Die Regisseurin Andrea Arnold gilt als eine der prominentesten Vertreterinnen des neuen britischen Kinos. Nach einem Regiestudium in Los Angeles stellte sie sich hinter die Kamera, um der Welt ihren Blick auf das Leben zu präsentieren und war damit äußerst erfolgreich. Bereits mit ihrem 26-minütigen Film WASP gewann sie 2004 den Kurzfilm-Oscar, ihren ersten Spielfilm RED ROAD brachte sie 2006 im Wettbewerb in Cannes unter und nahm dafür gleich den Preis der Jury in Empfang. Auch ihr zweiter Langfilm FISH TANK erhielt in Cannes (2009) den Preis der Jury. Mit WUTHERING HEIGHTS – EMILY BRONTËS STURMHÖHE (2011) gelang ihr ebenfalls ein beeindruckender, weltweiter Lauf durch die Festivals.
Sie bereichert mit ihren Werken die Filmlandschaft Großbritanniens um eine wertvolle weibliche Perspektive, aus der heraus sie Themen wie Armut, Alltags- und Trauerbewältigung und das pendelnde Gleichgewicht menschlicher Beziehungen im Auf und Ab meisterhaft darstellt. Die hässliche Fratze der Realität wandelt sich in ihren Filmen zuweilen zu einer Ästhetik des Ungeordneten als Schönem, wenn ihre Protagonisten trotz wiederholter Anfeindungen und sogar physischer Auseinandersetzungen doch wieder zueinanderfinden. Manchmal gelingt es ihren Charakteren auch, mittels unkonventioneller Methoden ein Trauma zu überwinden und ihr Leben wieder aktiv in Angriff zu nehmen. Die sozialkritischen Filme blicken über den engen Tellerrand der in Film und Fernsehen oft dominierenden Mittelschicht hinaus und zeigen immer wieder Missstände in Großbritannien und Nordamerika auf. Arnold selbst zeigt sich in Interviews betroffen von den Zuständen und der Armut, die sie sowohl in ihrer britischen Heimat, als auch in den Vereinigten Staaten beobachtet hat.
Kritiker vergleichen ihr Werk mit dem naturalistischen Stil eines Ken Loach und den Filmen von Lynne Ramsay, die ihren Schwerpunkt auf Bild und Vertonung statt auf Dialog fokussiert und mit verwandten Themen aufwartet. Ebenfalls können Arnolds Filme der britischen Kitchen-Sink-Tradition zugeordnet werden, nach der ein bestimmtes Milieu nicht verurteilt wird, sondern man stattdessen eine Perspektive in ihm einnimmt. Seit einigen Jahren führt Arnold nun verstärkt Regie in Serien.