Thomas Wrede. Modell Landschaft. Fotografie

21. September bis 12. November 2017

Das Kunsthaus im KunstKulturQuartier zeigt eine umfassende Werkübersicht von Thomas Wrede, die mit Fotografien von den frühen 1990er-Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen seiner Arbeiten dokumentiert. Der Ausgangspunkt des Künstlers ist die Sehnsucht nach der Natur und die Frage nach ihrer medialen Vermittlung und ihrem Abbild.

Auf der dänischen Insel Samsø entstehen Anfang der 1990er-Jahre Fotografien einer sterbenden Landschaft, deren Oberfläche durch landwirtschaftlich genutzte Kunststoffbahnen entstellt wurde. Wrede zeigt hier das Hässliche und das Pittoreske dieser von Plastik durchwirkten Landschaft gleichermaßen. 1994 hält er in großformatigen Schwarz-Weiß- Arbeiten die Abdrücke des Aufpralls von Vögeln auf Fensterscheiben fest, die wie Geister zwischen dem Hier und dem Jenseits, zwischen dem Moment und der Unendlichkeit zu schweben scheinen.

Schließlich beginnt Wrede zunehmend die Grenze zwischen Abbild und Wirklichkeit zu suchen. Die Welt wird in seinem Werk mehr und mehr als eine Art Modellbausatz wiedergegeben, als eine große Inszenierung im kleinen Maßstab, zwischen Idyll und Katastrophe. In seinen „Real Landscapes“ werden etwa Spielzeugautos und kleine Modellhäuser an den Stränden der Nordseeinseln und in Sandgruben so platziert, dass aus einer Pfütze ein See und aus einem Erdhaufen ein Gebirge entstehen. Die fotografische Täuschung seiner Scheinwelten wird nicht durch digitale Bearbeitung, sondern durch das Fehlen von Größenverhältnissen in der realen Landschaft hervorgerufen. Doch das Abbild vom Abbild führt nicht zur Realität, sondern zu einer Reflexion über die Abbildung als Fiktion der Wirklichkeit.

In weiteren fotografischen Serien zeigt Thomas Wrede den Versuch, in Freizeitparks „realistische“ Landschaften zu bauen und bürgerlichen Räumen, die mittels Fototapeten Landschaften abbilden, Weite zu geben. Die „Seascapes“ schließlich, Fotografien von sommerlichen Strandszenen, wirken dagegen irritierend inszeniert und beinahe irrealer als die „Real Landscapes“. Und genau durch dieses verwirrende Wechselspiel von „Schein“ und „Sein“ weist Thomas Wrede mit seinem Werk sukzessive darauf hin, dass unser stets individuelles Bild von der Realität letztlich von der jeweiligen Perspektive abhängt.

Thomas Wrede (geb. 1963) studierte an der Kunstakademie Münster (Meisterschüler 1991) und bei Dieter Appelt in Berlin. Seit 2015 lehrt er als Professor für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste Essen. Seit 1996 nahm Wrede an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Sinclair-Haus Bad Homburg.

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