Marcel Odenbach: Es Brennt

3. Oktober 2020 bis 10. Januar 2021

Eröffnung: Freitag, 2. Oktober 2020, 17 - 22 UHr

Bedeutung von Geschichte für die Gegenwart und der Umgang mit Erinnerung und Gedächtnis bilden das Leitmotiv im Werk von Marcel Odenbach. Der 1953 in Köln geborene Künstler ist ein Pionier der Videokunst in Deutschland, der schon früh eine spezifische Bildsprache der Montage und Überblendung von Film- und Fernsehmitschnitten, Archivmaterial und selbst produzierten Bildern sowie Filmsequenzen entwickelt hat. Bereits in den 1970er-Jahren begann Marcel Odenbach mit Videotechnik zu arbeiten und entwickelte schnell eine eigenständige Bildsprache. Die Bilder von Ereignissen aus Politik, Kultur, Sport oder Zeitgeschichte werden dabei aus ihrem ursprünglichen Kontext geschnitten und in neue Zusammenhänge überführt. Die Spurensuche in Archiven und Magazinen führte zu umfangreichen Materialsammlungen, aus denen Marcel Odenbach großformatige Papierarbeiten mit spezifischen Collage- und Kopiertechniken entwickelte. Sie ziehen zunächst auf der Makroebene mit klar erkennbaren Motiven in den Bann, sind jedoch aus Hunderten Einzelbildern zusammengesetzt. Sowohl bei den Collagen aus Papier wie bei den Videos arbeitet Marcel Odenbach mit vergleichbaren Techniken von Schnitt und Montage, die Gegenüberstellungen und Überblendungen von geschichtlichen Ereignissen und individuellen Erinnerungen ermöglichen.
Odenbachs Filme und Videoinstallationen, Collagen und Zeichnungen lenken den Blick auf autoritäre und ideologische Strukturen, die für Gewalt und Machtmissbrauch ursächlich sind. Dabei beschränkt sich der Künstler keineswegs auf Themen der deutschen Geschichte wie Nationalsozialismus, Wirtschaftswunder oder Wiedervereinigung, die seine eigene Biografie und Identität geprägt haben. Er zieht auch Verbindungslinien zur kolonialen Ausbeutung und Unterdrückung afrikanischer Länder und zur Geschichte der Sklaverei und des Rassismus: Themen, die bis heute in vielen Teilen der Welt soziale Verhältnisse bestimmen und politische Konflikte immer wieder aufbrechen lassen. Aus gutem Grund hat Marcel Odenbach daher seiner Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg den Titel Es brennt gegeben. Die gleichnamige Collage, die an die Zerstörung jüdischer Geschäfte und Synagogen am 9. November 1938 erinnert, ist eigens für die Werkschau in der Kunsthalle Nürnberg entstanden.
Die Ausstellung gibt mit einer Auswahl von mehr als 30 Collagen, den raumfüllenden Videoinstallationen Beweis zu Nichts (2016) und Tropenkoller (2017) sowie einer Rückblende mit vier frühen Videoarbeiten aus den Jahren 1978 bis 1989 einen konzentrierten Einblick in das vielfältige Werk von Marcel Odenbach. Der Künstler, der in Köln, Berlin und zeitweise in Ghana lebt, erhielt u. a. 1991 den Renta-Preis Nürnberg und lehrt nach Stationen an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und der Kunsthochschule für Medien in Köln 2010 als Professor für Film und Video an der Kunstakademie Düsseldorf.
Zur Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg erscheint ein Katalog im Snoeck Verlag mit Essays von Hans Dickel, Ellen Seifermann und Mirjam Zadoff, der nicht nur die ausgestellten Werke dokumentiert, sondern auch Atelieraufnahmen und Arbeitssituationen enthält.

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