Womit Feldärzte und Bader früher heilten

Zangen, Sägen und Nahtmuster für Wunden: Das Handwerk in der Medizin

von Verena Krippner - 4.3.2022

Nürnberg - Seit Oktober leitet Susanne Thürigen die Sammlung für Wissenschaftliche Instrumente und Medizingeschichte, Waffen und Jagdkultur des GNM. Mit ihrem Einstieg übernimmt sie auch die Neupräsentation von 200 pharmazie- und medizinhistorischen Exponaten, die ab Mitte des Jahres in der wiedereröffneten Dauerausstellung zum Handwerk und der Medizin zu sehen sein werden.

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Susanne Thürigen und Restaurator Roland Schewe bringen Geburtszangen in der neuen Dauerausstellung an.

Weiße Kittel, der Geruch von Desinfektionsmitteln und Mund-Nasen-Bedeckungen – beim Stichwort Medizin denken wohl die wenigsten an Werkzeuge. Dabei war sie über Jahrhunderte eng mit dem Handwerk verknüpft. Für Susanne Thürigen verdeutlicht ein Highlight diese Verbindung ganz besonders: ein Wundnahtmuster aus dem 18. Jahrhundert. Das Leder, mit Textilfäden durchzogen, zeigt unterschiedliche Methoden des Wundverschlusses und diente als Modell für angehende Wundärzte. Solche Muster sind kaum noch erhalten und deshalb ein absolutes Pfund der Sammlung. Exponate wie Amputationssägen, Prothesen oder Kugelzangen sind ebenfalls dem Bereich der Feldarznei zuzuordnen.

Das medizinische Handwerk erstreckte sich noch auf weitere Bereiche. So werden auch Instrumente der sogenannten Bader zu sehen sein. Denn nicht nur bei den alten Römern und Griechen, auch in der frühen Neuzeit gab es Badehäuser. Der Bader war dort mit kleinem Messer für den Aderlass oder Schröpfgefäß zugange, um den Körper wieder in Einklang zu bringen. Die Badehäuser und die überlieferten Objekte bezeugen das frühe Bewusstsein dafür, dass Hygiene essenziell ist. Der Beruf des Baders steht beispielhaft dafür, wie praxisorientiert medizinische Berufe damals waren, betont Thürigen. Das Badehaus war aber noch viel mehr als ein Ort für therapeutische Anwendungen. Die Einrichtung diente als sozialer Treffpunkt, der von reichen Patriziern wie von Menschen aus ärmeren Gesellschaftsschichten besucht wurde. Im Germanischen Nationalmuseum stehen die medizinhistorischen Exponate in einem kulturhistorischen Kontext. Es geht dabei um Praktiken vom Menschen am Menschen, so die Sammlungsleiterin.

Für die neue Dauerausstellung ist es der Kunsthistorikerin ein besonderes Anliegen, auch auf das medizinische Wissen der Frauen einzugehen. Vor allem in der Geburtshilfe war die langjährige Erfahrung von Hebammen und ihre Kenntnis von speziellen Handgriffen von großer Bedeutung. In der Geschichtsschreibung tauchen sie kaum auf. Es sei deshalb wichtig, die Rolle der Frau in der Medizingeschichte sichtbar zu machen.

Der immer neue Blick auf Gegenwärtiges und Vergangenes soll in der neuen Dauerausstellung durch zwei flexible Vitrinen geschärft werden. Mit dem Wechsel der Exponate kann schnell auf gesellschaftliche Diskussionen reagiert werden. Die ersten Themen sind mit der Corona-Pandemie und der Geschichte des Impfens bereits gesetzt.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
90402 Nürnberg
Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr, Mi 10 – 20.30 Uhr
Telefon: 0911 13 31-0
www.gnm.de

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