KünstlerNotgeld zum ARTerhalt - positive Bilanz

Die Aktion des Coburger Künstlerduos 'Verwertungsgesellschaft' "KünstlerNotgeld zum ARTerhalt" ist bei uns sehr erfolgreich zu Ende gegangen. Weiter geht's im Erlanger E-Werk sowie online!

Noch schnell einen quietschbunten Fünfziger zur Seite legen, der auf den letzten Drücker telefonisch angefragt wurde, dann hängte das Team des Nürnberger Künstlerhauses am vergangenen Dienstag, 6. April, ein Vermögen an falschen Banknoten ab. Über Wochen waren von Künstlerinnen und Künstlern gestaltete Geldscheine in einer Schaufensterausstellung im Glasbau des Künstlerhauses präsentiert worden. „KünstlerNotgeld zum ARTerhalt“ lautete der Titel der von Oliver Heß und Martin Droschke alias Verwertungsgesellschaft konzipierten Präsentation, die bewusst mit der Hilflosigkeit einer Verzweiflungstat kokettierte. Eigentlich sollte die Schaufensterausstellung im Künstlerhaus bereits am 22. März abgebaut werden, aufgrund der hohen Nachfrage war sie jedoch bis nach Ostern verlängert worden.

Weil für Kunst- und Kulturschaffende seit dem 22. März 2020, an dem die Pandemie sie in den ersten Lockdown zwang, nahezu alle Einkünfte wegbrachen, hatte die Verwertungsgesellschaft deutschlandweit dazu aufgerufen, ein Künstler-Notgeld, eine eigene Kunstwährung, zu gestalten und aufzulegen. Notgeld, darunter versteht man eigentlich jene Ersatzzahlungsmittel, die Kommunen und Firmen nach dem Ende des 1. Weltkrieg drucken ließen, als die Wirtschaft aufgrund der Spanischen Grippe kollabierte. Am 8. März 2021 verwandelte sich die Kultur Information im Glasbau des Künstlerhauses in eine Wechselstube, dank „Call & Collect“ konnten Kunstbegeisterte die im Fenster präsentierten Fünfer, Zehner und Hunderter gemäß des aufgedruckten Werts 1:1 in echte Euros eintauschen. 294-mal kam ein solches Tauschgeschäft zustande. Nicht mitgezählt sind hier jene Scheine, die parallel über die Aktions-Website www.kuenstlernotgeld.de direkt mit den Künstlerinnen und Künstlern getauscht wurden. „Weil sich die Hoffnung nicht erfüllt hat, dass die Kultur Information zumindest zeitweise öffnen kann, wurde auch die Online-Wechselstube rege genutzt“, so Oliver Heß von der Verwertungsgesellschaft. „Deutschlandweit übrigens. Und auch aus Österreich haben sich Künstler und Kunstfreunde beteiligt.“

„Für viele der Künstlerinnen und Künstler“, so Anna Schwarm, Leiterin des Künstlerhauses, „sind die 5575 €, die durch die Ausstellung bei uns in der Kultur Information zusammenkamen, aber gar nicht das wichtigste. Viele haben uns gespiegelt, dass ihnen die Aktion wieder Schaffensmut gegeben hat. Das mitzuerleben war oft sehr berührend.“ Die Kunstschaffenden erhalten den kompletten Erlös ihrer in echtes Geld umgetauschten KünstlerNotgeld-Scheine.
Anna Schwarm wird das noch nicht eingetauschte Künstlernotgeld an ihre Erlanger Kollegin Verena Bäumler weitergeben, die es ab dem 12. April im Kassenhaus des von ihr geleiteten E-Werks, Fuchsenwiese 1 in 91054 Erlangen, präsentiert. Auch dort können die Kunstscheine gegen echte Euros getauscht werden.

Die Online-Wechselstube www.kuenstlernotgeld.de, die die Nürnberger Kommunikationsagentur DieZwei gesponsort hat, wird weiterhin in Betrieb bleiben. „Weitere Wechselstuben stehen schon in den Startlöchern“, so Martin Droschke von der Verwertungsgesellschaft. „Wir gehen momentan davon aus, dass die Ausstellung so lange weiter wandern wird, bis die Kulturszene aus ihrem erzwungenen Dämmerschlaf geholt werden kann. Was, wie es aussieht, leider noch etwas dauern wird.“

Die Verwertungsgesellschaft ist ein Kunstlabel aus Coburg. Sie hat sich die Aufgabe gestellt, spieltherapeutisch an Kulturbürgerinnen und -bürger sowie kulturferne Mitmenschen heranzutreten, um ihr persönliches Verhältnis zu Kunst und Literatur neu anzuordnen. Ihre Ausstellungen und Aktionen werden nach eigenen Angaben von der Mehrheit des Publikums meist anders verstanden als von den Kunstschaffenden ursprünglich intendiert. So scheitern sie „im Stil eines Don Quijote, denn auch die Verwertungsgesellschaft sucht sich nur solche Gegner, die gar keine sind“.

 

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