Postkoloniales Kino von 1965 bis heute

15.9. bis 26.10.2022

Ob durch das Fernsehen oder das Kino: Bewegte Bilder tragen sehr viel dazu bei, wie wir andere Teile der Welt und andere Kulturen wahrnehmen. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Kolonien von den europäischen Machthabern befreiten, gab es auch im Kino Emanzipationsbewegungen, weg von einem einschränkenden westlichen Blick. Filmemacher:innen in Afrika, Lateinamerika, Asien, Australien und Neuseeland suchen seitdem Wege, gegen die Vormacht von Hollywood und Europa eigenständig Geschichten zu erzählen. Jüngst nimmt durch die Diskussionen zur Kolonialgeschichte, zum Rassismus und zur Rückgabe von geraubten Kunstwerken auch bei uns endlich das Interesse an postkolonialer Kunst und Kultur zu.

Für diese Filmreihe haben wir eine Auswahl von Filmen getroffen, die ein möglichst breites Spektrum von der Aufbruchsstimmung der 1960er Jahre bis in die Gegenwart abbilden möchte. Natürlich können diese zwölf Werke nur unzulänglich die ganze Vielfalt an Stimmen und künstlerischen Positionen abbilden. Was alle Filme eint, ist der Ansatz, den „white gaze“, also einen weißen Blick auf die Kolonialisierten und Unterdrückten, zu vermeiden. Reine Dokumentarfilme sind nicht dabei, der Fokus liegt auf Spielfilmen und essayistischen Ansätzen, manchmal sind die Grenzen fließend, schließlich ging die Emanzipation ästhetisch mit einer Infragestellung klassischer Erzählstrukturen einher.

Die internationale Aufmerksamkeit für Filmkunst aus den ehemaligen Kolonien war Ende der 1960er groß, Filme nahmen an den wichtigen Festivals teil und wurden dort ausgezeichnet. In den folgenden Jahrzehnten gerieten jedoch Meilensteine des Kinos wie DIE SCHWARZE VON … von Ousmane Sembène oder ERINNERUNGEN AN DIE UNTERENTWICKLUNG von Tomás Gutiérrez Alea in Vergessenheit und wurden erst jüngst wiederentdeckt und restauriert. Auch eine Pioniertat wie Merata Mitas MAURI, der erste Spielfilm einer Māori-Regisseurin, lag bis vor Kurzem unbeachtet im Archiv. Das Selbstbewusstsein eines postkolonialen Kinos war aber auch vor der „Wiederentdeckung“ ungebrochen, wie die künstlerischen Ansätze von Gegenwarts-Regisseuren wie Lav Diaz, Warwick Thornton oder Abderrahmane Sissako zeigen. Abschluss der Reihe ist die Nürnberg-Premiere des afrofuturistischen Hip-Hop-Electro-Musicals NEPTUNE FROST von Anisia Uzeyman und Saul Williams, eines Films, der Mythologie und Technologie, Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet und das postkoloniale Kino in neue Sphären katapultiert.

Eine ausführlichere Vorstellung der Filmemacher:innen finden Sie in unserem digitalen Guide zur Filmreihe.

Ergänzt wird das Filmprogramm durch eine Ausstellung im Kopfbau des Künstlerhauses. Der Comic-Künstler Christian Diaz Orejarena zeigt Zeichnungen aus seiner postkolonialen Graphic Novel „Otras Rayas – Andere Linien“ und Künstler:innen des Global Art Netzwerks werden neue Arbeiten in einem „Work in progress“-Prozess entstehen lassen. Vernissage ist am 12. Oktober um 19 Uhr mit einer Lesung von Christian Diaz Orejarena und der Performance „Die Feder“ von Jamile do Carmo. Die Ausstellung läuft bis zum 2. November.

Bitte klicken Sie in der Ansicht unten auf den jeweiligen Film um alle Spieltermine zu sehen.