Geordnete Verhältnisse

Kunst in Kürze: Fly Me to the Moon

Mittagskurzführung mit Dr. Harriet Zilch

Di / 7.06.2022 / 12:30 Uhr


Dauer der Kurzführung: 30 Min.


In der Führung erläutert Dr. Harriet Zilch die Gemälde von Toulu Hassani, die 2021/22 auf Einladung der Kunsthalle Nürnberg für fünf Monate das Marianne-Defet-Malerei-Stipendium nach Nürnberg innehatte: Eine Fotografie des Nachthimmels über ihrem Atelier ist Ausgangspunkt für die sechsteilige Werkreihe "Oh Be A Fine Girl Kiss Me" von Toulu Hassani (*1984 in Ahwaz/Iran). Eine der Leinwände zeigt den Sternenhimmel in seiner Ganzheit; die anderen fünf Gemälde zeigen Ausschnitte des nächtlichen Firmaments. Diese kombiniert die Künstlerin mit abstrahierten grafischen Darstellungen von Sternspektren, die sie mit einer Airbrush-Technik malerisch umsetzt. Der Titel ihrer Werkreihe verweist auf eine Pionierarbeit amerikanischer Astronominnen am Harvard College Observatory: Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es den Frauen anhand von Fotografien Sternspektren und Helligkeitswerte zu erfassen und zu katalogisieren. „Oh Be A Fine Girl Kiss Me“ diente dabei als Merkspruch zur Klassifizierung der Sterne.

Die Ausstellung "Geordnete Verhältnisse" in der Kunsthalle Nürnberg mit Werken von Hanne Darboven, Peter Dreher, Toulu Hassani, Erwin Hapke, Alex Müller, Sophia Pompèry versammelt künstlerische Positionen, die in ihren Arbeiten bestehende naturwissenschaftliche, gesellschaftliche oder auch philosophische Welterklärungsmodelle reflektieren oder für ihre Werke Ordnungssysteme selbst definieren. Es entstehen visuelle Metaphern, die neue Perspektiven auf die komplexen Zusammenhänge unserer Welt anbieten und alternative Verweisen, Bezügen und Interdependenzen aufzeigen. Denn der Mensch braucht Gewissheiten und verlässliche Parameter. Er strukturiert, vermisst, schafft Ordnung, sucht Erkenntnis. Unerträglich ist für ihn der Gedanke, die Welt nicht erklären und damit letztlich auch nicht kontrollieren zu können. So versucht er, das Weltgeschehen in erklärbare Modelle zu übersetzen, da in einem geordneten Kosmos für unkontrollierbare Zufälligkeiten kein Platz zu sein scheint. Jedoch sind diese vom Menschen erschaffenen Ordnungssysteme stets gesellschaftliche Vereinbarungen, die sich tradiert und etabliert haben, die jedoch per se artifiziell sind und somit immer auch anders aussehen könnten. Denn jede Gesellschaft schafft sich die Welterklärungsmodelle, die ihren Bedürfnissen und Ansprüchen, ihrer Kultur und Religion, ihren Werten und Machtverhält­nissen entsprechen.

Kunsthalle Nürnberg
Lorenzer Straße 32
90402 Nürnberg
http://kunsthalle.nuernberg.de

Eintrittspreise:
Eintritt: 5 € Eintritt, Führung kostenlos

Eintritt: 2,50 € erm. Eintritt, Führung kostenlos

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