Die Kunstvilla im KunstKulturQuartier ist ein städtisches Museum, das sich mit seinen Ausstellungen der Präsentation, Vermittlung und Erforschung der regionalen Kunstgeschichte widmet. In einer denkmalgeschützten historischen Villa, die für ihre neue Bestimmung als Ausstellungsgebäude aufwendig renoviert und umgebaut wurde, zeigt das Museum auf rund 600 Quadratmetern thematische wie monografische Ausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts aus den städtischen Beständen sowie von öffentlichen und privaten Leihgebern. Die Sonderausstellungen erstrecken sich im Bereich des Dachgeschosses, können sich aber auch punktuell durch die Dauerausstellung im Erd- und Obergeschoss ziehen. Die Dauerausstellung wird zusätzlich in regelmäßigen Abständen von Szenenwechseln belebt.

Sonderausstellung: Dore Meyer-Vax (1908 – 1980) – Engagierte Kunst

24.10.2020 bis 21.2.2021

Die 1908 in Nürnberg geborene Künstlerin Dore Meyer-Vax gehört zu den Künstlern und Künstlerinnen, für die ihr Schaffen mit dem Anspruch verbunden ist, Stellung zu politischen wie gesellschaftlichen Themen zu nehmen. Die Kunstvilla ehrt diese engagierte künstlerische Position mit einer umfassenden Retrospektive anlässlich des 40. Todestags der Künstlerin.
Dore Meyer-Vax studierte zunächst bei Rudolf Schiestl (1878 – 1931) und Max Körner (1887 – 1963) an der Staatsschule für Angewandte Kunst in Nürnberg, danach von 1929 bis 1931 bei Emil Rudolf Weiß (1875 – 1942) und Karl Hofer (1878 – 1955) in Berlin. Dort verkehrte sie im Kreis von Felix Nussbaum (1904 – 1944), der sie porträtierte. 1939 kam Meyer-Vax nach Nürnberg zurück, wo sie bis Kriegsende als technische Zeichnerin zwangsverpflichtet wurde. Ihr Mann, der Künstler Walter Meyer, fiel 1942 vor Stalingrad und beider Frühwerk verbrannte bei Luftangriffen. Nach 1945 entstanden eindringliche Bilder, in denen sie das Trauma des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs verarbeitete. Ende der 1960er-Jahre wandte sie sich verstärkt dem Zeitgeschehen zu und schuf ein beeindruckendes OEuvre politischer Grafik zu aktuellen Themen wie dem Vietnamkrieg und der Rassentrennung in den USA. Daneben wurden Mutter-Kind-Szenen ein bevorzugtes Motiv der kinderlos gebliebenen Künstlerin. Außerdem wirkte Dore Meyer-Vax im Bereich Kunst am Bau.


Die Ausstellung zeigt mit rund 100 Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken das Schaffen einer Künstlerin, die der Figuration als Ausdruck politischen Gestaltungswillens treu blieb. Meyer-Vax kämpfte für eine Kunst, die sich angesichts der deutschen Vergangenheit einmischt; außerdem hielt sie Kontakte in die DDR aufrecht, wo sie bereits zu Lebzeiten eine Bezugsgröße darstellte.

 

Zum Download des Ausstellungsflyers (pdf, 125 KB) mit allen Informationen und Begleitveranstaltungen

Jubiläumsraum: Ria Picco-Rückert – Eine Malerin im Nationalsozialismus

24. Oktober 2020 bis 21. Februar 2021

Der angepasste künstlerische Weg Picco-Rückerts im Nationalsozialismus wird als Gegenbeispiel zu der ab 1933 mit Ausstellungsverbot belegten und politisch engagierten Dore Meyer-Vax (1908 – 1980) vorgestellt. Ria Picco-Rückert erhielt ihre Ausbildung in den 1920er-Jahren zunächst an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg bei den Professoren Karl Selzer (1872 – 1939), Max Körner (1887 – 1963) und Hermann Gradl (1883 – 1964), anschließend an den Kunstakademien Stuttgart, Wien und der Großherzoglich- Sächsischen Kunstschule Weimar. Ende der 1920er-Jahre entstanden aus eigenem Interesse erste Gemälde der Maximilianshütte in Sulzbach-Rosenberg, mit denen sich Picco-Rückert erfolgreich als Industriemalerin etablierte. In der Folgezeit erhielt Picco-Rückert ab Anfang der 1930er-Jahre bis zu ihrem Lebensende kontinuierlich Aufträge verschiedener Bergbauunternehmen und Stahlwerke. Die Präsentation im Jubiläumsraum zeigt die zwei inhaltlichen Pole im Werk der Künstlerin, die bei Picco-Rückert auch das Spannungsfeld von Auftragskunst und freier Kunst verdeutlichen: die in realistischer Manier erfassten mächtigen Industrieanlagen neben idyllischen, vornehmlich auf Reisen entstandenen Landschaftsmalereien, mit denen sie in den 1950er-Jahren in viele Sammlungen Eingang fand.