Scheune war 1927 ein großer Fortschritt

Wo Blätter zu Tabak trocknen

von Johanna Kemmler - 7.10.2021

Bad Windsheim - Trotz ihres ungewöhnlichen Äußeren wird sie gerne übersehen: die Tabaktrockenscheune im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim. Höchste Zeit, sie einmal näher zu betrachten.

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Die Tabaktrockenscheune aus Unterreichenbach nahe Schwabach von 1927

Ganz am westlichen Rand des Museumsgeländes steht ein großer, auffällig hoher und schmaler Holzschuppen: die Tabakscheune aus dem Schwabacher Ortsteil Unterreichenbach. Bereits im frühen 17. Jahrhundert wurde dort auf den sandigen Böden Tabak angebaut und bildete vor allem im 19. Jahrhundert eine wichtige Einnahmequelle der Landwirte. 1927 ließ der Verband fränkischer Tabakbauern Schwabach die Trockenscheune errichten.

Sie blieb in Mittelfranken die große Ausnahme, obwohl sie einen erheblichen Fortschritt bei der Trocknung des damals noch in großem Umfang angebauten Tabaks bedeutete. Nun waren die direkt nach der Ernte auf Schnüre aufgezogenen Tabakblätter vor Regen und Sonne geschützt. Mit Hilfe der an den Seitenwänden angebrachten waagrechten Bretter, die sich ähnlich einer Jalousie drehen lassen, konnte zudem die Zufuhr von Luft und Licht gesteuert werden. Dies war wichtig, denn die richtige Trocknung der Blätter war entscheidend für Geschmack und Qualität des Tabaks.

Bis in die 1980er Jahre wurde die Unterreichenbacher Scheune noch genutzt. Danach stand sie leer, da nur noch wenige Landwirte in der Region Tabak anbauten und dabei Sorten verwendeten, die ausschließlich für die Trocknung in Heißluftanlagen geeignet sind. 1990 übernahm das Fränkische Freilandmuseum die Trockenscheune und dank Spendengeldern konnte sie schon ein Jahr später wiederaufgebaut werden. Derzeit dient sie als Lager für historische Bauteile. Langfristig ist aber auch eine Nutzung als Ausstellungsraum zum Tabakanbau in Franken denkbar.

Fränkisches Freilandmuseum
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Öffnungszeiten: Geöffnet täglich 9 – 18 Uhr
Telefon: 09841 66-800
freilandmuseum.de

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