Museum für Kommunikation aktualisiert Dauerschau

Neue Wege zum Journalismus

von Vera Losse - 28.2.2023

Nürnberg - Am 29. Marz 2023 ist es so weit: Das Museum für Kommunikation Nürnberg eröffnet den neugestalteten Bereich Medien und Journalismus. Für den Umbau ist das Haus bis einschließlich 6. März 2023 geschlossen (das DB Museum bleibt aber geöffnet).

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Anette Roeckl interviewt 2017 den damaligen OB Ulrich Maly, mit dabei Block und Stift.

Haben Sie heute Morgen beim Frühstück klassisch die gedruckte Tageszeitung aufgeschlagen oder zu ihrem Smartphone gegriffen und ihre Lieblings-Newsapp oder ein digitales Nachrichtenportal gecheckt? Letzteres liegt im Trend, denn mit Smartphone, Laptop oder Tablet haben fast alle Menschen heute ein mobiles Gerät zur Verfügung und können sich permanent, in Echtzeit, einen Überblick über die Neuigkeiten des Tages verschaffen.

Dabei müssen sich Informationshungrige fragen, was ihnen Nachrichten wert sind. Denn die Geschäftsmodelle von Medienhäusern haben sich in den letzten zwanzig Jahren stark verändert. Im klassischen Abonnement oder hinter der Online-Bezahlschranke kosten Artikel nach wie vor Geld. Wenn Neugierige aber konkurrierende, scheinbar kostenlose digitale Angebote nutzen, sammeln fleißige Trackingprogramme ihre Daten und verwerten sie gewinnbringend.

Auch die Wege, wie und von wem Nachrichten produziert werden, waren in den letzten zwei Jahrzehnten großen technischen und medialen Umbrüchen unterworfen. So hat sich das klassische Berufsbild von Redakteuren und Journalistinnen aus Printmedien, linearem Radio und Fernsehen radikal verändert. Bis in die frühen 2000er Jahre recherchierten und verarbeiteten sie Nachrichten, um sie dann für Artikel, Sendungen oder TV-Beiträge aufzubereiten und zu publizieren. Heute haben sie durch die Konkurrenz neuer digitaler Kanäle oftmals ihre Deutungshoheit verloren. Influencerinnen und Meinungsmacher wie Chiara Ferragni oder der Youtuber Rezo treten in Wettstreit mit ihnen um Aufmerksamkeit und Klickzahlen. All diese Themen rund um technologische Umbrüche, den Wert von Nachrichten und den Wandel in der Berichterstattung werden im neuen Bereich Medien und Journalismus der Dauerausstellung aufgegriffen.

Eine weitere Herausforderung für Journalisten ist das crossmediale Arbeiten. Sender wie der Bayerische Rundfunk oder Medienhäuser wie der Verlag Nürnberger Presse spielen Informationen über unterschiedliche Kanäle aus, vom Zeitungsartikel oder der Radioreportage über Podcasts bis hin zu diversen Social-Media-Angeboten. Im neuen Ausstellungsbereich wird der Wandel des journalistischen Berufsbildes seit den 1980er Jahren in einer zentralen Vitrine in der Mitte des Raumes vorgestellt.

Zuvor können sich die Gäste mithilfe eines ausführlichen Zeitstrahls darüber informieren, wie sich Medien und Nachrichtenkommunikation seit der Erfindung des Drucks durch Johannes Gutenberg entwickelt haben. Biographien von Journalistinnen und Medienphänomene wie der „rasende Reporter“ der 1920er Jahre machen die Entwicklung anschaulich.

Im Folgenden lenken Medienstationen den Blick auf das Leseverhalten und die Medienfinanzierung. Danach können die Besuchenden an dem „Newsdesk“ genannten Informationstisch selbst aktiv werden: indem sie etwa Fake News erkennen, selber Layouts für Onlinezeitungen mithilfe von künstlicher Intelligenz entwickeln oder zum Thema Pressefreiheit und den Grenzen der Berichterstattung recherchieren. Vorgestellt wird dort auch das Nürnberger Start-Up Relevanzreporter. Es versucht gemeinsam mit seiner Community, neue Formen des Lokaljournalismus in der Metropolregion zu etablieren.

Inhaltlich entwickelt wurde der neue Bereich in Kooperation mit Jonas Schützen-eder und Michael Graßl vom Lehrstuhl für Journalistik der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Einen Vorgeschmack auf die aktuellen Fragestellungen rund um das Thema Journalismus und Medien gibt der Podcast newsdesk, den die beiden Wissenschaftler mit ihren Studierenden in Kooperation mit dem Museum produziert haben. Dieser ist auf der Museumswebsite abrufbar.

Und weil nichts so alt ist wie die Informationen von gestern, werden über eine digitale und mediale Erweiterung auf der Website aktuelle Entwicklungen dokumentiert. Direktorin Annabelle Hornung sieht hierin einen wichtigen Baustein zur Modernisierung der Museumsarbeit, denn „unsere Museumsgäste wollen sich auch vor oder nach ihrem Besuch informieren oder bestimmte Themen vertiefen. Dafür ist die virtuelle Erweiterung des Ausstellungsbereiches das perfekte Medium – zumal wir hier auch dem steten Wandel im Bereich Journalismus Rechnung tragen können“.

Auch dank der Förderung durch die „Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern“ konnte jetzt dieser erste Schritt zur Aktualisierung der Dauerausstellung des Museums unternommen werden. In den kommenden Jahren wird die Neukonzeption mit den Bereichen zur verschlüsselten Kommunikation und zum Thema Fernsehen fortgesetzt.

Arbeiten am Integrierten Desk der NN/ NZ und Online. © Stefan Hippel

Museum für Kommunikation Nürnberg
Lessingstraße 6
90443 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – Fr 9 – 17 Uhr, Sa, So, Fei 10 – 18 Uhr
Telefon: 0911 23 08 80
mfk-nuernberg.de

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