Mona Ardeleanu. Marianne-Defet-Malerei-Stipendium

Erstellt am: 22.05.2017

1. Juni bis 13. August 2017

Projektraum der Kunsthalle Nürnberg

Im Mittelpunkt der Malerei von Mona Ardeleanu (*1984 in Lörrach) stehen präzise konstruierte, fantastische Objekte, die die Künstlerin selbst als „Körper“ bezeichnet. Diese surrealen Körper, die zugleich organisch und geometrisch erscheinen, schweben frei in einem undefinierten, monochromen Bildraum. Konstruiert aus gemaltem Stoff, Spitze, Schnur oder auch Fell erzeugen die Körper zahlreiche Assoziationen, erinnern beispielsweise an geblümte Sommerkleider oder nostalgische Lampions, an gefiederte Wesen, Architekturelemente oder auch an einen die Hände wärmenden, pelzigen Muff.

Für den Aufbau der Motive sind die klaren Linien der komplexen Faltenwürfe ebenso zentral wie die floralen, geometrischen oder ornamentalen Muster der gemalten Stoffe und Tücher. Diese erinnern an im Gedächtnis abgespeicherte Dekore, jedoch verwendet die Künstlerin keine direkten Vorlagen, da die „Arbeiten einen Mehrwert erfahren, wenn die Dinge für das Bild entstehen und nicht von außen hineingetragen werden.“ (Mona Ardeleanu).

Die teils „altmeisterlich“ erscheinende Akribie und Detailverliebtheit der Malerei spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters: Die Körper, die ihm auf den ersten Blick ver­traut erscheinen und seine Neugierde wecken, erweisen sich auf den zweiten Blick als surreal verschlüsselt und der Logik widersprechend. So erscheint es trotz zahlreicher Assoziationen unmöglich, die Körper konkret zu benennen: Sie entziehen sich einer eindeutigen Identifikation und bleiben in ihrem Wesen ambivalent. Dem Betrachter erscheinen sie somit als vieldeutiges Objekt, welches zugleich fremd und vertraut, rätselhaft und selbstverständlich, hermetisch und offenkundig ist. Diese Doppel­deutigkeit zeigt sich auch in der grundlegenden Frage nach dem Verhältnis von Raum und Figur: Aufgrund des frappierenden Trompe-l'œil-Effektes wirken die gemalten Körper keineswegs flächig, sondern scheinen als dreidimensionales Objekt in einem unbestimmten Raum zu schweben.

In aktuellen Arbeiten setzt Mona Ardeleanu diese Körper auch formatfüllend um. Die komplexen Muster der gemalten Stoffe bleiben assoziationsreich und erinnern an barocke Draperien, Delfter Porzellan oder tropische Gärten. Jedoch verschwindet bei diesen Gemälden der unbestimmte, neutrale Bildraum und die gesamte Leinwand wird durch Stoffdraperien gefüllt. Die Künstlerin dekonstruiert hier die Körper, klappt sie auseinander, lässt sie flächig werden. Zugleich offenbaren die komplexen Faltungen das gesamte Potenzial des Raums, denn jede Falte vollzieht eine Differenz in der Oberfläche. Durch Kompression und Expansion bilden und erweitern die Faltungen den Raum, und so irritieren auch diese Gemälde die Wahrnehmungsprinzipien des Betrachters für den es das Rätsel nach Innen oder Außen, Scheitel oder Kehle, Figur oder Grund zu ent­schlüsseln gilt.

Als 12. Stipendiatin des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums wird Mona Ardeleanu, die bei Alexander Roob, Daniel Richter, Franz Ackermann und Karin Kneffel studierte, von März bis Juli 2017 im Atelier- und Galeriehaus Defet leben und arbeiten. Ihre Werkschau im Projektraum der Kunsthalle Nürnberg wird aktuelle, in Nürnberg entstandene Arbeiten neben älteren Werken präsentieren. Nach einem „Szenenwechsel“ wird ab dem 11. Juli 2017 eine neue Gemäldeauswahl präsentiert, so dass ein vielseitiger Einblick in Mona Ardeleanus bisheriges Schaffen möglich ist.


Parallel zur Ausstellung von Mona Ardeleanu wird in der Kunsthalle die Ausstellung "Salad Days" von Benjamin Houlihan präsentiert.