Gemälden von Jo Niklaus

Dürer – magisch

von Thomas Eser - 12.10.2021

Nürnberg - Mit echten Hinguckern wartet das Albrecht-Dürer-Haus ab 22. Oktober auf: „Ja, das kenn‘ ich doch“, sagen sich Betrachterin und Betrachter, um sogleich ins Schmunzeln oder Rätseln zu verfallen, was und wie das Bekannte in 20 Gemälden von Jo Niklaus phantastisch verändert wird.

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Jo Niklaus ist eine Meisterin der feinmalerischen und hintersinnigen Reflexion auf Dürer. Sein Ölgemälde ohne Expertise (2000) zeugt davon.

Die Nürnberger Malerin nimmt sich große Klassiker und kleine Nebenmotive Dürers zur Vorlage, kopiert sie in feinmalerisch perfekter Manier, kommentiert sie durch veränderte Räumlichkeiten und Paradoxien, mal sanft und hintersinnig, dann wieder frech und mutig. Allzu kunsthistorisch-reflexiv geht es dabei nicht zu.

Jo Niklaus‘ „Reflexionen“ sind ehrlicher, persönlicher Art und scheren sich wenig um historische Dürer-Auslegungen. Der große Meister selbst hätte seine Freude daran gehabt, war ihm Humor im Hintergründigen, sogar in den ernstesten Sujets von Apokalypse und Höllenszenerie, oft ein Anliegen gewesen. Da findet sich ein melancholischer Dürer mit Sprayer-Dose in der Wüste. Aus Dürers schicksalsschwangerem, schwarzweißen Kupferstich der Schicksalsgöttin Nemesis wird ein farbenfrohes „Schmuckstück“ in phantastischer Landschaft. Die Selbstbildnisse sind an eine blaue Holz-Tür gepinnt: Wer Lust hat, kann die Anspielung auf Dürers Nachname vermuten (man muss das aber nicht, denn schon das Spazierengehen mit den Augen über diese technisch ungemein delikate Feinmalerei ist ein Vergnügen).

Phantastischer oder Magischer Realismus nennt sich die Schule, zu der Niklaus’ Arbeiten gehören. Ganz am Anfang dieser Stilrichtung war der Surrealismus eines Salvador Dalí gestanden, erste Höhepunkte verzeichnete die Phantastische Malerei dann in den 1950ern, mit Wien als Zentrum und Namen wie Ernst Fuchs und Rudolf Hausner als ihren ersten Stars.

Jo Niklaus gehört heute zu den fest etablierten Vertreterinnen des Phantastischen Realismus. Sie ist in einschlägige Handbücher aufgenommen und hat an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen. Anders als die meisten ihrer „surrealistischen“ Mitkünstler basiert Niklaus‘ Malerei aber nicht auf einer kunstakademisch geprägten Malereiausbildung oder gar bonvivanten Szene-Malerei.

Brotberuf der Nürnbergerin war viele Jahre das gebrauchsgrafische Gewerbe gewesen, wo sie als Tiefdruckretuscheurin handwerklich-professionell den optimierenden Umgang mit bereits Gestaltetem pflegte. In den 1970ern und 1980ern kopierte die Malerin dann altmeisterliche Tafelgemälde vor Ort im Museum. Professionell-passionierte Sorgfalt ist bis heute Markenkern ihrer Malerei, deren Etiketten vielfältig sind: „Capriccio“ und „Trompe-l’œil“, „Augentäuscher“ oder Stillleben, alles trifft zu. Was alle Gemälde in der Dürer-Haus-Ausstellung aber vereint, ist ihre konsequente Reflexion auf Werke Albrecht Dürers, denn Niklaus feiert heuer ihren 80sten, Dürer seinen 550sten Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Was gäbe es für einen schöneren Grund, wieder einmal das Dürer-Haus zu besuchen?

Albrecht-Dürer-Haus
Albrecht-Dürer-Straße 39
90403 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – Fr 10 – 17 Uhr, Sa, So, 10 – 18 Uhr
Telefon: 0911 2 31-25 68
albrecht-duerer-haus.de

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