Konrad Wolf zum 100.

20.3. bis 1.4.2026

 

„Was mich betrifft, es sind ein paar Freunde zu viel gestorben im letzten Jahr. Allmählich verschwindet ersatzlos eine Generation von Menschen, die wussten, wie es war.“ So Wolfgang Kohlhaase, Drehbuchautor zahlreicher Filme Konrad Wolfs, im Jahr 2006. Wenn es immer weniger Menschen gibt, die etwas – zum Beispiel die Schrecken, die Hitlerdeutschland über die Welt gebracht hat – am eigenen Leib erfahren haben, wird das Kino umso wichtiger. Zumindest solange es seine Aufgabe, historische Erfahrung auch für nachgeborene Generationen lebendig zu halten, erfüllt. Konrad Wolf hat sich in seinem Filmschaffen dieser Aufgabe verschrieben.

 

 

Wolf hat ein entscheidendes Stück deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Geboren 1925 im schwäbischen Hächingen, emigrierte er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit seinen Eltern und wuchs hauptsächlich in Moskau auf, 1945 marschierte er als Teil der Roten Armee in Berlin ein – und wurde ab Mitte der 1950er Jahre zu einem der wichtigsten Regisseure der DDR.

Wolfs vielseitiges Werk ist nicht auf einen Nenner zu bringen. Er drehte Gegenwartsdramen und Historienfilme, außerdem einen Kinderfilm (DER KLEINE PRINZ, 1966) und sogar eine Art Heimatfilm (EINMAL IST KEINMAL, 1955). Ein zentrales Thema seines Schaffens ist jedoch die deutsche Gewaltgeschichte des letzten Jahrhunderts, der Weg Deutschlands in den Nationalsozialismus, die antisemitische Menschenvernichtungspolitik sowie der bewaffnete Kampf gegen Hitlerdeutschland im Zweiten Weltkrieg. Filme wie GENESUNG (1956), LISSY (1957), PROFESSOR MAMLOCK (1961) oder das autobiografische Opus Magnum ICH WAR NEUNZEHN (1968) gehören zu den wichtigsten, eindringlichsten fiktionalen Auseinandersetzungen des deutschen Nachkriegskinos mit einer noch jungen Vergangenheit. Die ungeschönte, unsentimentale Rückschau Wolfs hebt sich dabei nicht zuletzt radikal ab von Verdrängungstendenzen bis hin zum offenen Revanchismus im westdeutschen Kino der Zeit.

Wolf blieb zeitlebens überzeugter Kommunist und Antifaschist – eine Haltung, die für ihn stets eine Parteinahme für das realsozialistische Experiment der DDR einschloss. Als langjähriger Präsident der Akademie der Künste der DDR gehörte er durchaus zum kulturpolitischen Establishment, was zeitweise zu Konflikten mit jüngeren, systemkritischen Filmschaffenden führte. Wolfs Filme jedoch ordnen sich keiner Parteilinie unter. Sie interessieren sich weniger für eine ideologische Korrektheit als für die Unsicherheiten und moralischen Ambivalenzen, mit denen die Geschichte alle Menschen immer wieder konfrontiert. Tatsächlich geriet Wolfs feinfühliger Humanismus gelegentlich ins Visier der DDR-Zensur – Sonnensucher, ein Film über soziale Probleme in einem Bergbaugebiet, landete nach seinem Dreh 1958 im Giftschrank und erreichte erst im Jahr 1972 die DDR-Kinos. 

Zu Wolfs wichtigsten künstlerischen Weggefährten gehörte neben Kohlhaase auch Werner Bergmann, der als Kameramann fast alle seine Filme fotografierte. Gemeinsam entwickelten die beiden eine einzigartige, dynamische Bildsprache, die sich vom bühnenartigen visuellen Stil vieler Zeitgenossen in Ost und West abhebt und einen genuin filmischen Raum hervorbringt. Konrad Wolfs Filme sind keine Bebilderung vorgefertigter Gedanken, sondern audiovisuelle Operationen am offenen Herzen der Geschichte. Die idealerweise im Kino zu erleben sind. Das Filmhaus zeigt im März und April alle Kinofilme Konrad Wolfs – fast durchweg von 35 mm.

In Kooperation mit dem Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF), der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) und der DEFA-Stiftung.

Szenenbild aus dem Film ICH WAR NEUNZEHN
Konrad Wolf zum 100.

Ich war Neunzehn
Einführung: Oksana Bulgakowa

Fr / 20.03.2026 / 19:30 Uhr
Szenenbild aus dem Film DER GETEILTE HIMMEL
Konrad Wolf zum 100.

Der geteilte Himmel

Sa / 21.03.2026 / 17:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film STERNE
Konrad Wolf zum 100.

Sterne

So / 22.03.2026 / 19:00 Uhr Icon mehrsprachig
Szenenbild aus dem Film SONNENSUCHER
Konrad Wolf zum 100.

Sonnensucher

Mi / 25.03.2026 / 18:45 Uhr
Szenenbild aus dem Film GENESUNG
Konrad Wolf zum 100.

Genesung

Do / 26.03.2026 / 19:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film LISSY
Konrad Wolf zum 100.

Lissy

Sa / 28.03.2026 / 18:30 Uhr
Szenenbild aus dem Film PROFESSOR MAMLOCK
Konrad Wolf zum 100.

Professor Mamlock

So / 29.03.2026 / 17:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film GOYA
Konrad Wolf zum 100.

Goya

Mo / 30.03.2026 / 19:00 Uhr