Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

 

8.1. bis 26.1.2026

 

„Mit keinem Zentimeter Zelluloid” habe Willi Forst, ein „Charmeur ohne Anflug von Unterwürfigkeit”, den Faschismus verlängert, schrieb Karsten Witte in seinem Nachruf auf den Wiener Regisseur und Schauspieler. Gar so gnädig blicken nicht alle Filmhistoriker auf das Leben und Werk Forsts, der zwar seinen Durchbruch in den frühen 1930ern – zunächst als Schauspieler – maßgeblich der Zusammenarbeit mit jüdischen Kolleg*innen verdankt; der freilich anders als diese nach 1933 problemlos für den deutschen Markt weiterarbeiten konnte und in der Zeit des Nationalsozialismus große Publikumserfolge erzielte. Zweifellos jedoch gehört Forst zu den wenigen Filmschaffenden, denen es gelungen ist, im deutschen Kino der 1930er und 1940er Unabhängigkeit gegenüber den ideologischen Vorgaben der nationalsozialistischen Kulturpolitik zu bewahren.

 

Und zwar: ästhetische Unabhängigkeit. Forsts Kino ist ein Kino der Form, nicht des Inhalts, der Oberfläche, nicht der Tiefe. Ein Kino, das sich den „leichten Genres” – der Operette, der Komödie, dem sentimentalen Drama – verschreibt und von einem Grundton der sanften Melancholie durchwirkt ist. „Wir spüren die Schwermut, das Nostalgie-Gefühl hinter der Frivolität, dem Glanz, dem flotten Tempo, mit denen Forst seine (Traum-)Welt mit liebevoller Sorgfalt einhüllt, als versuche er diese vor der Gefahr zu schützen, mit der täglichen Welt in Berührung zu kommen und zu verfliegen.“ Francesco Bono

Seine Filmkarriere beginnt im Stummfilm, aber erst mit dem Tonfilm kommt sein Kino ganz zu sich. Forsts Regiearbeiten sind durchdrungen von einer tiefen obsessiven Liebe zur Musik. Nie nur bloße atmosphärische Untermalung, durchdringt Musik alle Facetten seiner Filme – sei es Handlung, Bildgestaltung oder Montage. In einem Forst-Film kann eine Melodie zum Glück führen, wie in MASKERADE, oder ins Verderben, wie in MAZURKA. Tatsächlich war das Kino für Forst in erster Linie eine musikalische Kunstform, und eben diese Musikalität könnte einer der Gründe dafür gewesen sein, warum er den Fängen der NS-Zensur entgehen konnte: Anders als diese wusste er, dass die Kräfte des Kinos nicht immer im Bereich des Sichtbaren zu finden sind.

Zu entdecken ist, mit anderen Worten, das Werk eines großen Antirealisten des deutschsprachigen Kinos. Über drei Jahrzehnte erstreckt sich dieses Werk, das gleich zwei Nationalkinematografien, die österreichische und die deutsche, maßgeblich geprägt hat. Einst dauerpräsent im nachmittäglichen Fernsehprogramm, sind seine Filme inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten – oder werden auf Klischeebilder von Wienerischer Walzerseligkeit und Forst als dem ewigen Bel Ami reduziert. Das Filmhaus Nürnberg präsentiert Forsts filmisches Schaffen in seiner gesamten Breite und zeigt neben einer breiten Auswahl seiner Regiearbeiten auch Beispiele seiner Arbeit als Schauspieler für andere Regisseure sowie Filme, bei denen er als Produzent fungierte. Die Reihe wird im nächsten Monatsprogramm mit fünf weiteren Vorführungen fortgesetzt.

Szenenbild aus dem Film MASKERADE
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Maskerade
Einführung: Lukas Foerster

Do / 08.01.2026 / 19:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film FRAUEN SIND KEIN ENGEL
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Frauen sind keine Engel

Fr / 09.01.2026 / 17:30 Uhr
Szenenbild aus dem Film LEISE FLEHEN MEINE LIEDER
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Leise flehen meine Lieder

Fr / 09.01.2026 / 19:30 Uhr
Szenenbild aus dem Film DAS LIED IST AUS
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Das Lied ist aus

Sa / 10.01.2026 / 17:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film DIE SÜNDERIN
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Die Sünderin

Sa / 10.01.2026 / 19:30 Uhr
Szenenbild aus dem Film BURGTHEATER
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Burgtheater

So / 11.01.2026 / 11:00 Uhr
Filmstreifen aus der Kinokopie des Films STRANDGUT
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Strandgut
Live-Musik: Richard Siedhoff

So / 11.01.2026 / 19:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film KAPRIOLEN
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Kapriolen

Mo / 12.01.2026 / 20:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film SERENADE
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Serenade

Do / 15.01.2026 / 19:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film DER PRINZ VON ARKADIEN
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Der Prinz von Arkadien

Fr / 16.01.2026 / 18:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film ICH BIN SEBASTIAN OTT
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Ich bin Sebastian Ott

Sa / 17.01.2026 / 18:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film BEL AMI
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Bel Ami

So / 18.01.2026 / 11:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film MAZURKA
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Mazurka

So / 18.01.2026 / 19:30 Uhr
Szenenbild aus dem ZWEI HERZEN 3/4 TAKT
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Zwei Herzen im 3/4 Takt

Di / 20.01.2026 / 19:00 Uhr
Szenenbild aus dem Film DIE LUSTIGE WITWE
Heimat! Das Filmfestival 2026

Die lustige Witwe
Musikalische Begleitung: Aljoscha-Zimmermann-Ensemble

So / 25.01.2026 / 20:00 Uhr Icon mehrsprachig
Szenenbild aus dem Film DIE FRAU AM WEG
Musik, Maskerade, Melancholie – Willi Forst

Die Frau am Weg

Mo / 26.01.2026 / 19:00 Uhr