Arno Schmidt - Der Schriftsteller als Fotograf

26. September bis 10. November 2013

Arno Schmidt (1914 – 1979) gilt als eine Besonderheit in der deutschen Literaturgeschichte. Sein Werk lässt sich nicht vergleichen: zu großartig, zu sprachmächtig, zu formvollendet. Für die einen ist er unerreichter Spracherneuerer, Wortmetz und Erfinder neuer Prosaformen, für die anderen ein kaum lesbarer Exot. Eine Ausnahmestellung hat er in jedem Fall inne. Wie sich herausgestellt hat, ist sein Nachlass nicht nur in der Literaturgeschichte, sondern auch für die Fotografie bemerkenswert. Aus anfänglichen Schnappschüssen entwickelten sich allmählich immer bewusster komponierte Aufnahmen.

 Die Ausstellung zeigt zunächst frühe Schwarz-Weiß-Fotografien aus den 1950er und 1960er Jahren, sowie Farbfotografien der 1960er und 1970er Jahre. Schmidt nahm die Schwarz-Weiß-Bilder mit einer Rollfilmkamera der Marke Bonafix auf, die er von seinem ersten Preisgeld 1950 erwarb. 1964 schenkte ihm der befreundete Autor und Übersetzer Hans Wollschläger zu seinem fünfzigsten Geburtstag eine Yashica 44, mit der Schmidt begeistert zur Farbfotografie überging.

 Arno Schmidt hätte sich selbst nie als professionellen Fotografen bezeichnet und doch lassen seine Aufnahmen erkennen, dass er mehr als nur ein Knipser fürs Familienalbum war. Er komponierte seine Fotos deutlich erkennbar nach den Prinzipien des goldenen Schnitts, der Farbflächenkontraste und der Linienführungen. Dies weist darauf hin, dass er sich intensiv mit künstlerischen Fragen, etwa des Bildaufbaus, beschäftigt haben muss.

Schließlich finden wir die Auseinandersetzung Arno Schmidts mit der Fotografie auch in seinem literarischen Werk wieder. Schon in den frühen Arbeiten Seelandschaft mit Pocahontas oder Schwarze Spiegel tauchen die Verweise zur Fotografie auf, besonders aber in seinem Opus magnum Zettels Traum wird die Fotografie häufig thematisiert.

Seine fotografischen Arbeiten lassen sich in zwei große Gruppen einteilen: Dokumente, die über Leben und Arbeiten des Schriftstellers berichten, und Bilder, die in ihrer Gestaltung mehr sind als dokumentarische Schnappschüsse. Hierzu zählt eine Reihe der Natur und Landschaftsbilder seiner Kurzreisen zum Dümmer oder nach Lilienthal, vor allem aber viele der Farbaufnahmen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren aus der Heidelandschaft um Bargfeld, Schmidts Wohnort seit 1958. Das wohl ästhetisch Wertvollste, das wir dem Fotografen Arno Schmidt zu verdanken haben, sind einige ganz aus grau-hell-dunkel gesehene flächige Landschaften sowie die großartigen Farbflächenbilder aus der Bargfelder Umgebung. Hier finden wir Fotografien, die subtil komponiert sind und in denen die Farbe nicht mehr nur an die Realität der Dinge gebunden, sondern als autonome ästhetische Kraft erscheint. Einige dieser Arbeiten rücken den Fotografen Arno Schmidt durchaus in die Nähe der zeitgenössischen Autorenfotografie: Er wählte angeschnittene Bildausschnitte, lässt seinen Schatten als sichtbare Autorenschaft ins Bild ragen, kombiniert starke Kontraste wie ein Maler. Die spannungsgeladene Kombination aus professionellem Bildaufbau und semiprofessionellen technischen Möglichkeiten machen den eigenen Charme dieses Œu­v­re aus.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld.

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