Sonderausstellung zu dem Renaissance-Künstler

Hoffmanns Tierleben

von Sonja Mißfeldt - 13.6.2022

Nürnberg - Pflanzen- und Tierstudien spielen eine wichtige Rolle im Œuvre Hans Hoffmanns. An vier Samstag­abenden bietet sich im Sommer die Gelegenheit, die kostbaren Zeichnungen des Renaissancekünstlers und seiner Zeitgenossen exklusiv in der aktuellen Sonderausstellung anzusehen und anschließend die echte Natur im Kleinen Klosterhof bei einem Getränk zu genießen.

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Hans Hoffmann: Kronenkranich, um 1585 GNM, Dauerleihgabe der Museen der Stadt Nürnberg

Zarte Gräser, detailgetreu wiedergegebene Blumen und lebensecht wirkende Insekten: Entsprechend ihrer Bedeutung im Werk Hoffmanns nehmen Pflanzen- und Tierdarstellungen einen großen Raum in der aktuellen Sonderausstellung Hans Hoffmann. Ein europäischer Künstler der Renaissance ein. Doch auch größere Tiere hielt der Künstler, der sich in seinem Schaffen an Albrecht Dürer orientierte, in Bildern fest. Das Plakat zur Ausstellung ziert beispielsweise ein Hase, der an den berühmten Feldhasen des Nürnberger Meisters erinnert.

Ein anderes Beispiel zeigt einen Kronenkranich, dessen zoologisch präzise Darstellung schon Zeitgenossen faszinierte und daher den Verdacht nährte, es handele sich um eine nach einem lebenden Exem­plar gefertigte Studie. Doch wo hätte Hoffmann den im östlichen und südlichen Afrika beheimateten Vogel sehen können? Der vermutlich in Nürnberg geborene Hoffmann wurde 1585 von Rudolph II. an den Prager Hof berufen. Der kunstsinnige Kaiser verfügte über eine exquisite Kunst- und Wunderkammer, die allerlei Kuriositäten enthielt – unter anderem einen mumifizierten Kranichkopf. Hoffmann als Hofmaler stand diese Sammlung für Studienzwecke sicherlich offen.

Mit seinen präzisen Tier- und Pflanzenstudien war Hoffmann Teil einer europäischen Entwicklung, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts zunehmend um eine täuschend echte Wiedergabe der Natur bemühte. Zahlreiche Künstler waren bestrebt, Kleintiere und Pflanzen möglichst naturgetreu abzubilden. Die Motive waren begehrt, Künstler gaben sie untereinander weiter, um sie als Vorlagen für eigene Werke zu verwenden.

Am Hof Rudolphs II. wurde dieser Austausch besonders gefördert. Darstellungen wie die eines Hirschkäfers, eines Froschs oder einer Eidechse finden sich immer wieder in unterschiedlichen Zusammenhängen, was ein lebhaftes Interesse an diesen Motiven nahelegt.

Hans Hoffmann: Teichfrosch, um 1575/80 Szépművészeti Múzeum, Budapest © GNM

Das große Interesse an naturimitierenden Werken spiegelt sich in den Kunst- und Wunderkammern dieser Zeit: In der Ausstellung präsentierte Pokale, Teller und Platten sind von verblüffend lebensecht wirkenden Pflanzen und Kleintieren überzogen. Das Dekor sollte den Anschein erwecken, die Natur lebendig vor sich zu haben. Auf einem prunkvollen Tafelaufsatz des Goldschmieds Wenzel Jamnitzer tummeln sich Eidechsen und Schlangen, Frösche, Insekten und sogar eine Schildkröte. Ihre Form stellte der Nürnberger mittels Naturabgüssen her, um sie noch realistischer erscheinen zu lassen, und bemalte sie ihrem natürlichen Aussehen entsprechend. Die tierischen Motive sollten einerseits mit abstrakten Ornamentformen konkurrieren, erst recht aber mit den realen Früchten, die auf der Schale kredenzt wurden.

An vier Samstagabenden haben Interessierte nun die Möglichkeit, die Sonderausstellung mit den präzisen und überaus detailliert ausgearbeiteten Werken in Ruhe anzusehen. Führungen finden nicht statt, so dass sich Besucherinnen und Besucher von sechs bis halb neun entspannt und individuell in die Arbeiten vertiefen können. Das übrige Museum bleibt an diesen Abenden geschlossen, einzig die Sonderausstellung zu Hans Hoffmann und das Café Arte sind geöffnet.

Seit kurzem hat das Café Arte seine Fläche erweitert und betreibt eine Terrasse im idyllischen Kleinen Klosterhof. Dort kann der Tag bei Kaltgetränken und kulinarischen Kleinigkeiten entspannt ausklingen.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20.30 Uhr
Telefon: 0911 13 31-0
www.gnm.de

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