Geordnete Verhältnisse

Kunst in Kürze: Ein Glas ist ein Glas ist ein Glas

Mittagskurzführung mit Dr. Harriet Zilch

Di / 5.07.2022 / 12:30 Uhr


Dauer der Kurzführung: 30 Min.


In der Führung erläutert Dr. Harriet Zilch die Werkserien von Peter Dreher und Sophia Pompéry: Peter Dreher (*1932 in Mannheim; _2020 in Freiburg) schuf über drei Jahrzehnte für seine konzeptuelle Bildserie "Tag um Tag guter Tag", über 5.000 kleinformatige Gemälde des stets gleichen Wasserglases vom stets gleichen Ausgangspunkt. Durch die permanente Wiederholung ein und desselben Motivs tritt der Gegenstand in den Hintergrund und die Malerei ist nur noch der Malerei am Beispiel eines Glases verpflichtet.
Ein einfaches Wasserglas steht auch im Zentrum der Fotoserie "Stilles Wasser" von Sophia Pompéry (*1984 in Berlin), in der die Künstlerin mit Wahrnehmungstäuschungen spielt. So scheint das Glas über einer Tischkante zu schweben oder einen unmöglichen Schatten zu werfen. Die wahrnehmungspsychologische Irritation führt zu einer Hinterfragung optischer und physikalischer Gewissheiten.

Die Ausstellung "Geordnete Verhältnisse" in der Kunsthalle Nürnberg mit Werken von Hanne Darboven, Peter Dreher, Toulu Hassani, Erwin Hapke, Alex Müller, Sophia Pompèry versammelt künstlerische Positionen, die in ihren Arbeiten bestehende naturwissenschaftliche, gesellschaftliche oder auch philosophische Welterklärungsmodelle reflektieren oder für ihre Werke Ordnungssysteme selbst definieren. Es entstehen visuelle Metaphern, die neue Perspektiven auf die komplexen Zusammenhänge unserer Welt anbieten und alternative Verweisen, Bezügen und Interdependenzen aufzeigen. Denn der Mensch braucht Gewissheiten und verlässliche Parameter. Er strukturiert, vermisst, schafft Ordnung, sucht Erkenntnis. Unerträglich ist für ihn der Gedanke, die Welt nicht erklären und damit letztlich auch nicht kontrollieren zu können. So versucht er, das Weltgeschehen in erklärbare Modelle zu übersetzen, da in einem geordneten Kosmos für unkontrollierbare Zufälligkeiten kein Platz zu sein scheint. Jedoch sind diese vom Menschen erschaffenen Ordnungssysteme stets gesellschaftliche Vereinbarungen, die sich tradiert und etabliert haben, die jedoch per se artifiziell sind und somit immer auch anders aussehen könnten. Denn jede Gesellschaft schafft sich die Welterklärungsmodelle, die ihren Bedürfnissen und Ansprüchen, ihrer Kultur und Religion, ihren Werten und Machtverhält­nissen entsprechen.

Kunsthalle Nürnberg
Lorenzer Straße 32
90402 Nürnberg
http://kunsthalle.nuernberg.de

Eintrittspreise:
Eintritt: 5 € Eintritt, Führung kostenlos

Eintritt: 2,50 € erm. Eintritt, Führung kostenlos

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