Ausstellungs-Archiv

Juergen Teller. Logisch!

10. Dezember 2009 - 14. Februar 2010 
Eröffnung: Mittwoch, 9. Dezember 2009

 Der in London lebende Fotograf Juergen Teller (*1964 in Bubenreuth/Erlangen) begann seine künstlerische Karriere Ende der 1980er Jahre mit Aufträgen für englische Mode- und Zeitgeistmagazine wie I-DThe Face und Arena. 1991 begleitete er den US-amerikanischen Grunge-Sänger Kurt Cobain und dessen Band Nirvana auf ihrer Nevermind-Tournee. Seit dieser Zeit arbeitet Teller äußerst erfolgreich in der Mode- und Werbebranche. Er porträtierte unter anderem die Supermodels Kate Moss und Linda Evangelista sowie die Musikerinnen Sinéad O'Connor, Courtney Love, Björk und Patti Smith. Für das Modelabel Strenesse setzte Teller 2004 Boris Becker und Claudia Schiffer in Szene. Die Inszenierung authentisch und überzeugend wirkender Bilder gehört zu Juergen Tellers individuellem Stil und ist sein künstlerisches Markenzeichen als Werbe- und Modefotograf. So bricht Teller in seiner 1996 im Auftrag des Magazins der Süddeutschen Zeitung entstandenen Fotoserie Versace-Heart mit dem in der Modeindustrie gängigen Klischee perfekter Schönheit. In ungeschönten, quasidokumentarischen Aktaufnahmen des Supermodels Kristen McMenamy fokussiert er die körperlichen Strapazen eines Fotoshootings. Diese Fotos sind nicht perfekt ausgeleuchtet und McMenamy ist weder geschminkt noch in Designerkleidung gehüllt. Auch in den Modeaufnahmen der Folgezeit findet keine ikonenhafte Stilisierung der porträtierten Fotomodels statt. Teller zeigt diese erschöpft, mit ihren Narben und körperlichen "Mängeln" sowie in ungeschickt wirkenden Posen, die den gängigen Inszenierungen der Modefotografie widersprechen. Dieser neue und "ehrlichere" Blick revolutionierte in den 1990er Jahren die Modeszene und machte Teller zu einem gefragten Fotografen für namhafte Modelabels wie Hugo Boss, Yves Saint Laurent, Calvin Klein oder Marc Jacobs. Das fotografische Werk Juergen Tellers lässt sich jedoch nicht auf die Modefotografie reduzieren. Andere seiner Bilder sind stark autobiografisch geprägt und setzen sich mit seiner Identität und Herkunft auseinander. Zuletzt zeigte Teller im Kontext der im Sommer 2008 von der Kunsthalle Nürnberg ausgerichteten Gruppenausstellung Das Gelände Fotografien seiner Tochter Lola (2007) sowie die Bildserie Nürnberg (2004-2005): Bei den Aufnahmen der bröckelnden Zeppelintribüne, die einst das Zentrum nationalsozialistischer Selbstinszenierung bildete, verzichtet Teller auf jegliche Dramaturgie, sondern erzählt stattdessen mit sensiblem Blick für das Detail vom langsamen Zerfall und dem Kreislauf der Natur.