Global Art Festival

Ein Ort des kreativen Dialogs

von Sonja Mißfeldt - 7.10.2021

Nürnberg - Erstmals findet das Global Art Festival im Germanischen Nationalmuseum statt. Ab Freitag, 19. November präsentieren zeitgenössische Künstler acht Wochen lang ihre Werke im Kontext der historischen Sammlung. Generaldirektor Professor Daniel Hess gibt erste Einblicke.

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Professor Hess, was wird ab 19. November im Germanischen Nationalmuseum zu sehen sein?

In diesem Jahr geht es bei der mittlerweile dritten Ausgabe des Festivals um die Begegnung von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern mit historischen Orten und Artefakten. Beteiligt sind regionale, nationale und internationale Kunstschaffende, die mit ihren Arbeiten auf Werke aus den Beständen des Germanischen Nationalmuseums und den Ort Nürnberg reagieren. Video- oder Klanginstallationen, aber auch Kunstobjekte werden temporär in die Dauerausstellungsräume integriert. Dort treten die Arbeiten dann in einen lustvollen, mitunter auch provokativen Dialog mit den
Museumsexponaten.

Welchen Einfluss hatte das Museum auf die Auswahl und den Inhalt der zeitgenössischen Werke?

Es gibt ein externes Kuratorium, das Vorschläge unterbreitet hat. Alle Projekte wurden dann gemeinsam besprochen. Das Museum legte die konservatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen fest, inhaltlich hat es den Künstlerinnen und Künstlern aber freie Hand gelassen. Ihre Interventionen werden sicherlich überraschen und in einzelnen Fällen zu Irritationen und Konfrontationen führen. Aber das muss eine demokratische Gesellschaft aushalten können.

Was war der Anlass, das Global Art Festival ins Germanische Nationalmuseum zu verlegen?

Da kamen zwei Aspekte zusammen: Einerseits erfuhr die freie Kunstszene im Rahmen der Kulturhauptstadtbewerbung durch die Stadt Nürnberg eine zusätzliche Unterstützung und Belebung. Das beinhaltete auch ein Budget zur Realisierung des Global Art Festivals. Zum anderen hatte ich mir zu Beginn meiner Amtszeit vorgenommen, das Germanische Nationalmuseum noch stärker als bisher zu einem Ort des lebendigen und kreativen Dialogs zu machen. Deshalb haben wir dieses künstlerische Experiment gerne in Angriff genommen. Es hätte eigentlich letzten Sommer stattfinden sollen, Corona-bedingt mussten wir aber auf dieses Jahr verschieben.

Wird das Germanische Nationalmuseum künftig auch zeitgenössische Kunst zeigen?

Unsere Expertise liegt vor allem in der Hoch- und Alltagskultur der Vergangenheit. Aber wir betrachten Vergangenes immer aus der Perspektive der Gegenwart. Um als Museum nicht zu verknöchern, halte ich es für wichtig, sich mit zeitgenössischen, künstlerischen Blicken auf unsere Bestände auseinanderzusetzen. Das haben wir beispielsweise schon vor drei Jahren in Zusammenarbeit mit dem Neuen Museum gemacht. Die polnische Konzeptkünstlerin Goshka Macuga gab mit ihrer Intellektuellen Kooperation damals allen Beteiligten viele kreative Impulse. Auch der frühere Generaldirektor Gerhard Bott hatte in den 1980er Jahren immer wieder Künstler eingeladen, sich mit den Beständen des GNM zu beschäftigen. An diese Tradition wollen wir anknüpfen.

Was unterscheidet das Global Art Festival von einer klassischen Ausstellung?

Während des Festivals finden immer wieder Performances und Aktionen statt, das Publikum wird außerdem die Möglichkeit haben, Künstlerinnen und Künstlern bei Veranstaltungen zu begegnen. Da wir es Interessierten ermöglichen wollen, mehrfach zu kommen, ohne jedes Mal eine neue Eintrittskarte erwerben zu müssen, wird es ein eigenes Ticket für das Festival geben. Viele unserer Stammbesucher besitzen eine Jahreskarte, mit der sie kostenfreien Zutritt erhalten. Aber auch ein neues Publikum soll die Gelegenheit bekommen, das Germanische Nationalmuseum mehrfach zu besuchen und als inspirierenden Ort kennen zu lernen.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20.30 Uhr
Telefon: 0911 13 31-0
www.gnm.de

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