Von der Straße ins Kunsthaus: Skulpturen und Bilder aus Plakaten
Das Plakat ist Bestandteil der Massenmedien und damit Ausdruck der Moderne. Plakate, Anschläge und Anschlagsflächen haben seit ihrer Entstehung zur direkten Kommentierung eingeladen und immer wieder auch zeitgenössische Kunst entstehen lassen. So finden Plakat-Botschaften auch oft Bestätigung oder Ablehnung durch Lesende, die ihre eigenen Ansichten schriftlich darauf hinterlassen oder gar versuchen, die Poster abzureißen und damit ebenso eigenwillige wie interessante Gestaltungsflächen im öffentlichen Raum zurücklassen. Wenn Cris Koch seine Plakatausschnitte, sogenannte Cuts, herausnimmt, hinterlässt er ein etwa ein Quadratmeter großes Leerstück. Erst durch diese Lücke merken viele, die an den Plakatwänden vorbeieilen, dass hier etwas nicht stimmt. In ganz Europa sammelt Koch, der an der Nürnberger Kunstakademie studiert hat, Teile von Werbebotschaften ein und montiert sie auf Leinwände.
Diese Bild-Bruchstücke ordnet er neu und zeigt so eine andere, eine erweiterte Wirklichkeit. Damit überführt er Straßenwerbung in die Sphäre der Kunst. Es ist ein (Wieder)Aneignungsprozess des öffentlichen Raumes. Auch Ariane Kipp verändert das Ausgangsmaterial, indem sie die meist einfältigen Slogans der Werbeindustrie dekonstruiert und sie in ihren Skulpturen radikal neu zusammenfügt. So formen sich aus banalen Werbebotschaften neue, oft feinsinnige oder im besten Sinne dadaistische Textfragmente. Die Plakate aus Affichinpapier, die im Außenraum vom Wetter gezeichnet sind, werden im Innenraum der Ausstellung zu farbenprächtigen Skulpturen. Die Ausstellung Inside Streets ist im Grenzbereich zwischen zeitgenössischer Kunst, Fotografie und Literatur angesiedelt und ordnet sich im weitesten Sinne auch der heutigen Street- oder Urban Art zu. Sie stellt höchst zeitgenössische Fragen – und das alles andere als rein plakativ.
Kunsthaus
Königstraße 93
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 20 Uhr
Telefon: 0911 2 31-1 46 78
kunsthaus-nuernberg.de