Delikatessen. Zwischen Kunst und Küche

9. November 2024 bis 2. März 2025

Eröffnung: Freitag, 8. November 2024, 19 Uhr

„Alaska Lachs in Sonnenstrahlen mit Mars-Sauce", „Äquator + Nordpol", „Kandierte atmosphärisch Elektrizität“ – so hießen die Gerichte, die die italienischen Futuristen Anfang der 1930er-Jahre in der von ihnen eröffneten „Taverne zum Heiligen Gaumen“ in Turin anboten. Überhaupt sollte die italienische Kochkunst umfassend und grundlegend erneuert werden. Die Künstlergruppe forderte, die italienische Pasta abzuschaffen und sie durch „Ernährungswellen über das Radio“ zu ersetzen.

Künstler*innen scheinen besonders innovativ und visionär zu sein, wenn es um den Akt des Kochens geht. Die internationale Gruppenausstellung Delikatessen. Zwischen Kunst und Küche  wirft einen Blick in die Küchen der Kunstwelt. Die Parallelen zwischen Kunst und Kochen sind ebenso offensichtlich wie vielfältig: Beides hat mit Sinnlichkeit, Kreativität und bewusster Komposition zu tun. Die Ausstellung präsentiert ca. 20 künstlerische Positionen, die sich mit erlesenen Zutaten, ausgefeilten Rezepten und genussvollen Erlebnissen befassen und dabei die Grenze zwischen Kunst und Küche verschwimmen lassen.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Essen“ reicht weit in die Kunstgeschichte zurück. Wie zahlreiche ägyptische Gräber und römische Häuser in Pompeji belegen, gab es bereits in der Antike Wandmalereien mit Stilllebenkompositionen. Nachdem deren Popularität im Mittelalter stark zurückgegangen war, tauchte das Stillleben erst im 16. Jahrhundert wieder auf und entwickelte sich dann zu einem eigenständigen Genre. Seinen Höhepunkt erreichte es in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Auch die Darstellung des Gastmahls, des gemeinsamen Essens, ist ein in der Kunstgeschichte immer wiederkehrendes Motiv. Berühmte Beispiele dafür sind das Abendmahl (1497) von Leonardo da Vinci, das Hochzeitsbankett von Amor und Psyche (1517) von Raphael, die Bauernhochzeit (1568) von Pieter Bruegel d. Ä. und Èdouard Manets Frühstück im Grünen (1863).

Erst im 20. Jahrhundert kam es in der bildenden Kunst zu dem Einsatz von realen Lebensmitteln. Die italienischen Futuristen waren die ersten, die auf die Idee kamen, dass Kunst und Kochen etwas miteinander zu tun haben könnten. Alaska Lachs in Sonnenstrahlen mit Mars-Sauce, Äquator + Nordpol, Kandierte atmosphärische Elektrizität hießen die Gerichte, die sie Anfang der 1930er-Jahre in der von ihnen in Turin eröffneten Taverne zum Heiligen Gaumen anboten. Mit der Erfindung einer „Koch-Kunst“ und einem selbstbetriebenen „Koch-Kunstraum“ führten sie eine neue Form der künstlerischen Praxis in die bildende Kunst ein.

In unserer Gesellschaft lässt sich heute eine größer werdende Hinwendung zum Thema Essen beobachten. Bereits Mitte der 1980er-Jahre war in Italien als Gegenbewegung zum globalisierten Fast Food die sogenannte Slow-Food-Bewegung entstanden. In den 1990er-Jahren begann dann der Boom der Kochsendungen, der bis heute anhält: Auf allen Kanälen werden unzählige Koch-Talkshows, Koch-Duelle und Formate wie Das perfekte Dinner ausgestrahlt. Zunehmend werden gastronomische Events wie Gourmet Festivals und Street Food Märkte veranstaltet, während sich Kochbücher inzwischen zu regelrechten Bestsellern entwickelt haben.

Allgemein wächst das Bewusstsein für die Bedeutung einer gesunden Ernährung, das Interesse an der Herkunft der Lebensmittel steigt und die Anzahl der Personen, die sich regional, biologisch, vegetarisch oder vegan ernähren, wird immer größer. Tagtäglich werden in den sozialen Medien unzählige Bilder von kreativ, teilweise kunstvoll hergerichteten Speisen gepostet und kaum ein Life-Stile-Magazin kommt ohne eine Koch- bzw. Rezeptrubrik aus. Das Thema Essen scheint die Menschen immer mehr zu beschäftigten und wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einzunehmen.

Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Entwicklung widmet sich die Ausstellung Delikatessen. Zwischen Kunst und Küche den vielfältigen Schnittstellen zwischen Kunst und Küche. Präsentiert werden Werke von ca. 20 internationalen Künstler*innen von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart. Die Bandbreite der verwendeten Medien reicht von Gemälden, Zeichnungen und Collagen über Fotografien und Videoarbeiten bis zu Objekten und ortsbezogenen Installationen, die speziell für die Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg entwickelt werden. Das Spektrum der künstlerischen Auseinandersetzung ist vielfältig. Gesellschaftskritische und politische Ansätze sind ebenso vertreten wie humorvolle und verspielte Herangehensweisen. Existenzielle und sinnliche Aspekte des Kochens, Essens und Trinkens werden thematisiert, aber auch moderne Ernährungslehre, Schlankheitswahn und Fast Food. Weitere Aspekte sind Überfluss und Hunger, Konsumverhalten und Globalisierungskritik.

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