Werke der Sammlung Stadler in der Fassade

In erster Linie

von Simone Schimpf - 4.3.2022

Nürnberg - Erstmals präsentiert das Münchner Ehepaar Annette und Rainer Stadler eine Auswahl aus seiner Sammlung öffentlich. In erster Linie umschreibt doppelsinnig den Platz in den Fenstern der Fassade des Neuen Museums und die formale Gemeinsamkeit der gezeigten Werke. Zu sehen bis 11.9.2022.

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Instant Vision 164, 2021, © Gerold Miller

Vor vielen Jahren begann die Sammelleidenschaft des Ehepaars Stadler mit Werken von Gerold Miller (geb. 1961). Dieser Bestand ist das Herzstück der Kollektion und so bespielt Miller die unteren drei Fassadenräume. Sein Werk umkreist die Frage, was ein Bild im Raum ausmacht. Ausgangspunkt seines Schaffens waren Arbeiten, in denen er einen schmalen Aluminiumrahmen an die Wand brachte und damit die Wand selbst ins Zentrum stellte. Daraus entstanden Bilduntersuchungen, die immer dichter wurden und die Aussparungen kleiner. Gezielt nutzt er Leuchtfarben im Gegensatz zum harten Schwarz, um Kontraste und räumliche Erfahrungen zu erzeugen.

Im Obergeschoss beginnt die Ausstellung mit drei Lichtkunstarbeiten von Brigitte Kowanz (1957-2022). Die österreichische Künstlerin fügt den weißen Neonröhren häufig mittels Morsealphabet eine versteckte Botschaft ein. Die jüngste Arbeit iPhone 09.01.2007 war zentral für ihre Präsentation im österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig im Jahr 2017. Innerhalb des Spiegel-Leuchtkastens installierte sie eine geschwungene Leuchtröhre, die an ein Kabel erinnert.
Dahinter verläuft parallel ein gelbes Band, in dem ein zentrales Datum der digitalen Geschichte codiert ist: Am 9.1.2007 kam das erste iPhone auf den Markt.

Brigitte Kowanz, Licht ist was man sieht, 1996 und Between the Lines, 2010, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022 © Neues Museum

In den Werken von Gregor Hildebrandt (geb. 1974) steckt unsichtbar und unhörbar viel Musik und Film. Sein Ausgangsmaterial sind analoge Speichermedien, aus denen er Bilder und Installationen schafft. Für das Neue Museum hat er den ganzen Raum mit VHS-Bändern verkleidet und darin seine Werke eingepasst. Auch für seine Bilder nutzt er auf unterschiedliche Weise dieses analoge Material. Sprung ins klare Wasser und Zickzack-Raute (Anfänge und Ende) basieren auf Anfangs- und Endbänder von Audiokassetten, die eine erstaunliche Vielfalt an Farben besitzen.

Von Heimo Zobernig (geb. 1958) hängen schließlich drei Rastergemälde, die seine fortwährende Auseinandersetzung mit diesem Ordnungssystem aufzeigen. Seit 2000 beschäftigt sich der Österreicher mit dem Raster. Ihn interessieren Fragen wie: Was ist der Grund? Was ist die Figur? Wie wirkt die strenge Logik in den Raum hinein? Die Architektur des Neuen Museums basiert ebenfalls auf dem Raster und bildet dadurch einen starken Gegenpart zu diesen Gemälden.

Neues Museum Nürnberg
Klarissenplatz
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr
Telefon: 0911 2 40 20 69
nmn.de

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