Verbotene Liebe: Darum geht es jetzt im Jüdischen Museum Franken
Familiennachlässe sind oft die letzten Zeugnisse eines Lebens, das der Nationalsozialismus ausgelöscht hat. Sie öffnen ein Fenster in den Alltag und die Schicksale der Familien. Für Frieda Davidsohn war es eine Lebensaufgabe, die Erinnerung an ihren geliebten Alfred zu bewahren. 2004 stellte sie dem Jüdischen Museum Franken eine Stiftung in Aussicht – unter einer Bedingung: Es sollte die Geschichte ihres in der Shoa ermordeten jüdischen Ehemanns erzählen. Per Post erhielt das Museum einen Umschlag mit Briefen, technischen Zeichnungen, einer Heiratsurkunde und einer gerichtlichen Zeugenladung wegen "Rassenschande". Das geschenkte Konvolut allein ergab noch kein vollständiges Bild. Erst durch persönliche Gespräche mit der fast 100-jährigen Frieda konnte das Museum die Puzzleteile zusammenfügen.
Im Jahr 1938 wurden der Ingenieursstudent Alfred Davidsohn und seine Verlobte Frieda Waldmann aufgrund so genannter "Rassenschande" verhaftet. Frieda war protestantisch, Alfred jüdisch. Nach Erlass der Nürnberger Rassegesetze 1935 führten sie ihre nun verbotene Beziehung heimlich weiter - bis sie in Fürth denunziert wurden. Am 20.10.1938 kamen beide in Untersuchungshaft. Frieda wurde am selben Tag entlassen, jeglicher Kontakt mit Alfred wurde ihr unter Androhung einer Gefängnisstrafe verboten. Am 10. Mai 1939 sahen sie sich im Gerichtssaal ein letztes Mal. Alfred wurde zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet. Dort starb auch seine gesamte Familie.
Kurz vor Kriegsende erhielt Frieda ein Kuvert mit technischen Zeichnungen für einen neuartigen Münzautomaten, den Alfred heimlich als finanzielle Absicherung für Frieda angefertigt hatte. Zwischen den Zahlen und Linien hatte er einen versteckten Gruß an sie hinterlassen - mit der Aufforderung, die Zeichnungen patentieren zu lassen. Frieda überlebte. Mit Hilfe des jüdischen Anwalts Max Stern, der Alfred vor Gericht vertreten hatte, wurde sie 1956 mit "Fredy" posthum vermählt. Sie ging nie wieder eine Bindung ein und ließ die Zeichnungen nie patentieren. Erst 1960 erkannte sie der deutsche Staat offiziell als Witwe und Alleinerbin des verschollenen Alfred Davidsohn an und sie erhielt auf diese Weise die Unterstützung, die Alfred sich für sie gewünscht hatte.
Daniela Eisenstein
Jüdisches Museum Franken
Königstraße 89
90762 Fürth
Öffnungszeiten: Öffnungszeiten online
Telefon: 0911 950-9880
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