Kunst im öffentlichen Raum
Was würde Dürer sagen?
Jochen Gerz
Jahr 2000
Kunstform Plexiglas, Folie, 310 x 280 cm
Adresse Ecke Königstormauer und Lorenzer Straße, an der Fassade der Kunsthalle über dem Arkadendurchgang
An der Fassade der Kunsthalle Nürnberg begegnet Albrecht Dürer der Gegenwart: Für die Ausstellung „I Believe in Dürer“ schuf Jochen Gerz mit „Was würde Dürer sagen?“ ein Werk im öffentlichen Raum, das später angekauft wurde und bis heute an der Westseite der Kunsthalle über dem Arkadendurchgang zu sehen ist.
Die Arbeit besteht aus einer großen transparenten Acrylglasplatte, in die ein Text eingraviert ist. In ihrer Form erinnert sie an Werbeschilder, wie sie im Stadtraum alltäglich sind. Zugleich bleibt durch das Material der Blick auf den Sandstein des denkmalgeschützten Gebäudes frei. So verbindet das Werk Gegenwart und Geschichte, Sprache und Architektur, öffentlichen Raum und institutionellen Ort.
Der vollständige Text lautet:
Was würde Dürer
sagen, wenn er die
Freunde von heute
sähe?
Alle, die uns fehlen!
Würde er sich auf die
Seite derer schlagen,
die das Neue in der
Kunst bekämpfen?
Schrift, Sprache und Text sind zentrale Mittel im Werk von Jochen Gerz, der 1940 in Berlin geboren wurde, den größten Teil seines Lebens in Paris verbrachte und seit 2008 in Irland lebt. Seit den 1960er Jahren prägen sie seine künstlerische Arbeit, ebenso wie seine seit den 1980er Jahren im öffentlichen Raum realisierten Mahnmale und Projekte. Auch „Was würde Dürer sagen?“ fordert die Passantinnen und Passanten dazu auf, Stellung zu beziehen. Das Werk ruft Bilder auf, stellt Fragen und verweigert zugleich eine einfache, eindeutige Antwort.
Ausgangspunkt ist die Frage nach Albrecht Dürer und seiner Bedeutung für die Gegenwart. Gerz verschränkt dabei verschiedene Zeitebenen: die historische Figur Dürers, den Blick auf die Gegenwart und die künstlerische Antwort im Heute. Die Arbeit fordert dazu auf, vertraute Bilder von Dürer zu hinterfragen. Sie richtet den Blick auf die Spannung zwischen Tradition und Gegenwart, Erinnerung und Erneuerung sowie auf den Umgang mit Geschichte und Moderne in Nürnberg.
So wird „Was würde Dürer sagen?“ an der Kunsthalle Nürnberg zu einem dauerhaft sichtbaren Beitrag zur Auseinandersetzung mit Kunst, Geschichte und Öffentlichkeit. Die Arbeit bezieht im Stadtraum Stellung, ohne eindeutige Antworten zu geben, und verbindet die Erinnerung an Dürer mit einem klaren Bekenntnis zur Gegenwartskunst.
Mehr erfahren Sie auf der Website des Künstlers Jochen Gerz
Dieses Kunstwerk gehört zum Kunstspaziergang um das Künstlerhaus.

