Hidden Beauty

12. Oktober 2019 - 19. Januar 2020
Eröffnung: Freitag, 11. Oktober, 18 Uhr

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Die acht Ausstellungsräume der Kunsthalle Nürnberg strahlen nach einer umfassenden energetischen Sanierung der Dächer in neuem Licht. Mit ihren klaren Blickachsen und wechselnden Proportionen bietet die Architektur den Ausgangspunkt und Bezugsrahmen für die raumgreifenden Skulpturen und ortsspezifischen Installationen von Nevin Aladag, Monica Bonvicini, Olafur Eliasson, Ann Veronica Janssens, Michail Pirgelis, Laure Prouvost, Thomas Rentmeister, Karin Sander und Haegue Yang.
Ihre Raumkonzepte sind inspiriert von den Strategien des Environments, der Partizipation, der Konzeptkunst und der Minimal Art der 1960er Jahre, spannen jedoch leichthändig, spielerisch und mit Humor den Bogen in die Gegenwart. Der Ausstellungstitel Hidden Beauty spielt ebenso auf die zwischen den mittelalterlichen Mauern der Stadt verborgene Architektur der Kunsthalle Nürnberg an wie auf die Kunst, die in diesen Räumen Situationen schafft für physisch erlebbare Erfahrungen und überraschende Wahrnehmungen.

Monica Bonvicinis Videoinstallation Slamshut (2016) liefert gleich im ersten Raum ein treffendes Bild für die mit einem Ausstellungsbesuch verbundenen Vorstellungen. Auch in der Installation von Olafur Eliasson und im Werk von Ann Veronica Janssens geht es um die aktive Einbeziehung von Menschen und ihre sinnliche Wahrnehmung. Janssens großformatige Glastafel aus der Werkgruppe der Magic Mirrors (2012-14)erzeugt bei Tageslicht eine verwirrende Vielfalt von schillernden Lichtreflexen und flüchtigen Spiegelungen, die die Grenzen zwischen Werk und Betrachtenden auflösen. Den Gegenpart dazu bildet Olafur Eliassons kinetische Skulptur Mono Scanner (2004), die in einem verdunkelten Raum die Wände mit einem Lichtstrahl durch die Linse eines Leuchtturm-Scheinwerfers abtastet.
Michail Pirgelis verändert mit seiner Installation High Authorities (2019) gewohnte Laufrichtungen und Blickachsen, indem er den Übergang zwischen dem vierten und fünften Raum neu anlegt. Diese Umleitung setzt sich fort in neuen Wegen durch den Saal, die sich aus der Positionierung seiner großformatigen Objekte ergibt. Sein Materila findet er in ausrangierten Flugzeugen. Die ursprüngliche Funktion eines Materials zu entfremden, verborgene Strukturen sichtbar zu machen und in eine andere Realität zu überführen, ist auch bei den Skulpturen von Nevin Aladag und Thomas Rentmeister die Intention. Aus verzinkten, der Länge nach miteinander verbundenen Lüftungskanälen besteht die monumentale Skulptur Square Tubes (Looping) (2019) von Thomas Rentmeister, die sich in einer raumgreifenden Drehbewegung durch den Raum schwingt. Aus Drahtseilen und Kommunikationskabeln sind die Makramés von NevinAlada? zusammengenknotet. Die aus dem Orient stammende Knüpftechnik für Blumenampeln, Raumteiler oder Wandbehänge bilden mit den widerspenstigen Materialien eine ungewöhnliche Einheit. Die Makramés weisen auf die globale Kommunikation und Vernetzung hin, die Arbeitswelt und Lebenswirklichkeit heute prägen.
Die Installationen von Haegue Yang und Karin Sander stellen die Frage nach individueller Freiheit und sozialer Kontrolle. Auf das Verhältnis zwischen Betrachter*in und Betrachtetem zielt die Installation Jahnstraße 5 (2017) aus fünf hinterleuchteten Aluminium-Jalousien, deren Maße und Positionen an den Wänden genau den Heizkörpern und einem Boiler in Haegue Yangs früherer Wohnung entsprechen. Die Lichtobjekte erinnern an Fenster, die mit dem individuell einstellbaren Sicht- und Sonnenschutz der Jalousien die Einsicht in die Privatsphäre gewähren oder verweigern können. Karin Sanders als Schließfächer benutzbare Vitrinen Identities on Display (2013) im Foyer der Kunsthalle Nürnberg lassen private Gegenstände unmittelbar zu Ausstellungsstücken werden, die Rückschlüsse auf die individuellen Eigenschaften und Vorlieben der Nutzer*innen bei Accessoires und Kleidung geben.
Die Verbesserung der Energiebilanz und der Klimakontrolle waren Ziele der Sanierung unseres Ausstellungshauses. Laure Prouvost dienen sie als Ausgangspunkt für die Einrichtung ihres 'Showrooms', der an einen verwilderten Wintergarten erinnert. Gemeinsam ist der Sammlung von Gegenständen und Pflanzen, dass sie biologische oder technische Kühlsysteme sind oder enthalten. Mit dem Titel ren-essence (corner) I spielt Laure Prouvost auf die Epoche der Renaissance an, doch er lässt sich auch auf die 'Wiedergeburt' eines Ausstellungsraums beziehen, der erstmals als solcher genutzt wird.

 

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