Peter Goin (USA)

Vom 5. bis 28. Oktober zeigte das KUNSTHAUS Nürnberg eine Ausstellung des Fotografen PETER GOIN unter dem Titel »Humannature«.

Peter Goin ist Professor für künstlerische Fotografie und Video an der Universität von Nevada in Reno, wo er auch lebt.

Seine Fotografien wurden in mehr als fünfzig Museen der USA und international gezeigt. Er erhielt zweimal Fördermittel aus dem Programm »National Endowment for the Arts Fellowship«. Für seine Videoarbeit wurde er für den Filmpreis EMMY nominiert.

Peter Goin ist Autor von bisher vier Büchern:

    * Tracing the Line: A Photographic Survey of the Mexican-American Border (limited edition artist book, 1987)
    * Nuclear Landscapes (The John Hopkins University Press, 1991)
    * Stopping Time: A Rephotographic Survey of Lake Tahoe
      (University of Texas Press, 1992)
    * Humanature (University of Texas Press, 1996)

Er ist außerdem Herausgeber des Bandes:

    * Arid Waters: Photographs From the Water in the West Project
      (University of Nevada Press, 1992)

Sein jüngstes Buch, veröffentlicht in Zusammenarbeit mit einem weiteren Fotografen und einem Schriftsteller, trägt den Titel »A Doubtful River« und untersucht das verzweigte Einzugsgebiet des ersten staatlichen Bewässerungs- und Dammbauprojekts.

Seit dreißig Jahren reist Goin durch Nordamerika und macht Landschaftsaufnahmen. Lange Zeit hatte er dabei die Vorstellung einer Gegenüberstellung von Kultur und wilder, ungezähmter Natur. Seine Wahrnehmung war geprägt von romantischen Ansichten des 19. Jahrhunderts. Die Natur schien ihm eine Quelle der Inspiration zu sein, ein Weg zu psychischer Gesundheit und Erholung vom Stress des Großstadtlebens; sie schien ihm Korrektiv zu Hektik, Kriminalität, sozialer Kälte u.ä.m. Sein Schlüsselerlebnis schildert er so: Eines Tages sah er auf einer seiner Fahrten ein Schild mit der Aufschrift »Virgin Forrest» und er fragte sich, was das zu bedeuten habe. Natürlich stellte er sich in Analogie zu Jungfräulichkeit und Unschuld jenseits von sexueller Erfahrung einen Wald vor aus noch niemals ausgeholzten Hartholzbäumen oder Ähnliches. Er sah vor seinem geistigen Auge Bäume, die stolz der menschlichen räumlichen Ausdehnung quasi widerstanden hatten, kurz gesagt einen Ort, an dem Natur an Stelle der Kultur herrschte. Statt dessen handelte es sich um circa zehnjährige Pinienwälder, die in Reih und Glied gepflanzt worden waren, um Bäume, die in Form, Farbe und Größe beinahe identisch waren. `Jungfräulich´ meinte also paradoxerweise, dass diese Wälder (noch) nicht abgeerntet waren. Das löste Betrachtungen aus über Kultur im Allgemeinen. Durch den Nutzwald mit der eigenartigen Bezeichnung »Virgin Forrest« fühlte er sich auf sich selbst zurück geworfen, er begriff, was T. S. Eliot gemeint hatte mit der Sentenz »Verhalten ist Glauben«.

Peter Goin ist seitdem Dokumentarist und Beobachter einer äußerst aggressiven Entwicklung, die in Nordamerika und in der ganzen Welt festzustellen ist: Die Landschaften, die der Mensch geschaffen hat, erklären ihn. HUMANNATURE.

Die Serien »HUMANATURE« und »NUCLEAR LANDSCAPES« (letztere zeigen die Hinterlassenschaften vielfältiger Atombombenversuche der USA) umfassen rund 100 Fotoarbeiten. Sie zeigen das Fremde in unserer Nähe, die willkürliche Umgestaltung der Natur durch den Menschen, die Herauslösung von riesigen Arealen aus dem nachhaltigen Umgang mittels Ackerbau zum Zwecke der (atom-)wissenschaftlichen Forschung oder ganz einfach die Destruktion von Natur und Landschaft.

Die Ausstellung war eine weitere Folge der Reihe »Kunst und Natur« (letzte Projekte waren »Wald - Neue Bilder für ein altes Thema« (2000) und Herman de Vries »Die Tagebücher« (1999).

zurück