Museum Lothar Fischer zeigt 40 Werke

Gruppe Radama – mehr als nur Skandal

von Margrit Brehm, Pia Dornacher - 7.10.2021

Neumarkt - Es war im Januar 1961, als eine Münchner Künstlergruppe zum Topthema in den Feuilletons deutscher und internationaler Tageszeitungen avancierte und selbst Magazine wie der Stern oder Madame dem „Skandal“ mehrere Seiten widmeten. Nein, es war nicht die durchaus skandalträchtige Gruppe SPUR (1957 – 1965), sondern die bis dahin nur wenigen Kunstinteressierten bekannte Gruppe RADAMA (1959 – 1962) hatte mit ihrer Bolus Krim Gedächtnisausstellung „die Grenzen des Erlaubten“ überschritten.

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Gretel Stadler, Max Strack, Erwin Eisch und der Journalist Willi Kinnigkeit in der Galerie Malura, 1961

Was war geschehen? Der Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass Erwin Eisch (geb. 1927), Gretel Stadler (geb. 1937) und Max Strack (geb. 1934) eine Ausstellung in der Galerie Malura in München eingerichtet hatten, die dem Andenken des Vierten im Bunde, dem früh verstorbenen Bolus Krim, gewidmet war, und die Eröffnung als Gedenkfeier inszeniert hatten.

Allein die Tatsache, dass dieser Bolus Krim nie existierte, hätte wohl noch kein so breites Echo in der Presse hervorgerufen. Zum Skandal wurde das Ganze erst durch die „Hintergrundrecherchen“ der Journalistin Susanne Carwin, die der Künstlergruppe in einem tribunalartigen Fernseh-Interview betrügerische Absichten unterstellte. Die Künstler hätten auf das schlechte Gewissen der Deutschen spekuliert und dem erfundenen Bolus Krim ein schweres Schicksal im Dritten Reich und einen frühen Tod angedichtet, um die eigenen Werke besser verkaufen zu können.

Griffen einige Pressevertreter diese Kritik auf, so amüsierten sich andere über den „Jokus mit Bolus“. Anerkennung kam derweilen aus Frankreich von der Situationistischen Internationale, die wiederum die gelungene Irreführung mit breiter Presseresonanz lobte. Seither geistern der Name Bolus Krim und die Gruppe RADAMA durch die einschlägige Literatur, und natürlich kommt keine Ausstellung der Künstlerin oder der Künstler bis heute ohne den Verweis auf den Skandal aus. Informationen über die Ideen und Werke der Künstlergruppe sind allerdings schwer zu finden.

Dank der Schenkung sämtlicher Unterlagen zur Gruppe RADAMA sowie zahlreicher Kunstwerke durch Erwin Eisch und Gretel Eisch, geborene Stadler, an das Museum Lothar Fischer in Neumarkt i.d.OPf. wird es erstmals eine Ausstellung und einen Katalog geben, in dem Werke der Künstlergruppe, die umfangreiche Korrespondenz sowie bisher unveröffentlichte Fotografien der Ausstellungen zugänglich gemacht werden.

Die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit Erwin Eisch, Gretel Eisch und Max Strack entstand, stellt das Schaffen der Gruppe vor: Gezeigt werden rund 40 Werke aus den Jahren 1959 bis 1962, also die Zeit in der RADAMA aktiv war. Von Erwin Eisch, der zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe SPUR zählte und ab den 1970er Jahren mit der Studioglasbewegung internationale Bekanntheit erlangte, werden Malereien, eine Bronze und einige Glasobjekte zu sehen sein.

Besonderes Augenmerk gilt den Werken von Gretel Stadler, die sich als jüngstes Mitglied der Gruppe besonders intensiv mit den unterschiedlichen Diskursen der Zeit auseinandersetzte und als einzige Frau das Manifest der Gruppe SPUR im November 1958 unterzeichnete. Von ihr sind Werke in Ton und Holz sowie Blei- und Bronzegüsse ausgestellt. Max Strack, der mit Lothar Fischer bei Heinrich Kirchner an der Akademie in München studiert hatte, ist mit Bronzen und Steinreliefs vertreten.

Museum Lothar Fischer
Weiherstraße 7a
92318 Neumarkt i.d.OPf.
Öffnungszeiten: Mi – Fr 14 – 17 Uhr, Sa, So 11 – 17 Uhr
Telefon: 09181 51 03 48
museum-lothar-fischer.de

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