Carte Blanche Erika & Ulrich Gregor - Filmgespräche jetzt als Videomitschnitte

Vom 10. bis 12.1.2020 waren dei beiden Gründer*innen des Forums der Berlinale zum neunten Mal zum Gast im Filmhaus und präsentierten drei außergewöhnliche Filme. Die Gespräche zu diesen Filmen gibt es nun online.

Das Filmhaus Nürnberg würdigt Erika und Ulrich Gregor, die Gründer*innen des Forums der Berlinale und Mitbegründer*innen eines anderen Kinos in Deutschland. Ein Kino, das sie als eine sich nach allen Seiten hin öffnende Plattform verstehen, Kunst, Wiedergabe der Wirklichkeit und politisches Statement umfassend. Für beide ist das Kino Ort für ein ästhetisches, künstlerisches und soziales Erlebnis. Im Berliner Kino Arsenal und darüber hinaus bereiteten (und bereiten) sie seit 1970 mit Retrospektiven und thematischen Programmen den Boden für diese Erfahrungen.

Zum Auftakt ihrer neunten Carte blanche im Filmhaus stellten „die Gregors“ am 10. Januar 2020 BRUXELLES - TRANSIT, den einzigen Spielfilm in der kurzen Karriere des talentierten Samy Szlingerbaum vor. Er erzählt von der Ankunft seiner Eltern in Brüssel 1947, polnische Juden, die zehn Tage lang mit dem Zug durch das zerstörte Nachkriegseuropa gereist waren, und von ihren Versuchen, ein Zuhause zu finden. Ein Film mit traumhaften Qualitäten, der viele Betrachtungsweisen zulässt und doch die „Schlichtheit eines Kieselsteins“ besitzt, „den man auf ein jüdisches Grab legt“ (Jim Hoberman).

Filmgespräch zu BRUXELLES - TRANSIT

Am zweiten Tag stellten sie am 11. Januar 2020 die beiden Komödien THE FATAL GLASS OF BEER und MY LITTLE CHICKADEE in einem vergnüglichen Doppelprogramm vor. THE FATAL GLASS OF BEER, W. C. Fields’ zweite von vier bei Mack Sennett produzierten Komödien gilt als sein bester Kurzfilm und ist eine „Parodie auf moralisch-erzieherische Filme“, so Ulrich Gregor. MY LITTLE CHICKADEE bringt unter der Regie von Edward F. Cline zwei große Schauspielerpersönlichkeiten zusammen: W. C Fields und Mae West, die beide auch das Drehbuch verfassten. Die Westernparodie besitzt subversive Qualitäten und Mae Wests Figur, eine emanzipierte femme fatale, ist ein Gegenbild zu den puritanischen Vereinigten Staaten. Kostensparend in den Kulissen von DESTRY RIDES AGAIN (1939) entstanden, wurde die Universal-Produktion, nicht zuletzt durch Mae Wests Dialoge, von denen viele zu geflügelten Worten avancierten, zu einem enormen Erfolg.

Filmgespräch zu MY LITTLE CHICKADEE und THE FATAL GLASS OF BEER

Zum Abschluss ihrer neunten Carte blanche im Filmhaus präsentierten Erika und Ulrich Gregor DER MANN MIT DEN DREI SÄRGEN von Lee Jang-ho, ein driftend-hypnotisches Roadmovie, das der Reise eines melancholischen Witwers in seine Vergangenheit folgt. Den Film aus Südkorea hatten sie für das 18. Internationale Forum des jungen Films der Berlinale ausgewählt. Er wurde dort mit dem Caligari-Filmpreis ausgezeichnet. In dem Jahr, 1988, war das südkoreanische Kino hierzulande noch unbekannt. Das sollte sich im Weiteren ändern, auch und gerade durch die unermüdliche Neugier und Entdeckungsfreude „der Gregors“, neue Filmwelten zu erschließen.

Filmgespräch zu DER MANN MIT DEN DREI SÄRGEN

 

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