Drei Fragen an Sebastian Eilers

zu seiner Premiere "Der Tod und das Mädchen" am 28. Nov 19

In der Tafelhalle steht am 28. November um 20 Uhr die erste Premiere aus der Freien Szene an. Dazu haben wir die Gelegenheit am Schopfe gepackt und den Choreografen Sebastian Eilers drei Fragen zu seinem neuen Stück "Der Tod und das Mädchen" gestellt.

Sebastian Eilers kommt aus Freiburg i. Breisgau, hat – nach einer Ausbildung zum Off-Set-Drucker – in Mannheim Bühnentanz studiert und als Tänzer u.a. am Staatstheater Wiesbaden, am Ulmer Theater und an der Oper Bonn gearbeitet. Seit 2004 wohnt er in Nürnberg und leitet hier das SETanztheater, für das er zahlreiche Choreografien geschaffen hat. Am 28.11. stellt er seine neueste Choreografie in der Tafelhalle vor, diesmal unter dem Titel „Der Tod und das Mädchen“. Wir haben die Gelegenheit genutzt, ihm drei Fragen zu seinem neuen Stück zu stellen.

1. Deine neue Produktion heißt „Der Tod und das Mädchen“ – das ist ein altes Motiv in der Kunst. Was hat dich dazu bewegt, es aufzugreifen und wie möchtest du es an ein modernes Publikum heranführen?

Zunächst einmal finde ich es großartig und berührend, wie Komponist Franz Schubert oder Dichter Matthias Claudius mit dem Motiv „Der Tod und das Mädchen“ künstlerisch umgehen. Inspiriert davon, entstand das Bedürfnis darüber ein choreografisches Musiktheater zu schaffen. Doch wo treffen heute Jugend und Tod aufeinander? In der Pop- und Rock-Kultur fand ich ein besonders eindrückliches und ambivalentes Phänomen. Zum sogenannten „Klub 27“ gehören Musik-Stars, die sich in ihrem künstlerischen Schaffen mit dem Tod auseinandersetzten und im jungen Alter von 27 Jahren starben. Unsere Solotänzerin Melissa Gutierréz verkörpert eine junge Künstlerin, die sich ihre eigene Tod-Figur kreiert. Auch der Tod seinerseits, dargestellt durch Solotänzer Lucien Zumofen, tritt in den gegenseitigen Flirt mit der jungen Frau ein.

2. In deinem Tanztheaterstück verbindest du unter anderem die Musik von Franz Schubert mit Songs von Amy Winehouse, The Doors u.a. Wieso diese ungewöhnliche Kombination?

Ebenfalls Franz Schubert verstarb noch jung (mit 31 Jahren) und wusste von seinem nahenden Ende. Zudem beschäftigte auch er sich künstlerisch mit dem Tod. Wir haben mit Countertenor Johannes Reichert und Pianist Wolfgang Eckert untersucht, inwiefern, außer der möglichen Seelenverwandtschaft, eine musikalische Nähe besteht. Die scheint es tatsächlich zu geben, insofern, dass es uns gelang von Liedern aus Schuberts „Wintereise“ zum Beispiel in „Riders on the storm“ von „The Doors“ zu gleiten und wieder zurück.

3. Ein wichtiges Motiv in deinem Stück ist die Begegnung von Generationen über die Musik. Warum?

Gerade jungen Menschen mag die Musik von Franz Schubert nicht unbedingt geläufig sein. Hingegen Nirvana, Amy Winehouse und The Doors durchaus. Doch unser Fokus ist nicht nur auf den Klub 27 beschränkt, vielmehr scheint sich auch ein Klub U27 zu etablieren. Dazu gehören wohl XXX tentation, Mac Miller oder Lil Peep. Vor allem Letzterer hat für uns einen hohen inspirativen Wert. Ebenfalls im November wird eine Dokumentation über Lil Peep in Kinos kommen. Die Jugendlichen beschäftigen sich nicht nur mit den Songs der Stars, sondern über die sozialen Medien auch sehr intensiv mit deren Leben jenseits der Rockbühne, ihren Ansichten und ihrer Philosophien. Unsere Recherchen zu den angesprochenen Mustern und persönlichen mentalen Zustände fließen in die Rollenarbeit des Todes und des Mädchens mit ein.

Mehr Informationen zu „Der Tod und das Mädchen“ gibt es hier.

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