Historische Attraktion

Freilandmuseum wird 40 Jahre

von Herbert May - 13.6.2022

Bad Windsheim - Mit 13 Gebäuden begann die Geschichte des Fränkischen Freilandmuseums des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim am 24. Juli 1982, dem Tag der Museumseröffnung. Mittlerweile stehen etwa 120 Bauernhäuser, Scheunen, Stallungen, aber auch Brücken sowie technische Gebäude wie eine Ziegelei und eine Tabaktrockenscheune. Heute ist das Fränkische Freilandmuseum das weitaus größte seiner Art in Süddeutschland.

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Das Konzept der Baugruppen.

Die Zeit war reif für die Gründung eines Fränkischen Freilandmuseums. Die Wirtschaftswunderzeit machte Tabula Rasa in den Dörfern, die Sehnsucht nach dem „schöneren Wohnen“ brach sich Bahn, das Alte hatte ausgedient und musste weichen. Als Folge dieses Kahlschlags kam es ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zu einer regelrechten Gründungswelle an Freilichtmuseen, die zu „Reservaten“ für bedrohte Altbauten wurden.

Die Wurzeln des Fränkischen Freilandmuseums gehen ebenfalls in diese Zeit zurück. 1975 gründete sich in Nürnberg ein Förderverein, der sich die Etablierung und Unterstützung eines Freilandmuseums für Franken zum Vereinsziel setzte. Waren es bei der Gründungsversammlung noch 27 Mitglieder, so sind es mittlerweile weit über 4000 Mitgliedschaften – und der Verein wächst weiter. Nachdem 1976 der mittelfränkische Bezirkstag beschlossen hatte, die Trägerschaft eines Fränkischen Freilandmuseums zu übernehmen, war der Weg frei. Unter dem Gründungsdirektor Konrad Bedal nahm der Museumsaufbau rasch Fahrt auf, sein Museumskonzept einzelner regionaler und thematischer Baugruppen setzte Maßstäbe und ist bis heute gültig.

Eine der ersten Baugruppen kurz nach der Museumsgründung 1982. © Konrad Bedal

Zwei Fragen werden am häufigsten gestellt: Wie kommt das Museum an die alten Häuser und wie werden die Gebäude abgebaut? Zahlreiche Gebäude hatte Konrad Bedal damals selbst entdeckt und deren Schicksal – Leerstand, Verwahrlosung, Verfall – oft über Jahre verfolgt. Viele Häuser wurden aber auch von der Kreisheimatpflege oder den Denkmalbehörden angeboten, wie zuletzt die Synagoge aus Allersheim bei Würzburg. Mehrmals in der Woche kommen auch Häuser-Angebote von Bürgern, die ihre historischen Immobilien nicht sanieren können oder wollen und sie lieber in einem Freilichtmuseum sähen. Doch kann das Museum nicht Retter aller bedrohten Häuser sein und muss diesen Angeboten meist eine Absage erteilen.

Richtfest der Synagoge aus Allersheim. © Lisa Baluschek

Und wie kommen die Häuser nun ins Museum? Überwiegend wandweise, Fachwerkgefüge werden nicht zerlegt, sondern in möglichst große Wandteile getrennt. Diese werden mit Brettern verschalt und mit einem Autokran auf einen Tieflader befördert, der sie nach Bad Windsheim transportiert. Was so einfach klingt, ist in der Praxis oft deutlich komplizierter, es braucht dafür erfahrene und in historischen Bautechniken ausgebildete Museumshandwerker.

Die Häuser werden in ganzen Teilen versetzt. © Ute Rauschenbach

Wie geht es weiter mit dem Bauen im Freilandmuseum? Es wird nicht aufhören, die nächsten Projekte laufen bereits, wie das der Synagoge aus Allersheim. Auch wird das ländliche Bauen des 20. Jahrhunderts künftig eine größere Rolle spielen. Mit einem Stahlhaus von 1949 aus und einem Behelfsheim für Ausgebombte ist das Museum bereits in der Zeitgeschichte angekommen, ein Aussiedlerhof oder ein Siedlerhaus der 1950er Jahre werden vielleicht einmal folgen. Vom offenen Herdfeuer im Mittelalterhaus bis zur Einbauküche im Stahlhaus – fast 700 Jahre Geschichte des ländlichen Wohnens und Bauens in Franken sind im Fränkischen Freilandmuseum erlebbar.

Fränkisches Freilandmuseum
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Öffnungszeiten: Geöffnet täglich 9 – 18 Uhr
Telefon: 09841 66-800
freilandmuseum.de

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