leitschaf Lotte und ihren blökenden Kolleginnen. Die Schafherde des Museums wird derzeit sukzessive ausgebaut, ein Bestand von 40 Mutterschafen wird angestrebt. Vorwiegend sind es Coburger Fuchsschafe, die auf den Museumswiesen anzutreffen sind. Das ist eine alte Landschaftsrasse, die sich gut für die Landschaftspflege eignet.

In der Agrargeschichte war der Weidegang lange Zeit die bedeutendste Form der Tierernährung. Schafe nutzten unter anderem sogenannte Allmenden, das waren gemeindliche Flächen, die zum Weiden genutzt werden durften sowie kleine Grünlandflächen, bei denen eine andere Nutzung nicht wirtschaftlich gewesen wäre.

All diese Nutzungen können im Museum gezeigt werden: Der Museumshügel könnte für eine Allmende stehen, Weg- und Ackerraine für Schaftriebe. Schafdung war für die Nährstoffversorgung der Kulturpflanzen von großer Bedeutung, weshalb auch im Museum die Tiere nachts nicht im Stall, sondern in einem Pferch sind. Nur wenige Wochen im Winter verbringen die Museumsschafe längere Zeit im Stall. Tierische Unterstützung gibt es bei der Schafbeweidung im Museum durch die beiden Hütehunde Letti und Charly, sodass die traditionelle Hütehaltung in den nächsten Jahren ausgebaut werden kann. Zahlreiche bisher mit dem Rasenmäher und Mulchgerät gepflegte Flächen können dadurch in ökologisch wertvollere Weideflächen überführt werden.

Erlebbare Parallelen zwischen der historischen Tierhaltung und dem Bestand im Museum gibt es auch beim Federvieh. In drei Baugruppen wird jeweils eine Hühnerrasse gehalten: Ramelsloher Hühner in der Baugruppe Regnitzfranken-Frankenalb, Vorwerk-Hühner in der Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe und Sperber-Hühner in der Baugruppe Mittelalter. Der Historie entsprechend, haben die Tiere tagsüber Freilauf und befinden sich nachts im Stall. Hühner zeigen eine ständige "Präsenz" im Gelände, außerdem ist ihre Haltung recht unkompliziert. Etwas Geduld muss lediglich anfangs beim Eintreiben in den Stall aufgebracht werden. Da hat es das Landwirtschafts- Team mit Alicia schon leichter, sie kann nach Belieben zwischen ihrem Stall und dem Außengehege pendeln.

Renate Bärnthol/Christine Berger

Fränkisches Freilandmuseum
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Öffnungszeiten: Geöffnet täglich 9 – 18 Uhr
Telefon: 09841 66-800
freilandmuseum.de

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