Sa., 23.3. um 18 Uhr Stummfilm mit Live-Musik: Stadt ohne Juden

Einführung: Nikolaus Wostry (Sammlungsleiter Filmarchiv Austria) und Fumiko Tsuneishi (Leitung Filmrestaurierung Filmarchiv Austria)
Live-Musik: Dr. Dieter Meyer am Flügel

Do., 28.3. um 19 Uhr Das Kino des Hong Sang-soo: Hotel By The River

Einführung durch Patrick Holzapfel

So., 31.3. um 11.30 Uhr Orchestergrabenfilme

Zu Gast: Regisseur Stephan Grosse-Grollmann

Mo., 1.4. um 20.15 Uhr Caligari Filmpreisträger 2018: La Casa Lobo

Zu Gast: Regisseur Cristóbal León

Do., 11.4. um 20 Uhr Der Funktionär

Zu Gast: Regisseur Andreas Goldstein

Programm

Sa., 23.03.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
Oki's Movie
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 24.03.2019, 11:30 Uhr
Schwerpunkte
Like You Know It All
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 24.03.2019, 17:00 Uhr
Schwerpunkte
Hahaha
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 24.03.2019, 19:15 Uhr
Schwerpunkte
Night And Day
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Do., 28.03.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
Hotel By The River
Do., 28.3. um 19 Uhr: Vortrag von Patrick Holzapfel (Wien)
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Fr., 29.03.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
The Day He Arrives
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Sa., 30.03.2019, 16:45 Uhr
Schwerpunkte
Right Now, Wrong Then
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Sa., 30.03.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
Hahaha
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 31.03.2019, 17:00 Uhr
Schwerpunkte
In Another Country
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 31.03.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
Like You Know It All
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Di., 02.04.2019, 20:15 Uhr
Schwerpunkte
Right Now, Wrong Then
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Fr., 05.04.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
On the Beach At Night Alone
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

Sa., 06.04.2019, 19:00 Uhr
Schwerpunkte
Oki's Movie
Das Kino des Hong Sang-soo
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

So., 07.04.2019, 20:00 Uhr
Schwerpunkte
Hotel By The River
Do., 28.3. um 19 Uhr: Vortrag von Patrick Holzapfel (Wien)
Filmhaus im KunstKulturQuartier - Filmhauskino

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Das Kino des Hong Sang-soo

Trinken, Reden, Lieben

„Das Komische entsteht, wenn Menschen Dinge wiederholen, das aber nicht bemerken.“ (Hong Sang-soo)

Leben und Filmen werden eins im Werk von Hong Sang-soo. In 22 Jahren hat der südkoreanische Regisseur nicht weniger als 23 Filme gedreht, skizzenhafte, sehr persönliche Werke von erheblicher Komik. Sie handeln von durchzechten Nächten, unerfüllten Sehnsüchten, von Liebe, Begehren, Lügen, und sie spielen in einem Bereich, in dem sich Fiktion und Realität durchdringen. Seit seinem Debütfilm hat er ein einzigartiges filmisches Œuvre geschaffen, das zu den eigensinnigsten Entwürfen des Gegenwartskinos zählt. Stets im Zentrum: die männliche Malaise – Intellektuelle, Künstler, Filmemacher voller Selbstmitleid zwischen Frauen, die sich vieles zu lange gefallen lassen.

Die Figuren, die Geschichten gleichen sich, Hong ist, darin dem großen Yasujirô Ozu ähnlich, ein Meister der Variation im Seriellen. Auf Festivals ist er ein Star, in den Kinos aber kaum präsent. Höchste Zeit, ihn zu entdecken.

Das künstlerische Leben des 1961 geborenen Südkoreaners begann in jener Orientierungslosigkeit, die man auch in seinen Figuren wiederfindet. Er berichtet nur ungern von seinem begonnenen Filmstudium an der Chung-Ang-Universität in Seoul. Er habe kein Gefühl für das Kino gehabt. Plötzlich fand er sich in den USA wieder, an einer Kunstschule in Chicago. Seine beiden geistigen Inspirationen wurden Robert Bresson, dessen Aphorismen zum Filmemachen, „Notizen zum Kinematographen“, er angeblich immer bei sich in der Jackentasche trug, und Paul Cézanne. Was Bresson, Cézanne und Hong eint, ist das Verständnis eines Weges der Kunst vom Realen in die Abstraktion. Seine Filme sind fein beobachtete Miniaturen, die vom genau skizzierten Detail auf die großen Gefühle schließen. Das mit dem Detail ist dabei ganz wörtlich zu verstehen. Nahaufnahmen von Gegenständen durchziehen seine Arbeit: Eine Lavalampe oder ein Haarband können dabei alles bedeuten oder nichts. Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Wie bei Erinnerungen liegt es an uns, ob wir uns weiter mit ihnen beschäftigen oder es sein lassen.

Spaziergänge, lange Dialoge in Restaurants und ausufernde Besäufnisse lassen Konflikte in ambivalenter Direktheit entstehen. Hong verzichtet auf große filmische Gesten. Stattdessen wirken seine Filme wie emotionale Haikus. Manche führen in eine Offenbarung, andere in ein absurdes Nichts. Seine Figuren sind selten nüchtern, meist betrunken. Seit Yasujir? Ozu hat man im Kino nicht mehr so gute Trinkszenen gesehen. Hong filmt ein verletzliches und erbärmliches Sich-um-Kopf-und-Kragen-Reden in Fragen der Eitelkeit und Sehnsucht. Schwenks und bedeutungsgeladene Zooms sind gezielte und formal hochspannende Interventionen des Filmemachers, weil sie Irritationen schaffen und dadurch den Blick schärfen. Seine Filme arbeiten an einer empathischen Aufdeckung menschlicher Verhaltensweisen.

Man sagt, dass Hongs Kino gewinnt, wenn man mehrere seiner Filme sieht. Andere sagen, dass er immer den gleichen Film drehe. Das Wiederholen von Motiven und Figurenkonstellationen betrifft nicht nur die verschiedenen Filme, sondern immer wieder kommt es auch innerhalb der Filme zu repetitiven Augenblicken. Beinahe wähnt man sich in einer Endlosschleife, einem beständigen Déjà-vu oder doch nur im schwarzen Loch vergessener Momente nach einer durchzechten Nacht. Ein Beispiel dafür ist der famose Right Now, Wrong Then. In der Mitte des Filmes, der von den Annäherungsversuchen zwischen einem Filmemacher und einer Malerin erzählt, gibt es plötzlich einen Bruch und alles scheint von vorne zu beginnen. Nur etwas hat sich verändert. Die Figuren verhalten sich anders und dadurch entsteht ein anderer Film an den gleichen Orten. Obwohl Hong aufgrund seines großen Gespürs für Dialoge zwischen den Geschlechtern hier und da mit Éric Rohmer oder gar Woody Allen verglichen wird, scheint ein Vergleich mit Luis Buñuel angebrachter. Die Filme beginnen in einer äußerst konkreten Realität, und ehe man sich’s versieht, wandelt man wie in einem Traum durch Erinnerungslücken. Man entdeckt Surrealismen einer Fake-Welt und ein virtuoses Spiel mit den Erwartungen der Schauenden. (Patrick Holzapfel)

Am 28.3. um 19 Uhr wird Patrick Holzapfel vor der Vorführung von HOTEL BY THE RIVER einen einführenden Vortrag in das Werk von Hong Sang-soo halten.