Helena Waldmann zu Gast mit "Der Eindringling - eine Autopsie"

Drei Fragen an Helena Waldmann zu ihrem neuen Tanzstück

Die Choreografin Helena Waldmann ist wieder mit ihrem neuen Tanzstück „Der Eindringling – eine Autopsie“  am Samstag, den 7. Dezember in Nürnberg zu Gast.

Helena Waldmann wurde 1962 in Burghausen geboren. Nach einem Studium der Angewandten Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen begann sie 1991 ihre Tätigkeit als freischaffende Tanzregisseurin.

Sie arbeitet und tourt weltweit und schaut der Gesellschaft gerne in die Seele. Ihre Stücke befassen sich oft mit aktuellen, politischen Themen, so geht es in ihrem Stück „Made in Bangladesh“, um die harten Lebenswelten der Näherinnen in Bangladesch und analog dazu das Tänzerprekariat in der westlichen Welt. Dies wurde für den deutschen Bühnenpreis DER FAUST 2015 nominiert.

Für ihre neueste Produktion „Der Eindringling – eine Autopsie“, die dieses Jahr an den Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen Premiere hatte, sind wir eine Stunde lang aufgefordert, uns selbst zu betrachten, eine Autopsie an uns selbst durchzuführen, mit eigenen Augen auf uns und in uns hineinzuschauen.  Es geht um die Angst, die Angst vor Eindringlingen – in unseren Körper, in unsere Gesellschaft.

Mehr Informationen zum Stück finden sie hier

 

Folgend geht es um die drei Fragen, die das Stück in den Worten Helena Waldmanns beschreiben:

 

Frau Waldmann, der Themenkomplex Migration / Globalisierung / Interkulturelles Zusammenleben ist in den letzten Jahren ein wesentlicher Aspekt Ihrer Inszenierungen. Warum?

Jedes gute Theaterstück braucht Konflikte. Ich nehme nur ins Visier, was uns alle umtreibt: clash of cultures, Glücksjagd, Vollverschleierung, Demenz, Ausbeutung, Ausgrenzung, Exilpolitik, Dressur, Fremdbestimmung. Für mich spielt immer Freiheit eine große Rolle. Dazu gehört auch Bewegungsfreiheit. Das Recht, sich dahin zu bewegen, wo man will.

Der Titel „Der Eindringling“ legt nahe, dass auch dieses Stück die Frage nach dem Umgang mit anderen Kulturen behandelt. Wie empfinden Sie die gegenwärtige Haltung unserer Gesellschaft zu Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte?

Tritt man nur einen Schritt zurück und betrachtet, unter welchen Voraussetzungen Integration und Ausweisung erfolgen, werden sofort Angriff und Verteidigung sichtbar, Schlag und Gegenschlag. Nutzen der Energie des Anderen oder nicht. Das gilt auch auf anderen Konfliktfeldern. In der Medizin etwa: Geimpft sein oder verrecken. Bei Computern: Im Internet mit Virenschutz unterwegs sein oder ohne. Immer geht es bei diesen Schutzmechanismen, schaut man genauer hin, um eine Einverleibung des Fremden.

Und zuletzt: Welche Bedeutung hat der Untertitel „eine Autopsie“?

Der Begriff Autopsie kommt von ?u??? „selbst“ und o??? „sehen“. Eine Autopsie ist eine Prüfung durch persönliche Inaugenscheinnahme. Und sie bezeichnet das Öffnen des Körpers, das Eindringen in ihn und Entnehmen aus ihm. Ohne die Kenntnis des anderen und des eigenen sind wir hilflos.

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