Ausstellung „Grauzonen“ mit 200 Werken

Kunstvilla zeigt Kunst der NS-Zeit

von Andrea Dippel und Alexander Steinmüller - 10.6.2022

Nürnberg - Die Kunstvilla widmet sich im Rahmen der Sonderausstellung Grauzonen. Nürnberger Künstler:innen im Nationalsozialismus vom 25. Juni bis 6. November 2022 erstmals Kunstwerken aus ihrer Sammlung, die in der Zeit des Nationalsozialismus entstanden.

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Heinrich Göttler, Selbstbildnis, 1929, Sammlung Kunstvilla

Die Dauerausstellung der Kunstvilla umfasst Kunst in und aus Nürnberg von 1900 bis in die Gegenwart. Ausgeklammert war bislang der Zeitraum zwischen 1933 und 1945. Gezeigt werden nun rund 200 Werke, die einen Überblick geben über die Entwicklung der Nürnberger Kunst von den 1920er-Jahren über die NS-Zeit bis in die Nachkriegszeit.

Untersucht wurden im Vorfeld insbesondere die Erwerbungs- und Auftragspolitik der Stadt Nürnberg während der NS-Zeit sowie die Aussonderungsaktionen von als „entartet“ diffamierter Kunst aus den Sammlungen.

Die meisten der gezeigten Künstlerinnen und Künstler waren bereits in der Weimarer Republik tätig und konnten ihr Schaffen in der NS-Zeit fortsetzen. Welche Handlungsoptionen für sie bestanden und inwiefern sich die nationalsozialistische Kulturpolitik auf ihr Schaffen auswirkte, wird anhand der Werkauswahl deutlich.

Die akademische Ausrichtung der Kunst im Nationalsozialismus orientierte sich mit Stillleben, Landschaften, Porträts und Akten an der in der Moderne überwundenen Gattungsmalerei, was bei manchen Künstlerinnen und Künstlern einen Richtungswechsel bewirkte. Jedoch erscheint das künstlerische Schaffen auf regionaler Ebene weitaus vielschichtiger und von mehr Bedingungen abhängig als es die bisherige Aufteilung in systemkonforme und „entartete“ Kunst vermuten lässt.

Der Ausschluss jüdischer und politisch oppositioneller Künstlerinnen und Künstler ermöglichte anderen Kunstschaffenden an deren Stelle zu treten. Dies galt sowohl für Ämter im Kulturbereich als auch für öffentliche Aufträge, Ausstellungsbeteiligungen und Preisvergaben. Dokumente aus Archiven und Nachlässen visualisieren daher den zeitlichen Kontext.

Die Ausstellung stellt allen Besucherinnen und Besuchern die Frage nach dem künftigen Umgang mit den Werken, deren Präsentation noch vor 30 Jahren undenkbar gewesen wäre. Das Begleitprogramm greift mit Führungen und Vorträgen einzelne Fragestellungen auf.

Kunstvilla
Blumenstraße 17
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – So 11 – 18 Uhr, Mi 11 – 20 Uhr
Telefon: 0911 2 31-1 40 15
kunstvilla.org

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