Frames in Flames: Vulkane im Kino – Mythos und Katastrophe
11.6. bis 30.6.2026
Ein paar Vorzeichen gibt es immer. Brodelndes Wasser, nervöse Tiere, ein leichtes Erdzittern. Kleine Irritationen, die etwas Größeres, Gefährlicheres ankündigen: den Moment, in dem glühende Lava aus dem Boden schießt, in dem sich das Innere der Erde nach außen stülpt. Schon diese Dramaturgie macht Vulkanausbrüche zu eminent filmischen Ereignissen. Sie ermöglicht es dem Kino, mit unseren Erwartungen zu spielen, oder auch, uns einen Wissensvorsprung vor den Figuren auf der Leinwand zu verschaffen.
Wobei auch wir, die Zuschauer*innen der Vulkanfilme, nie ganz begreifen können, was das ist, mit dem uns der Vulkan konfrontiert: ein Naturereignis, das die Ordnung der Natur auf den Kopf zu stellen scheint; das sichtbar macht, was für gewöhnlich im Verborgenen bleibt; das die äußere Welt schlagartig von einem Objekt unseres Blicks in ein Subjekt verwandelt, das wiederum uns anzublicken scheint; das Leben vernichtet, obwohl es der Quelle allen irdischen Lebens, unserer Erde, entfließt. Kein Wunder, dass das Kino von Vulkanen fasziniert ist, dass es wieder und wieder auf sie zurückkommt, ohne sich je festlegen zu können, mit was genau es es da zu tun hat: mit einem naturwissenschaftlich erschließbaren Phänomen? Mit einem Medium des Spektakels? Mit einem die Grenzen der filmischen Vorstellungskraft sprengenden Rätsel?
Entlang solcher Fragen unternimmt das Filmhaus im Juni einen sommerlichen Streifzug durch die Vulkanfilmgeschichte, die sich als außerordentlich vielseitig entpuppt. Hollywood-Katastrophenfilme (DANTE’S PEAK) treffen auf komplexe Essayfilm-Erkundungen (SANS SOLEIL); fröhlich-naives B-Movie-Spektakel (INFRA-MAN) steht neben nachdenklichem, zeitgenössischem Autorenkino (IXCANUL).
Nahe und ferne, fiktionale und reale, aktive und inaktive Vulkane gibt es im Juni im Filmhaus zu erkunden. Einer taucht gleich doppelt auf: der Vesuv, der im Jahr 79 nach Christus für den Untergang Pompejis und damit die vielleicht spektakulärste Urszene zumindest der westlichen Faszination für alles Vulkanische verantwortlich war. Die Stadt im Süden des heutigen Neapel versank nach einem Ausbruch des Vesuvs unter vielen Metern Lava, alles Leben in den Straßen wurde ausgelöscht – und gleichzeitig konserviert.
Das Kino hat sich dem Vesuv gleich mehrfach gewidmet, unter anderem in einem perfekt durchstilisierten Actionfilm. Paul W. S. Anderson entwirft sein POMPEII als einen spektakulären, mit allen Wassern zeitgenössisch-digitaler Effektkunst gewaschenen Bewegungsparcours. Ganz anders nähert sich der italienische Dokumentarist Gianfranco Rosi dem Berg. In seinem auf dem Filmfestival Venedig mit dem Preis der Jury ausgezeichneten POMPEJI: UNTER DEN WOLKEN filmt er die Menschen, die in unserer Gegenwart um den Vesuv herum leben und zeichnet dabei ein vielschichtiges Bild des Lebens im Schatten des Vulkans.
Damit nicht genug: Auch unsere wiederkehrenden Reihen Kinema Kurabu sowie Stummfilm mit Live-Musik haben dieses Jahr vulkanische Sensationen zu bieten.
Programm

Die verlorene Welt
Einführung: Matthias Fetzer, Live-Musik: Richard Siedho…

Lava, Liebe, grosses Kino
Eröffnungsabend zwischen Wissenschaft, Naturgewalt und …





Infra-Man - Invasion aus dem Innern der Erde





