Ein Jahrhundert Raumfahrt: In Feucht kann man im Museum gedanklich abheben
Wenn heute von den Anfängen der Raumfahrt die Rede ist, denken wahrscheinlich die meisten Menschen immer noch sofort an die erste Mondlandung im Juli 1969. Neil Armstrongs Worte von seinem kleinen Schritt, der ein großer Sprung für die Menschheit gewesen sei, kennt jedes Kind. Manche denken vielleicht auch an eine kleine piepsende Silberkugel mit vier langen Antennen: Sputnik 1, den ersten Satelliten, der 1957 von der Sowjetunion in eine Erdumlaufbahn geschossen wurde - ein Datum das häufig als Beginn des Raumfahrtzeitalters genannt wird.
Doch Raumfahrt begann schon viel früher. Die ersten ernsthaften und systematischen Überlegungen darüber, wie Reisen in den Weltraum technisch möglich sein könnten, gehen zurück bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts. Unabhängig voneinander arbeiteten damals der Russe Konstantin Ziolkowski, der Amerikaner Robert Goddard, der Franzose Robert Esnault-Pelterie und der aus Siebenbürgen stammende Hermann Oberth theoretisch und praktisch an Raketen als Transportmittel in den Weltraum. Oberths grundlegende Werke "Die Rakete zu den Planetenräumen" und "Wege zur Raumschiffahrt" wurden 1923 und 1929 beim Oldenbourg-Verlag in München veröffentlicht. Darin legte er das theoretische Fundament für den Bau von Flüssigkeitsraketen, die bis heute das unverzichtbare Rückgrat aller Raumfahrt bilden.
Hermann Oberth lebte nach dem Zweiten Weltkrieg vor den Toren Nürnbergs in Feucht. Dort wurde bereits 1971 auch das nach ihm benannte Hermann-Oberth-Raumfahrt- Museum eingerichtet. In diesem traditionsreichen Spezialmuseum und Archiv für Raumfahrtgeschichte können aber nicht nur Raumfahrt-Nerds viele spannende Geschichten entdecken. Vor allem der heute fast vergessene Raketen- und Raumfahrthype der 1920er Jahre in Deutschland und Europa steht hier im Mittelpunkt. Da gibt es Raketenspielzeug, Karikaturen, Original-Vortragsplakate und bewegte Bilder über den Weg "Vom Raketenauto zum Weltraumschiff" und eine Fülle von Artefakten und Nachbauten sehr früher Raketenentwürfe wie Oberths "Kegeldüse" zu sehen. Aber auch überraschende Aspekte, wie die Gedichte, mit denen Joachim Ringelnatz auf den "Raketenrummel" reagierte und Zeitungswerbung für kommerzielle Produkte, die sich den breiten öffentlichen Hype zunutze zu machen versuchten.
Alle, die im "Space Age" groß geworden sind und sich die Faszination für Raumfahrt bewahrt haben, finden - neben Raumanzügen und anderen Artefakten - im Feuchter Raumfahrt-Museum außerdem einige ganz besondere Schätze: Originalzeichnungen und -modelle aus der Frühphase des Apollo- Programms der NASA – und eben diesen Kugelschreiber, der 1968 an Bord von Apollo 8 um den Mond geflogen ist.
Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum Feucht
Pfinzingstr. 12-14
90537 Feucht
Öffnungszeiten:
Telefon:
https://www.raumfahrtmuseum.de/