Great Expectations – Britisches Nachkriegskino 1945-1960

30.4. bis 3.6.2026

 

Von der heiteren Komödie bis zum düsteren Film noir spannte die von Ehsan Khoshbakht in Kooperation mit der Cinémathèque suisse und dem BFI National Archive kuratierte Retrospektive des Locarno Film Festival 2025 einen weiten Bogen und eröffnete ein facettenreiches Panorama des Lebens in den Nachkriegsjahren, wie es im britischen Populärkino zum Ausdruck kam. Das Filmhaus präsentiert daraus eine Auswahl von zwölf Filmen, darunter Werke von bekannten Regisseuren wie David Lean, Michael Powell und Carol Reed, wie auch selten gezeigte Entdeckungen, zum Teil in raren 35-mm-Kopien aus britischen Archiven. 

 

 

„Es ist kaum zu glauben, dass eines der raffiniertesten und beeindruckendsten nationalen Kinos Europas – das zudem einige der herausragendsten Künstler*innen und Techniker*innen nach Hollywood brachte – außerhalb seiner Grenzen noch immer so wenig erforscht ist. Das britische Studiosystem schuf eine einzigartige Verbindung zwischen populärer Unterhaltung und innovativen filmischen Formen, wodurch seine Werke den Rang von Kunst erhielten. Indem wir uns ausschließlich auf zeitgenössische Filme konzentrieren und Historien-, Fantasy- sowie Kriegsfilme ausklammern, wollten wir die Geschichte einer Nation auf der Suche nach ihrer Identität erzählen – mal düster und grübelnd, mal, ganz in der Tradition britischer Komödien, scharfzüngig und amüsant.“ Ehsan Khoshbakht 

Ins Zentrum der Retrospektive stellte Khoshbakht die Frage nach der Identität und der Alltagsrealität des Landes nach dem Krieg und wie diese sich im Kino widerspiegelte: die Briten, gesehen durch britische Filme. Great Expectations konzentriert sich auf zeitgenössische Erzählungen, die Filme sollten ausschließlich in Großbritannien spielen und ein Bild der britischen Gesellschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeichnen. Obwohl das Programm keine Kriegsfilme enthält, wirft der Krieg seinen Schatten auf die Motivationen der Figuren und prägt die zerklüfteten Landschaften des städtischen Lebens. Die Filme dieser Zeit zeigen ein Land, das von Trauer und Entwurzelung geprägt ist, und von einem langsamen Wiederaufbau vor dem Hintergrund des Niedergangs des britischen Empire. 

Die Auswahl enthält auch Außenperspektiven, beispielsweise die von Jules Dassin, einer der in Hollywood auf die schwarze Liste gesetzten Filmschaffenden, die in der britischen Filmindustrie Zuflucht fanden. Sein Film DIE RATTE VON SOHO ist eines der herausragenden Beispiele des britischen Film noir, ein Genre, das mehrmals in der Retrospektive vertreten ist. Ein weiterer Fokus gilt der bedeutenden Rolle von Frauen in dieser Periode des britischen Kinos – mit Werken von u. a. Muriel Box und Jill Craigie. Das Filmhaus eröffnet seine Auswahl mit zwei erstaunlichen Filmen dieser Regisseurinnen.

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